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Berufsunfähigkeitsversicherung für Assistenzärztinnen in der Chirurgie
Musterfall: 28 Jahre, 2. Weiterbildungsjahr zur Fachärztin für Chirurgie, verheiratet, Kinderwunsch in etwa zwei Jahren, pflichtversichert im ärztlichen Versorgungswerk, bisher kaum Vorkenntnisse zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
Du möchtest deine BU als Assistenzärztin sauber und vorausschauend aufsetzen?
Persönliche BU-Beratung anfragen1. Deine Ausgangslage als Assistenzärztin in der Chirurgie
Als Assistenzärztin in der Chirurgie arbeitest du in einem fachlich und körperlich sehr anspruchsvollen Umfeld: lange Dienste, Nacht- und Bereitschaftsdienste, Operationen, Notfälle, hohe Konzentrationsanforderung, Dokumentationsdruck und Verantwortung am Patienten.
Typische Belastungen in deinem Berufsbild:
- Stundenlanges Stehen im OP, Heben und Lagern von Patienten.
- Feinmotorische Tätigkeiten (Naht, laparoskopische Eingriffe, Arbeit mit Mikroinstrumenten).
- Hoher psychischer Druck durch Verantwortung, Hierarchien und Zeitdruck.
- Exposition gegenüber Blut, Sekreten und damit verbundenen Infektionsrisiken.
Gleichzeitig planst du in den nächsten Jahren Kinder. Das bedeutet:
- Phasen mit reduziertem Einkommen (Schwangerschaft, Mutterschutz, Elternzeit, evtl. Teilzeit).
- Steigende Fixkosten für Familie und ggf. später für eine Immobilie.
Wichtiger Hinweis: Versorgungswerk ist kein vollständiger BU-Schutz
Das ärztliche Versorgungswerk bietet eine Absicherung bei Berufsunfähigkeit, aber nur unter sehr strengen Voraussetzungen. In vielen Fällen, in denen du deinen bisherigen Beruf in der Chirurgie nicht mehr ausüben kannst, bekommst du von dort keine oder nur eine sehr geringe Leistung.
2. Was dein ärztliches Versorgungswerk bei Berufsunfähigkeit leistet
2.1 Strenge Definition von Berufsunfähigkeit
Versorgungswerke knüpfen Leistungen meist daran, dass du deinen Beruf zu 100 % nicht mehr ausüben kannst und häufig auch in keiner anderen ärztlichen Tätigkeit mehr einsetzbar bist. Typische Konsequenz:
- Wenn du zwar nicht mehr operieren darfst, aber theoretisch noch in einem MVZ, der Verwaltung oder als Gutachterin arbeiten könntest, kann die BU-Rente des Versorgungswerks versagt werden.
2.2 Höhe und Versorgungslücke
Besonders zu Beginn deiner ärztlichen Karriere sind die Anwartschaften im Versorgungswerk niedrig:
- Du zahlst erst seit wenigen Jahren ein – entsprechend gering ist die mögliche BU-Rente.
- Die Leistungen sind nicht darauf ausgelegt, deinen aktuellen Lebensstandard mit Miete, Lebenshaltung und Familienplanung langfristig zu sichern.
Typischer Irrtum
„Ich bin doch im Versorgungswerk, das reicht schon.“ – In der Praxis reicht die BU-Rente des Versorgungswerks allein selten aus, um deinen Lebensstandard, Kredite und Familienpläne zu finanzieren. Eine ergänzende private BU ist daher zentral.
3. Warum eine private BU für dich als Chirurgin unverzichtbar ist
3.1 Spezifische Risiken deines Fachgebiets
Gerade im OP-Bereich können schon scheinbar „kleine“ Einschränkungen deine bisherige Tätigkeit unmöglich machen:
- Störungen der Feinmotorik oder Sensibilität der Hände.
- Chronische Rücken- oder Gelenkprobleme bei stehender Tätigkeit.
- OP-Verbote nach Infektionen oder bestimmten Erkrankungen.
- Psychische Erkrankungen (z. B. Depression, Anpassungsstörung, Burn-out).
3.2 Lebensstandard und Familienpläne
Im Ernstfall ohne private BU:
- Dein Haushalt hängt stark vom Einkommen deines Partners ab.
- Pläne für Kinder, Immobilie oder selbstständige Tätigkeit werden finanziell deutlich riskanter.
- Du bist eventuell gezwungen, Tätigkeiten anzunehmen, die fachlich oder gesundheitlich nicht optimal passen.
Eine private BU sichert deinen Basis-Lebensstandard und gibt dir Spielraum, medizinische und familiäre Entscheidungen nicht aus finanzieller Not heraus treffen zu müssen.
Du möchtest wissen, wie groß deine persönliche Versorgungslücke ist?
Versorgungslücke durchrechnen lassen4. Wie hoch sollte deine BU-Rente sein?
4.1 Beispielrechnung für deine Situation
Angenommen, dein Einkommen als Assistenzärztin im 2. Weiterbildungsjahr liegt inklusive Dienste etwa bei 3.000–3.300 € netto pro Monat. Ein realistischer Haushaltsplan (noch ohne Kinder) könnte so aussehen:
| Position | Monatlicher Betrag (ca.) |
|---|---|
| Warmmiete | 1.200 € |
| Lebenshaltung (Essen, Kleidung, Mobilität, Freizeit) | 700 € |
| Versicherungen, Handy, Internet, Beiträge | 250 € |
| Rücklagen und Sparen | 350 € |
| Gesamtbedarf | ca. 2.500 € |
Mit Kind(ern) und eventuell Kredit steigt der Bedarf schnell auf 2.500–3.000 € und mehr – je nachdem, wie ihr euch die finanzielle Verantwortung im Paar aufteilt.
4.2 Praxisnahe Faustregel
- Zielgröße: etwa 70–80 % deines aktuellen Nettoeinkommens als BU-Rente.
- Für dich heute: beispielsweise 2.200–2.500 € BU-Rente als Startgröße.
- Mit klaren Nachversicherungsoptionen Richtung 3.000–3.500 € in den nächsten Jahren (Facharzt, Oberarzt, Kinder).
Wichtig: Maximale Absicherungshöhe
Versicherer begrenzen die maximal versicherbare BU-Rente oft auf eine Quote deines aktuellen Brutto- oder Nettoeinkommens. Bei Assistenzärzten ist daher eine anfänglich niedriger gewählte Rente, aber mit exzellenten Nachversicherungsgarantien (d.h. Erhöhung später ohne neue Gesundheitsprüfung), die beste Strategie.
5. Wichtige Vertragsdetails speziell für Ärztinnen
5.1 Die „Ärzteklausel“ (Verzicht auf abstrakte Verweisung)
Die private BU verzichtet auf die sogenannte "abstrakte Verweisung". Das bedeutet:
- Der Versicherer kann dich nicht auf einen *anderen* Beruf verweisen, den du theoretisch ausüben *könntest* (z.B. Kassiererin), wenn du deinen aktuellen Beruf (Chirurgin) nicht mehr ausüben kannst.
- Er verweist dich aber – gerade bei Ärztinnen – auf eine *andere* zumutbare ärztliche Tätigkeit (z.B. Gutachter, Verwaltung, MVZ).
Um das zu verhindern, bieten viele Gesellschaften eine spezielle Ärzteklausel. Diese stellt klar, dass im Leistungsfall primär auf die aktuelle Tätigkeit als Ärztin abgestellt wird (z. B. als Assistenzärztin in der Chirurgie).
Der Goldstandard: Klausel mit Facharztabgrenzung
Die beste Formulierung sichert dir zu, dass im Leistungsfall auf deine konkrete Tätigkeit als Assistenzärztin in der Chirurgie und nicht abstrakt auf *irgendeine* ärztliche Tätigkeit abgestellt wird. Nach Erlangung des Facharzttitels sollte sich der Schutz automatisch auf die Tätigkeit als Fachärztin für Chirurgie beziehen.
5.2 Infektionsklausel (Übertragungsrisiko)
Als Chirurgin arbeitest du mit Blut und potenziell infektiösem Material. Wenn dir aufgrund einer Infektion (z. B. Hepatitis, HIV) ein behördliches Tätigkeitsverbot (OP-Verbot) auferlegt wird, kann das existenzbedrohend sein.
Die Infektionsklausel (oder Seuchenklausel) sorgt dafür, dass die BU-Rente auch dann gezahlt wird, wenn die Berufsunfähigkeit durch ein solches behördliches Verbot ausgelöst wird.
5.3 Vereinfachte Leistung bei Arbeitsunfähigkeit (AU-Klausel)
Die sogenannte AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeitsklausel) regelt, dass der Versicherer leistet, wenn du über einen bestimmten Zeitraum (oft 6 Monate) ununterbrochen krankgeschrieben (AU) warst.
Vorteile:
- Leistung bereits aufgrund ärztlicher Krankschreibung, ohne dass eine 50 %ige BU geprüft werden muss.
- Besonders hilfreich bei psychischen Erkrankungen oder komplexen Verläufen.
Nachteile:
- Spürbar höhere Beiträge gegenüber einer BU ohne AU-Klausel.
- Die Bedingungen (z. B. maximaler Leistungszeitraum, Nachweisform) unterscheiden sich je nach Versicherer.
5.4 Zusammenspiel mit Krankentagegeld
Als angestellte Ärztin erhältst du im Krankheitsfall:
- bis zu 6 Wochen Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber,
- danach Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse und ggf. tarifliche Zuschüsse.
Ein privates Krankentagegeld kann die Lücke zwischen Krankengeld und deinem Nettoeinkommen schließen – meist ab der 7. Krankheitswoche.
| AU-Klausel in der BU | Privates Krankentagegeld | |
|---|---|---|
| Zweck | Frühzeitige BU-Rente bei längerer Krankschreibung | Einkommensersatz während Krankheit (kurz- bis mittelfristig) |
| Start | Meist ab ca. 6 Monaten AU | Oft ab der 7. Krankheitswoche |
| Dauer | Begrenzt (z. B. 12–24 Monate) | Bis zur Genesung oder BU / Vertragsende |
| Kosten | Verteuert die BU spürbar | Separate, meist gut kalkulierbare Prämie |
6. Beitrags- und Leistungsfalldynamik richtig einstellen
6.1 Beitragsdynamik (Erhöhung im Laufe der Zeit)
Die Beitragsdynamik sorgt dafür, dass deine BU-Rente jährlich um einen festen Prozentsatz (z. B. 3 % oder 5 %) steigt, ohne dass du eine neue Gesundheitsprüfung durchlaufen musst. Das ist essenziell, um die Inflation auszugleichen und die steigenden Lebenshaltungskosten (Facharzt, Familie) abzubilden.
6.2 Leistungsfalldynamik (Erhöhung im Leistungsfall)
Sie sorgt dafür, dass deine Rente auch dann noch steigt (z. B. 1–3 % pro Jahr), wenn du bereits berufsunfähig bist und die Rente beziehst.
Strategie für Assistenzärztinnen
- Hohe Beitragsdynamik (z. B. 5 %) wählen, um schnell auf das spätere Einkommen als Fachärztin oder Oberärztin zu kommen. Wichtig: Die Annahme der Dynamik muss nicht zwingend erfolgen, du kannst sie aussetzen.
- Leistungsfalldynamik eher moderat (z. B. 2 %), statt sehr hoher Sätze.
- Dafür von Anfang an keine zu knapp bemessene BU-Rente.
7. Zweivertragslösung – zwei BU-Verträge strategisch nutzen
Statt einen einzelnen BU-Vertrag mit z. B. 2.500 € BU-Rente abzuschließen, kannst du die Absicherung auf zwei Verträge aufteilen, etwa:
- Vertrag A: 1.500 € BU-Rente
- Vertrag B: 1.000 € BU-Rente
Vorteile
- Mehr Nachversicherungsspielraum: Beide Verträge haben eigene Nachversicherungsmöglichkeiten und Obergrenzen.
- Flexibilität im Alter: Du kannst einen Vertrag irgendwann reduzieren oder beenden, den anderen weiterführen.
- Feine Steuerung von Endalter und Dynamiken je Vertrag möglich.
Nachteile
- Mehr Verwaltungsaufwand (zwei Policen, zwei Beitragsabbuchungen).
- Geringfügig höhere Abschlusskosten, je nach Anbieterstruktur.
Wann die Zweivertragslösung interessant ist
Die Aufteilung auf zwei Verträge lohnt sich besonders, wenn du schon heute weißt, dass dein Einkommen und Absicherungsbedarf später deutlich steigen werden (Facharzt, Oberarzt, Niederlassung) und du maximale Nachversicherungsmöglichkeiten wünschst.
8. Schwangerschaft, Elternzeit und Teilzeit
8.1 Wichtig: Die Gesundheitsprüfung erfolgt *vor* der Schwangerschaft
Mit einer bestehenden Schwangerschaft werden die meisten BU-Anträge abgelehnt oder zurückgestellt. Die BU muss abgeschlossen sein, bevor eine Schwangerschaft eintritt.
8.2 Reduzierung des Einkommens in Elternzeit/Teilzeit
Wenn du durch Elternzeit oder Teilzeit weniger verdienst, ist das für einen bestehenden BU-Vertrag in der Regel kein Problem. Du bist weiterhin abgesichert.
Vorsicht bei Kündigung oder Reduzierung
Kündige niemals vorschnell deinen BU-Vertrag oder reduziere die Rente, wenn sich dein Einkommen nur temporär oder familiär verändert hat. Besser sind Beitragsstundung, Reduzierung oder temporäre Anpassung als letzter Schritt.
9. Selbstständige BU vs. BU mit Basisrente
| Merkmal | Selbstständige BU (SBU) | BU als Zusatz zu Basisrente (BUZ) |
|---|---|---|
| Flexibilität | Sehr hoch, BU und Altersvorsorge getrennt | Geringer, BU an Basisrente gekoppelt |
| Beiträge | Nicht bzw. nur eingeschränkt steuerlich absetzbar | Oft gut als Altersvorsorgeaufwand absetzbar |
| Besteuerung der Leistungen | Nur Ertragsanteil der Rente steuerpflichtig | Nachgelagerte Besteuerung (höherer steuerpfl. Anteil) |
| Komplexität | Überschaubar | Komplexer, starke Bindung an Altersvorsorgekonstruktion |
Für dich als 28-jährige Assistenzärztin mit noch dynamischer Lebensplanung ist in vielen Fällen eine selbstständige BU (SBU) die pragmatischere Lösung. Eine Kombination mit Basisrente kann zu einem späteren Zeitpunkt – bei höherem und stabilerem Einkommen – wieder Thema werden.
10. Ergänzend: Unfallversicherung mit spezieller Gliedertaxe für Ärzte
Eine BU leistet, egal ob die Ursache Krankheit oder Unfall ist. Eine Unfallversicherung dagegen leistet nur bei Unfallfolgen.
Spezialfall Unfallversicherung
Manche Unfallversicherungen bieten eine spezielle Gliedertaxe, die eine höhere Leistung bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit einer Hand oder eines Fingers vorsieht, was für Chirurgen und feinmotorische Berufe relevant ist. Diese ersetzt die BU aber keinesfalls, sondern ist lediglich eine sinnvolle Ergänzung für den Fall eines schweren Unfalls.
11. Steuerliche Behandlung der BU-Rente und Beiträge
Die steuerliche Behandlung der Beiträge und der späteren BU-Rente hängt stark von der gewählten Vertragsgestaltung ab (SBU vs. BUZ, siehe Abschnitt 9).
Wichtig für die Planung
Die Höhe deiner BU-Rente sollte immer so kalkuliert werden, dass sie nach Abzug der Steuern deinen tatsächlichen Bedarf deckt. Der steuerpflichtige Anteil der Rente hängt von deiner Vorsorgesituation ab. Wichtig ist: Die Qualität des BU-Schutzes sollte Vorrang haben, die steuerliche Optimierung ist der zweite Schritt.
12. Gesundheitsprüfung und Antragsstrategie
12.1 Unterlagen sammeln
Bevor du Gesundheitsfragen beantwortest, solltest du deine Unterlagen strukturiert zusammentragen:
- Übersicht der Diagnosen der letzten Jahre.
- Arztbriefe und Befunde, insbesondere zu stationären Aufenthalten.
- Dokumentation psychischer Beschwerden, falls vorhanden.
12.2 Anonyme Risikovoranfrage
Sinnvoll ist oft eine anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Makler:
- Deine Gesundheitsdaten werden anonymisiert an mehrere Versicherer gesendet.
- Du erfährst, wo du voraussichtlich Normalannahme, Zuschlag oder Ausschlüsse zu erwarten hast.
- Du vermeidest formale Ablehnungen, die später nachteilig sein können.
12.3 Häufige Fehler
Gefährliche Stolperfallen im Antrag
- Bagatell-Diagnosen („leichte depressive Episode“, „Verdacht auf…“) werden weggelassen, weil „es ja nichts war“.
- Unklare oder widersprüchliche Angaben, die später nicht zu Arztbriefen passen.
- Unterschätzen der Pflicht, alle abgefragten Gesundheitsdaten vollständig und wahrheitsgemäß anzugeben.
Folge können im schlimmsten Fall Leistungskürzungen oder sogar -verweigerungen im BU-Fall sein.
13. Schritt-für-Schritt-Checkliste für deinen BU-Abschluss
- Bedarf ermitteln: Welche BU-Rentenhöhe brauchst du heute und später? (Siehe Abschnitt 4)
- Unterlagen sichten: Sammle alle Befunde und Diagnosen der letzten 5–10 Jahre. (Abschnitt 12.1)
- Antragsstrategie festlegen: SBU oder BUZ? Endalter? Dynamiken? (Abschnitt 6, 9)
- Anonyme Risikovoranfrage: Ergebnis abwarten und Anbieter mit besten Konditionen wählen. (Abschnitt 12.2)
- Ärztespezifische Klauseln prüfen: Achte auf die korrekte Definition deiner Tätigkeit (Chirurgie) und die Infektionsklausel. (Abschnitt 5)
- Antrag stellen: Nur beim gewählten Anbieter und die Gesundheitsfragen ehrlich und exakt beantworten.
Fazit und Ausblick
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist das wichtigste finanzielle Fundament für dich als Assistenzärztin, gerade weil du in den entscheidenden Phasen deines Lebens stehst: Facharztprüfung, Familiengründung, mögliche Praxisgründung oder Karriere als Oberärztin. Die wichtigsten Stellschrauben sind eine realistische BU-Rentenhöhe, gute Nachversicherungsgarantien, klare ärztespezifische Klauseln und eine sorgfältige Antragsstellung.
Wenn du möchtest, begleite ich dich Schritt für Schritt von der ersten Haushaltsrechnung bis zur fertigen Police.
Termin für eine Erstberatung vereinbaren
Berufsunfähigkeitsversicherung für Assistenzärztinnen in der Chirurgie
Musterfall: 28 Jahre, 2. Weiterbildungsjahr zur Fachärztin für Chirurgie, verheiratet, Kinderwunsch in etwa zwei Jahren, pflichtversichert im ärztlichen Versorgungswerk, bisher kaum Vorkenntnisse zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
Management Summary: Deine Strategie
Die Versorgungslücke
Das Versorgungswerk zahlt meist nur, wenn du keinerlei ärztliche Tätigkeit mehr ausüben kannst. Eine private BU ist für deinen Lebensstandard essenziell.
Chirurgie-Spezifika
Achte auf die Infektionsklausel, Verzicht auf Arztanordnung (kein OP-Zwang) und gute AU-Klauseln für schnelle Leistung bei Krankheit.
Die Strategie
Nutze anonyme Voranfragen. Teile die BU-Rente ggf. auf zwei Verträge auf (Zweivertragslösung) für maximale Flexibilität bei Karriere & Familie.
1. Deine Ausgangslage als Assistenzärztin
Als Assistenzärztin in der Chirurgie arbeitest du in einem fachlich und körperlich sehr anspruchsvollen Umfeld: lange Dienste, Nacht- und Bereitschaftsdienste, Operationen, Notfälle, hohe Konzentrationsanforderung, Dokumentationsdruck und Verantwortung am Patienten.
Typische Belastungen in deinem Berufsbild:
- Stundenlanges Stehen im OP, Heben und Lagern von Patienten.
- Feinmotorische Tätigkeiten (Naht, laparoskopische Eingriffe, Arbeit mit Mikroinstrumenten).
- Hoher psychischer Druck durch Verantwortung, Hierarchien und Zeitdruck.
- Exposition gegenüber Blut, Sekreten und damit verbundenen Infektionsrisiken.
Arbeitest du an einer Uniklinik?
Falls du (auch temporär) verbeamtet bist (z. B. Beamter auf Widerruf/Zeit), brauchst du zwingend eine Dienstunfähigkeitsklausel (DU). Eine normale BU reicht hier oft nicht, da du bei Dienstunfähigkeit entlassen werden kannst, ohne medizinisch zu 50% berufsunfähig zu sein.
2. Was dein ärztliches Versorgungswerk leistet
2.1 Strenge Definition von Berufsunfähigkeit
Versorgungswerke knüpfen Leistungen meist daran, dass du deinen Beruf zu 100 % nicht mehr ausüben kannst und häufig auch in keiner anderen ärztlichen Tätigkeit mehr einsetzbar bist.
2.2 Höhe und Versorgungslücke
Besonders zu Beginn deiner ärztlichen Karriere sind die Anwartschaften niedrig. Die Leistungen sind nicht darauf ausgelegt, deinen aktuellen Lebensstandard zu sichern.
[Grafik: Versorgungslücke]
Hier wird visuell dargestellt, wie groß die Differenz zwischen deinem Netto-Gehalt und der Versorgungswerksrente in den ersten 10 Jahren ist.
Typischer Irrtum
„Ich bin doch im Versorgungswerk, das reicht schon.“ – In der Praxis reicht die BU-Rente des Versorgungswerks allein selten aus. Eine ergänzende private BU ist zentral.
3. Warum eine private BU unverzichtbar ist
3.1 Spezifische Risiken deines Fachgebiets
Gerade im OP-Bereich können schon scheinbar „kleine“ Einschränkungen deine bisherige Tätigkeit unmöglich machen:
- Störungen der Feinmotorik oder Sensibilität der Hände.
- Chronische Rücken- oder Gelenkprobleme bei stehender Tätigkeit.
- OP-Verbote nach Infektionen oder bestimmten Erkrankungen.
- Psychische Erkrankungen (z. B. Depression, Burn-out).
4. Wie hoch sollte deine BU-Rente sein?
4.1 Beispielrechnung (Haushaltsbedarf)
| Position | Monatlicher Betrag (ca.) |
|---|---|
| Warmmiete | 1.200 € |
| Lebenshaltung (Essen, Mobilität, Freizeit) | 700 € |
| Versicherungen, Handy, Internet | 250 € |
| Rücklagen und Sparen | 350 € |
| Gesamtbedarf | ca. 2.500 € |
4.2 Praxisnahe Faustregel
- Zielgröße: etwa 60–70 % deines aktuellen Nettoeinkommens.
- Für dich heute: 2.000–2.200 € BU-Rente als Startgröße.
5. Wichtige Vertragsdetails speziell für Ärztinnen
5.1 Verzicht auf abstrakte Verweisung
Die Versicherung darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen (z. B. Gutachterin), wenn du deinen konkret ausgeübten Beruf als Chirurgin nicht mehr ausüben kannst.
5.2 Ärztliche Klauseln und Infektionsklausel
Für dich als operativ tätige Ärztin essenziell:
- Infektionsklausel: Leistung bei Tätigkeitsverbot durch Infektion (z. B. Hepatitis).
- Verzicht auf Arztanordnung: Gute Bedingungen schreiben dir nicht vor, dass du dich operieren lassen musst (z. B. an der Bandscheibe), um deine Arbeitskraft wiederherzustellen. Du entscheidest über deinen Körper.
5.3 AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeitsklausel)
Sorgt für schnelle Leistung (oft schon nach 6 Monaten Krankschreibung), noch bevor die endgültige BU festgestellt ist. Ideal als Überbrückung.
6. Beitragsdynamik und Leistungsfalldynamik
Beitragsdynamik: Erhöht Beitrag und Rente jährlich ohne Gesundheitsprüfung (wichtig gegen Inflation).
Leistungsfalldynamik: Erhöht die Rente im Leistungsfall. Wichtig, da du als junge Ärztin im Ernstfall sehr lange von der Rente leben müsstest.
7. Zweivertragslösung – Strategie für Karriere
Statt einen Vertrag über 2.500 €, schließt du zwei Verträge (z. B. 1.500 € + 1.000 €) ab.
Warum das genial ist
Du hast doppelten Spielraum für Nachversicherungen ohne Gesundheitsprüfung. Wenn dein Einkommen als Oberärztin oder Niedergelassene steigt, kannst du beide Verträge separat erhöhen.
8. Schwangerschaft und Elternzeit
Schließe die BU am besten vor einer Schwangerschaft ab, um Risikozuschläge durch Komplikationen zu vermeiden. Achte darauf, dass der Vertrag eine Beitragsstundung in der Elternzeit erlaubt, ohne den Schutz zu verlieren.
9. Selbstständige BU (SBU) vs. Basisrente
Für deine Phase (flexibel, Familiengründung) ist die selbstständige BU (SBU) meist besser geeignet als teure Koppelprodukte mit einer Basisrente. Trenne Sparen und Risikoschutz.
10. Steuerliche Behandlung
Die BU-Rente aus einer SBU wird nur mit dem (niedrigen) Ertragsanteil besteuert. Das ist im Leistungsfall oft günstiger als die voll zu versteuernde Rente aus einem Basisrenten-Kombi-Vertrag.
11. Gesundheitsprüfung und Antragsstrategie
11.1 Unterlagen sammeln (Zeiträume beachten!)
Du musst nicht deine gesamte Lebensgeschichte aufrollen. In der Regel gilt:
- Ambulant: Die letzten 5 Jahre.
- Stationär / Psychotherapie: Die letzten 10 Jahre.
11.2 Anonyme Risikovoranfrage
Stelle niemals direkt einen Antrag, wenn du Vorerkrankungen hast. Nutze eine anonyme Voranfrage über uns. So landest du nicht im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer, falls ein Anbieter ablehnt.
12. Schritt-für-Schritt-Checkliste
- Bedarf ermitteln: Haushaltsrechnung machen.
- Strategie festlegen: Ein- oder Zweivertragslösung? Endalter 67?
- Gesundheitsdaten sammeln: Ärzte der letzten 5/10 Jahre kontaktieren.
- Anonyme Voranfrage: Wir prüfen für dich machbare Konditionen.
- Antrag stellen: Sauber aufbereitet einreichen.
- Regelmäßig anpassen: Bei Facharzt, Kind oder Praxisgründung erhöhen.
Fazit
Wenn du jetzt eine solide, flexible BU aufsetzt, schaffst du dir finanzielle Sicherheit für die entscheidenden Phasen deines Lebens. Wir helfen dir bei der anonymen Voranfrage und der Auswahl der klauselsicheren Tarife für Chirurginnen.