Altersvorsorge für wissenschaftliche Mitarbeiter am Beispiel der RWTH Aachen

Altersvorsorge für wissenschaftliche Mitarbeiter – Struktur, Produkte und Praxis

Altersvorsorge für wissenschaftliche Mitarbeiter – Struktur, Produkte und Praxis

Diese Seite richtet sich an wissenschaftliche Mitarbeiter – etwa Informatik-Doktoranden mit erster Anstellung – und erklärt systematisch, wie Altersvorsorge in Deutschland aufgebaut ist, warum die gesetzliche Rente allein nicht ausreicht und wie verschiedene Bausteine wie Basisrente, Riester, betriebliche Altersvorsorge, VBL, private Rentenversicherung und ETF-Sparpläne zusammenspielen können.

Alle Beispielrechnungen sind bewusst vereinfacht und dienen nur der Orientierung. Konkrete Beiträge und Leistungen hängen immer von deiner individuellen Situation und der Risikoprüfung des jeweiligen Anbieters ab.

In 60 Sekunden: Was du wirklich brauchst

  1. Gesetzliche Rente und VBL/bAV verstehen und eine grobe Rentenlücke abschätzen.
  2. Ein realistisches Budget für Altersvorsorge und Risikoschutz festlegen.
  3. Existenzielle Risiken (z. B. Berufsunfähigkeit, Haftpflicht) solide absichern.
  4. Einen kostentransparenten, fondsgebundenen Altersvorsorgevertrag als Core-Investment wählen.
  5. Einen ETF-Sparplan auf breit gestreute Weltindizes als flexible Ergänzung einrichten.
  6. bAV-/VBL-Möglichkeiten des Arbeitgebers aktiv nutzen und Zuschüsse prüfen.
  7. Strategie alle 3–5 Jahre an Einkommen, Lebenssituation und Steuerrahmen anpassen.
Versicherungssituation prüfen lassen

1. Gesetzliche Rente – wichtig, aber nicht ausreichend

Die gesetzliche Rentenversicherung ist in Deutschland die zentrale Basisversorgung für die meisten Angestellten. Du zahlst monatlich Beiträge, dein Arbeitgeber ebenfalls, und dafür erwirbst du Rentenansprüche, die im Alter als gesetzliche Rente ausgezahlt werden. Allgemeine Informationen findest du z. B. bei der Deutschen Rentenversicherung.

1.1 Wie funktioniert die gesetzliche Rente grob?

  • Du zahlst aus deinem Bruttoeinkommen Beiträge ein.
  • Für jedes Jahr entsteht eine bestimmte Anzahl von Entgeltpunkten.
  • Im Rentenalter werden deine Entgeltpunkte mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert.
  • Daraus ergibt sich deine monatliche Bruttorente.

Die gesetzliche Rente ist ein Umlagesystem: Die heutigen Beitragszahler finanzieren die heutigen Rentner. Das funktioniert nur, wenn ausreichend Beitragszahler vorhanden sind und die demografische Entwicklung stabil ist – was in einer alternden Gesellschaft zunehmend herausfordernd ist.

Die gesetzliche Rente ist ein wichtiges Fundament, aber sie ist nicht darauf ausgelegt, ohne zusätzliche Vorsorge den gewohnten Lebensstandard vollständig zu erhalten.

1.2 Warum die gesetzliche Rente in der Regel nicht reicht

  • Demografischer Wandel: immer mehr Rentner, relativ weniger Beitragszahler.
  • Begrenzter Rentenniveau-Zielwert (politischer Zielkorridor, kein „voller Lohnersatz“).
  • Zeiten mit niedrigen Beiträgen oder Lücken (Studium, Promotion, Teilzeit) verringern Entgeltpunkte.
  • Steuern und Kranken-/Pflegeversicherungsbeiträge gehen im Alter von der Rente ab.

Grob gesprochen: Wer im Berufsleben einen gewissen Lebensstandard hat, wird ihn mit der gesetzlichen Rente allein im Alter meist nicht halten können.

2. Wie berechnet man eine Rentenlücke?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem voraussichtlichen Einkommen im Alter (z. B. Renten) und dem, was du später zum Leben brauchst.

2.1 Schritt-für-Schritt

  1. Wunsch-Nettoeinkommen im Alter festlegen:
    Beispiel: Du möchtest im Alter etwa 70–80 % deines letzten Nettoeinkommens zur Verfügung haben.
  2. Voraussichtliche gesetzliche Rente schätzen:
    Entweder über deine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung oder mit groben Annahmen, dass die Rente vielleicht 40–50 % deines letzten Nettoeinkommens ausmacht.
  3. Sonstige sichere Renten berücksichtigen:
    Zum Beispiel betriebliche Altersversorgung (bAV), VBL im öffentlichen Dienst, spätere Betriebsrenten anderer Arbeitgeber.
  4. Alle erwarteten Alters-Einnahmen aufsummieren und mit dem gewünschten Nettobedarf vergleichen.
  5. Differenz = Rentenlücke.

Beispiel (vereinfachte Größenordnung)

Letztes Netto vor Rentenbeginn: 3.000 €
Ziel im Alter: 70 % → 2.100 € netto
Erwartete gesetzliche Rente: ca. 1.400 € netto
Betriebliche Rente (z. B. VBL + bAV): 300 € netto
Rentenlücke: 2.100 € – 1.700 € = 400 € monatlich

3. Rechtlicher Rahmen: Die drei Schichten der Altersvorsorge

In Deutschland lässt sich Altersvorsorge grob in drei Schichten einteilen. Diese Struktur hilft, die steuerliche Behandlung und die Flexibilität verschiedener Produkte zu verstehen. Eine Übersicht findet sich z. B. beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

3.1 Schicht 1 – Basisversorgung

  • Gesetzliche Rentenversicherung
  • Berufsständische Versorgungswerke
  • Basisrente (Rürup-Rente)

Merkmal: Stark steuerlich gefördert, aber unflexibel. Kapital kann nicht einfach entnommen werden, sondern wird in der Regel als lebenslange Rente ausgezahlt.

3.2 Schicht 2 – Zusatzversorgung

  • Riester-Rente
  • Betriebliche Altersversorgung (bAV)
  • Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes (z. B. VBL)

Merkmal: Ebenfalls steuerlich gefördert, aber an bestimmte Rahmenbedingungen gebunden (z. B. Zulagen, Arbeitgeberbeteiligung, arbeitsrechtliche Regelungen).

3.3 Schicht 3 – Freie, ungeförderte Vorsorge

  • Private Renten- und Lebensversicherungen
  • Fonds- oder ETF-Sparpläne
  • Bank- und Depotprodukte
  • Immobilien (Eigenheim, Kapitalanlageimmobilie)

Merkmal: Hohe Flexibilität, aber keine oder nur eingeschränkte direkte Steuerförderung während der Ansparphase. Dafür freie Verfügbarkeit (mit Einschränkungen je nach Produkt).

4. Basisrente (Rürup-Rente)

Die Basisrente gehört zur ersten Schicht und richtet sich ursprünglich an Selbstständige und Freiberufler. Sie ist stark steuerlich gefördert, aber sehr unflexibel.

4.1 Merkmale

  • Beiträge sind in gewissem Umfang steuerlich absetzbar.
  • Das Kapital ist nicht frei verfügbar, Kündigung nur mit deutlichen Nachteilen.
  • Auszahlung in der Regel als lebenslange Rente, kein einmaliges Kapital.
  • Für junge Angestellte mit moderatem Einkommen oft nur begrenzt attraktiv.

Für einen jungen Angestellten im öffentlichen Dienst mit unsicherer langfristiger Laufbahn ist die Basisrente häufig nachrangig, weil Flexibilität fehlt und die steuerlichen Vorteile erst bei höherem Einkommen besonders wirken.

5. Riester-Rente

Die Riester-Rente gehört zur zweiten Schicht und richtet sich an Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind (oder mit riesterberechtigten Personen verheiratet sind).

5.1 Merkmale

  • Staatliche Zulagen (Grundzulage, Kinderzulagen) und steuerliche Förderung.
  • Vertraglich garantierte Leistungen, aber oft mit hohen Kosten.
  • Rentenzahlung im Alter; Kapitalentnahme ist begrenzt möglich.
  • Für Alleinstehende ohne Kinder und mit mittlerem Einkommen häufig nur begrenzt vorteilhaft.

Einordnung für deine Situation

Als junger, kinderloser Angestellter ohne besondere Förderkonstellation ist Riester meist kein zentraler Baustein. Die Kombination aus vergleichsweise starren Regeln und Kosten macht andere Lösungen oft attraktiver.

6. Betriebliche Altersversorgung (bAV) und VBL

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist die zweite große Säule neben der gesetzlichen Rente. Sie wird über den Arbeitgeber organisiert. Formen sind zum Beispiel Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse oder Direktzusage. Grundlegende Informationen findest du z. B. beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

6.1 Grundprinzip der bAV

  • Du wandelst einen Teil deines Bruttogehalts in bAV-Beiträge um (Entgeltumwandlung).
  • Auf diesen Teil fallen zunächst keine Sozialabgaben und keine Einkommensteuer an.
  • Im Alter wird die Betriebsrente dann nachgelagert versteuert und verbeitragt (Kranken-/Pflegeversicherung).

Attraktiv ist bAV vor allem, wenn der Arbeitgeber zusätzlich einen Zuschuss leistet und die Produktkosten im Rahmen bleiben.

6.2 VBL – Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst

Für Angestellte im öffentlichen Dienst gibt es zusätzlich eine spezielle Form der Betriebsrente: die Zusatzversorgung, zum Beispiel über die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL).

  • Bei längerer Beschäftigung im öffentlichen Dienst entsteht eine Zusatzrente.
  • Die Beiträge werden teils vom Arbeitgeber, teils vom Arbeitnehmer getragen (Pflichtbeiträge).
  • Die Leistungen sind eher als Ergänzung, nicht als vollständiger Ersatz der privaten Vorsorge zu sehen.

Zusätzlich gibt es bei manchen Einrichtungen eine freiwillige Zusatzvariante (oft VBLextra o. ä.), die wie eine betriebliche Altersversorgung funktioniert und aus dem Brutto bespart werden kann.

Einordnung für deine Situation

Die VBL ist ein wertvoller Zusatzbaustein, ersetzt aber keine eigene Altersvorsorge. Sie ist Teil deiner betrieblichen Versorgung, aber nicht dein alleiniger Altersbaustein.

Individuelle Beratung anfragen

7. Private Rentenversicherung

Private Rentenversicherungen gehören zur dritten Schicht. Du zahlst Beiträge ein und erhältst im Alter eine lebenslange Rente und/oder eine Kapitalauszahlung.

7.1 Merkmale

  • Keine unmittelbare steuerliche Förderung in der Ansparphase (anders als Basisrente/Riester/bAV).
  • Viel Flexibilität bei Beitragshöhe, Laufzeit und Rentenbeginn.
  • Möglichkeit, Kapital oder Rente zu wählen (je nach Vertragsgestaltung).
  • Steuerliche Behandlung der Rente häufig nur mit einem Ertragsanteil (je nach Laufzeit und Gestaltung).

Moderne private Rentenversicherungen lassen sich oft fondsgebunden gestalten, sodass innerhalb der Police in Fonds oder ETFs investiert wird.

Private Rentenversicherungen eignen sich gut als langfristiges Core-Investment, insbesondere in einer fondsgebundenen Variante mit solider Kostenstruktur.

8. Unterschiede: Rentenversicherung vs. Lebensversicherung

Klassisch wird unterschieden zwischen Lebens- und Rentenversicherungen. In der Praxis sind die Grenzen heute oft fließend.

8.1 Rentenversicherung

  • Fokus auf lebenslange Rentenzahlung.
  • Absicherung des Langlebigkeitsrisikos.
  • Optionales Kapitalwahlrecht möglich.

8.2 Lebensversicherung (Kapitallebensversicherung)

  • Verknüpfung von Sparvorgang und Todesfallschutz.
  • Auszahlung bei Ablauf oder früher im Todesfall.
  • Heute weniger verbreitet als früher, insbesondere in klassischer Garantiezinsform.

Praktische Einordnung

Für reine Altersvorsorge ist eine Rentenversicherung in der Regel passender. Ein separater, gezielter Risikolebensschutz ist meist effizienter als eine kombinierte Kapitallebensversicherung.

9. Fondsgebundene vs. klassische und neue Mischformen

Altersvorsorgeverträge auf Versicherungsbasis lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

9.1 Klassische kapitalgebundene Versicherungen

  • Beitrag fließt ins Sicherungsvermögen des Versicherers.
  • Garantie des eingezahlten Kapitals und eines Mindestzinses (je nach Tarifgeneration).
  • Sehr sicher, aber oft niedrige Rendite.

9.2 Fondsgebundene Versicherungen

  • Beiträge werden in Investmentfonds oder ETFs investiert.
  • Keine oder reduzierte Garantien, dafür höhere Renditechancen.
  • Risiko und Chance hängen von der Anlageauswahl ab.

9.3 Neue und Mischformen (z. B. „Neue Klassik“, Indexpolicen)

  • Kombination aus Sicherungsvermögen und chancenorientierten Komponenten.
  • Begrenzte Beteiligung an Markterträgen (z. B. über Indizes).
  • Ziel: mehr Renditechance als klassische, weniger Schwankung als rein fondsgebundene Tarife.

Für junge Akademiker mit langem Anlagehorizont sind häufig fondsgebundene Varianten mit breit gestreuten Fonds/ETFs besonders interessant, sofern die Kosten transparent und moderat sind.

10. Kosten in Altersvorsorgeverträgen

Ein zentraler Punkt bei allen Versicherungsprodukten sind die Kosten. Sie entscheiden langfristig stark über die Nettorendite.

10.1 Abschlusskosten

  • Werden oft über die ersten Jahre aus den Beiträgen entnommen.
  • Können mehrere Prozent der Beitragssumme ausmachen.

10.2 Verwaltungskosten

  • Laufende Kosten für Vertragsverwaltung, Risikoanteile etc.
  • Werden regelmäßig vom Vertragsguthaben abgezogen.

10.3 Fondskosten (TER)

  • Bei fondsgebundenen Verträgen fallen zusätzlich Fondsgebühren an.
  • Index- oder ETF-basierte Lösungen sind häufig kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds.

Hohe Kosten können die Rendite stark reduzieren. Besonders bei langen Laufzeiten sind kostengünstige Tarife und ETF-basierte Lösungen oft im Vorteil.

11. Wichtige Begriffe in der Altersvorsorge

11.1 Rentengarantiezeit

Zeitraum, in dem die Rente mindestens gezahlt wird – auch wenn die versicherte Person früh verstirbt. Beispiel: Rentengarantiezeit 20 Jahre. Stirbst du nach 5 Jahren, werden die restlichen 15 Jahre an Hinterbliebene ausgezahlt.

11.2 Rentenfaktor

Gibt an, wie viel monatliche Rente du pro 10.000 € Vertragsguthaben erhältst. Beispiel: Rentenfaktor 25 bedeutet 25 € monatliche Rente je 10.000 € Kapital.

11.3 Dynamische Rente

Die Rentenhöhe steigt nach Rentenbeginn regelmäßig (z. B. jährlich), um Inflation teilweise auszugleichen. Dadurch ist die Anfangsrente etwas niedriger, steigt aber im Zeitverlauf.

11.4 Teildynamische Rente

Ein Teil der Rente wird dynamisiert, ein Teil bleibt konstant. Dient dazu, Anfangsrente und Inflationsausgleich zu balancieren.

11.5 Beitragsdynamik in der Ansparphase

Beiträge steigen regelmäßig prozentual an (z. B. 3–5 % pro Jahr), um die steigende Kaufkraft und das Einkommen abzubilden.

Praxis-Tipp

Wichtige Stellschrauben sind Rentenfaktor, Rentengarantiezeit, Dynamik und die Möglichkeit, Beiträge flexibel zu erhöhen, zu reduzieren oder zeitweise auszusetzen.

12. ETF-Sparen vs. Altersvorsorgevertrag – Vor- und Nachteile

Häufig wird diskutiert, ob man lieber in einen ETF-Sparplan oder in einen Altersvorsorgevertrag (Rentenversicherung) investieren sollte. Für viele junge Akademiker ist die sinnvolle Antwort: sowohl als auch.

12.1 ETF-Sparplan

Vorteile

  • Hohe Flexibilität (Zahlungen jederzeit veränderbar oder stoppbar).
  • Transparente Kosten (TER der ETFs, Depotkosten).
  • Breite Risikostreuung mit Welt-ETFs möglich.
  • Kapital jederzeit verfügbar (außer steuerlichen Aspekten).

Nachteile

  • Kein automatischer lebenslanger Rentenanspruch.
  • Kein Langlebigkeitsrisiko-Pooling.
  • Keine speziellen insolvenz- oder pfändungsgünstigen Regelungen wie teils bei Versicherungen.
  • Disziplinrisiko: Geld kann leicht anderweitig verwendet werden.

12.2 Altersvorsorgeverträge (Renten-/Lebensversicherungsbasis)

Vorteile

  • Lebenslange Rentenzahlung möglich.
  • Teils steuerliche Vorteile bei der Auszahlung.
  • Pfändungs- und insolvenzrechtlich teils vorteilhafter als normale Geldanlage.
  • „Zwangssparen“ durch verbindliche Beiträge.
  • Innerhalb der Police können ETFs genutzt werden (fondsgebundene Variante).

Nachteile

  • Geringere Flexibilität bei Entnahme und Beitragsänderung.
  • Komplexere Vertragsbedingungen.
  • Abschluss- und Verwaltungskosten.

Eine praxisnahe Lösung ist oft eine Kombination: Altersvorsorgevertrag als Core-Investment (gern fondsgebunden mit ETFs innerhalb der Police) plus zusätzliche ETF-Sparpläne außerhalb der Versicherung für Flexibilität und weiteren Vermögensaufbau.

13. Fazit: Erst anfangen, später ergänzen

Altersvorsorge ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess. Entscheidend ist, dass du früh beginnst, die zentralen Risiken abzusichern (Arbeitskraft, existenzielle Risiken) und parallel eine Struktur für deine Altersvorsorge aufzubauen.

Mögliche Reihenfolge für deine Situation

  • Existenzielle Absicherung (BU, Haftpflicht, Rechtsschutz, Krankentagegeld) prüfen.
  • Mit einem soliden, fondsgebundenen Altersvorsorgevertrag (Core-Investment) starten.
  • Parallel einen ETF-Sparplan für Flexibilität und zusätzlichen Vermögensaufbau nutzen.
  • Später: betriebliche Altersvorsorge bei neuen Arbeitgebern und weitere Bausteine (z. B. Immobilie) ergänzen.

Im Verlauf deiner Karriere können zusätzliche Bausteine hinzukommen: eine selbstgenutzte Immobilie, Kapitalanlageimmobilien, weitere betriebliche Altersversorgung bei späteren Arbeitgebern oder ergänzende Vorsorgeprodukte. Wichtig ist, dass du früh anfängst und deine Strategie regelmäßig anpasst.

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14. Grafische Übersicht der Altersvorsorge-Bausteine

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Bausteine der Altersvorsorge und ihre Rolle in einer typischen Struktur für junge Akademiker.

Basis

Gesetzliche Rente

Pflichtversicherung, sichert Grundversorgung im Alter.

VBL / bAV

Zusätzliche Betriebsrente, insbesondere im öffentlichen Dienst.

Core-Investment

Fondsgebundene Rentenversicherung

Lebenslange Rente + ETF-Investments innerhalb der Police.

Basis- oder bAV-Verträge

Steuerlich gefördert, dafür eingeschränkte Flexibilität.

Flexible Ergänzung

ETF-Sparpläne

Hohe Flexibilität, Vermögensaufbau, frei verwendbar.

Immobilien / weitere Bausteine

Eigenheim, Kapitalanlage, später im Lebensverlauf.

15. Beispielrechenmodell: Rentenlücke und Vorsorgebedarf

Das folgende Modell ist bewusst vereinfacht, zeigt aber, wie du Größenordnungen abschätzen kannst.

Ausgangsdaten (vereinfacht)

  • Heutiges Netto: 3.000 €
  • Ziel im Alter: 70 % → 2.100 € netto
  • Gesetzliche Rente: ca. 1.400 € netto
  • Betriebliche Renten (VBL/bAV): ca. 300 € netto

Rentenlücke: 2.100 € – 1.700 € = 400 € monatlich

15.1 Wie viel Kapital brauchst du für 400 € monatliche Zusatzrente?

Vereinfachte Annahme: Ein Versicherer benötigt im Beispiel rund 250 € Kapital für 1 € lebenslange Monatsrente (abhängig von Alter, Tarif, Rechnungsgrundlagen und Zinsumfeld).

  • 1 € Monatsrente → ca. 250 € Kapital.
  • 400 € Monatsrente → 400 × 250 € = 100.000 € Kapitalbedarf.

Vereinfachte Faustgröße

Um eine Zusatzrente von rund 400 € zu finanzieren, werden in vielen Fällen Größenordnungen um 80.000–120.000 € Kapital benötigt (stark vereinfacht, je nach Tarif und Zinsumfeld).

15.2 Was bedeutet das für deinen monatlichen Sparbetrag?

Angenommene langfristige Rendite bei einem gut gestreuten, chancenorientierten Investment (z. B. ETFs): 4–6 % p. a. Du sparst 35–40 Jahre.

  • Bei eher defensiver Anlage mit 3–4 % Rendite pro Jahr ist ein höherer monatlicher Sparbetrag nötig.
  • Bei 5–6 % Rendite pro Jahr kann ein moderater Sparbetrag ausreichen.

Eine grobe Größenordnung: Um bis zum Rentenalter ca. 100.000 € Kapital aufzubauen, reichen – je nach Renditeannahme – häufig 150–250 € monatlich (über mehrere Jahrzehnte konsequent durchgehalten).

Das Modell zeigt: Wichtiger als perfekte Zahlen ist es, frühzeitig in sinnvoller Größenordnung anzufangen und langfristig dranzubleiben.

16. Checkliste: Altersvorsorge in 30 Minuten starten

Diese Checkliste soll dir helfen, ohne Perfektionsanspruch loszulegen und später nachzuschärfen.

Schritt 1 – Bestandsaufnahme (ca. 10 Minuten)

  • Gesetzliche Renteninformation heraussuchen (falls vorhanden).
  • Prüfen, ob VBL/bAV bereits besteht und welche Ansprüche entstehen.
  • Notieren: aktuelles Netto-Einkommen, grobe Wunschvorstellung im Alter.

Schritt 2 – Grundsatzentscheidung (ca. 10 Minuten)

  • Entscheiden: monatlich realistisch möglicher Vorsorgebetrag (z. B. 150–300 €).
  • Aufteilen: Core-Investment (z. B. 60–70 %) + ETF-Sparen (z. B. 30–40 %).
  • Kurz klären: Wie wichtig sind dir Garantien vs. Renditechance?

Schritt 3 – Konkrete Schritte (ca. 10 Minuten)

  • Einen kostentransparenten, fondsgebundenen Rentenversicherungstarif mit ETF-Investment als Core-Investment vorselektieren.
  • Einen ETF-Weltindex-Sparplan (z. B. MSCI World/ACWI) einrichten.
  • Monatlichen Dauerauftrag bzw. Lastschrift einrichten.

Perfektion ist nicht das Ziel. Entscheidend ist, dass du mit einem sinnvollen Betrag startest und deine Struktur in Ruhe weiterentwickelst.

17. Häufige Fehler in der Altersvorsorge

Zum Abschluss eine Übersicht der typischen Stolpersteine, die du möglichst vermeiden solltest.

  • Zu spät anfangen: Zeit ist der wichtigste Faktor – je früher du beginnst, desto entspannter wird es.
  • Nur auf die gesetzliche Rente verlassen: Sie ist wichtig, aber selten ausreichend.
  • Nur Sparbuch oder Tagesgeld nutzen: Zu niedrige Rendite auf lange Sicht, Inflationsrisiko.
  • Zu viele kleine Verträge ohne Konzept: Besser eine klare Struktur als viele Einzelbausteine ohne Plan.
  • Kosten ignorieren: Hohe Abschluss- und Fondskosten schmälern die Rendite massiv.
  • Garantien überbewerten: Zu viel Sicherheit bedeutet oft zu wenig Renditechance bei sehr langen Laufzeiten.
  • Nur auf ETF-Sparen setzen und das Langlebigkeitsrisiko ignorieren: Kein automatischer Inflations- und Langlebigkeitsausgleich.
  • Verträge nie wieder anschauen: Altersvorsorge braucht alle paar Jahre eine Überprüfung und Anpassung.

Gute Altersvorsorge ist kein perfekter, einmaliger Plan, sondern ein solides Fundament, das du im Laufe deines Lebens anpasst und mit weiteren Bausteinen ergänzt.

18. Zusammenfassung in drei Punkten

  1. Gesetzliche Rente + VBL/bAV sind nur die Basis: Sie sichern die Grundversorgung, ersetzen aber keine eigene, strukturierte Altersvorsorge.
  2. Kombination aus Core-Investment und Flexibilität: Ein fondsgebundener Altersvorsorgevertrag ergänzt um ETF-Sparen verbindet lebenslange Rente und flexible Vermögensbildung.
  3. Früh starten, regelmäßig prüfen: Entscheidend sind ein früher Beginn, realistische Sparbeträge und die Anpassung deiner Strategie an Einkommen, Lebenssituation und steuerliche Rahmenbedingungen.
Foto Jan Pohl
Jan Pohl Versicherungsmakler -Fachwirt für Finanzberatung IHK

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