Versicherungen für Syndikusrechtsanwälte: RV-Befreiung, Versorgungswerk & Absicherung

Syndikusrechtsanwälte RV-Befreiung § 6 SGB VI Versorgungswerk Einkommenssicherung

Versicherungen für Syndikusrechtsanwälte

Die Sonderrolle richtig verstehen – bevor sie zur Versorgungslücke wird.

Syndikusrechtsanwälte sind angestellt – und gleichzeitig als Rechtsanwalt zugelassen. Diese Doppelrolle schafft besondere Chancen in der Vorsorge. Und besondere Risiken, die in der Praxis systematisch unterschätzt werden.

Auf dieser Seite: Wie RV-Befreiung und Versorgungswerk zusammenhängen, wo die echten Lücken entstehen – und wie eine strukturierte Absicherung aussieht.

Das Wichtigste auf einen Blick:
  • Syndikusrechtsanwälte können sich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen (§ 6 Abs. 1 SGB VI)
  • Dadurch entsteht vollständige Abhängigkeit vom anwaltlichen Versorgungswerk
  • Das Versorgungswerk deckt Berufsunfähigkeit nur unter strengen Kriterien – dort liegt die größte Lücke
  • Ein Jobwechsel kann die Befreiung gefährden – mit weitreichenden Folgen
  • PKV-Entscheidung, BU und Krankentagegeld müssen aufeinander abgestimmt werden

Welche Versicherungen brauchen Syndikusrechtsanwälte?

Syndikusrechtsanwälte benötigen eine auf ihre Sonderrolle abgestimmte Absicherung aus drei Bereichen: erstens die korrekte Nutzung der RV-Befreiung mit Einbindung ins anwaltliche Versorgungswerk, zweitens eine private Berufsunfähigkeitsversicherung als zentralen Schutz gegen Einkommensausfall – weil das Versorgungswerk bei BU nur unter engen Voraussetzungen leistet –, und drittens eine strategisch gewählte Krankenversicherung, die zum Einkommen und zur Karriereplanung passt. Ohne diese drei Bausteine entstehen systematische Versorgungslücken, die im Schadensfall existenzbedrohend sein können.

Einfach erklärt: Die drei Prüfbereiche der Sonderrolle

Für Syndikusrechtsanwälte gibt es drei Systeme, die strukturell zusammenhängen – aber nach unterschiedlichen Logiken funktionieren:

Prüfbereich Normale Angestellte Syndikusrechtsanwalt
System 1: Altersvorsorge / Einkommenssicherung im Alter Gesetzliche Rentenversicherung (DRV) Versorgungswerk der Rechtsanwälte – statt DRV, nicht zusätzlich
System 2: Einkommensschutz bei Erwerbsausfall Erwerbsminderungsrente der DRV (breit, früh greifend) BU-Leistung des Versorgungswerks – mit eigenen, engeren Kriterien; plus: keine DRV-Absicherung als Backup
System 3: Krankenversicherung GKV (automatisch) oder PKV GKV oder PKV – aktive Entscheidung nötig

Die Krankenversicherung folgt dabei einer eigenen Entscheidungslogik – sie ist kein Vorsorgesystem wie die ersten beiden, sondern ein eigenständiges Risikoabsicherungssystem. Alle drei Bereiche müssen verstanden und aufeinander abgestimmt werden.

⚠ Das zentrale Strukturproblem liegt in System 2:
Wer aus der DRV herausfällt, verliert nicht nur die Altersrente der DRV – er verliert auch die Erwerbsminderungsrente als Backup bei Berufsunfähigkeit. Das Versorgungswerk ersetzt beides. Aber sein BU-Schutz greift unter anderen, engeren Voraussetzungen. Daraus entsteht die größte Absicherungslücke.

RV-Befreiung: Voraussetzungen und Risiken

Die Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht ist in § 6 Abs. 1 SGB VI geregelt. Sie ist für Syndikusrechtsanwälte möglich – aber an klare Voraussetzungen geknüpft, die in der Praxis häufig unterschätzt werden.

Voraussetzungen für die Befreiung

  • Zulassung als Rechtsanwalt bei der Rechtsanwaltskammer
  • Zulassung als Syndikusrechtsanwalt nach § 46 BRAO
  • Konkrete Tätigkeit muss anwaltliche Kernaufgaben umfassen
  • Mitgliedschaft in einem berufsständischen Versorgungswerk
  • Fristgerechter Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung
📋 Wichtig: Tätigkeitsbezug
Die Befreiung gilt für die konkrete Stelle – nicht pauschal für den Beruf. Das bedeutet: Bei einem Arbeitgeberwechsel oder einer Tätigkeitsänderung muss die Befreiung neu beantragt werden. Wer das übersieht, zahlt doppelt – oder verliert den Versorgungswerk-Anschluss rückwirkend.

Was passiert ohne Befreiung?

Wer die Befreiung nicht beantragt oder nicht genehmigt bekommt, zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein – und zusätzlich den Pflichtteil ins Versorgungswerk. Das führt zu erheblicher Doppelbelastung, ohne dass doppelte Leistungen entstehen.

Entscheidungslogik: Was wann tun?

  1. Status prüfen
    Liegt eine wirksame Befreiung von der DRV vor? Gilt diese für die aktuelle Stelle? Bei Zweifeln: Bescheid der DRV anfordern.
  2. Versorgungswerk-Leistungen analysieren
    Wie hoch ist die Altersrente bei Regeleintritt? Was leistet das Versorgungswerk bei Berufsunfähigkeit – und unter welchen Voraussetzungen?
  3. Versorgungslücke berechnen
    Differenz zwischen aktuellem Nettoeinkommen und erwartbarer Versorgungswerk-Leistung bei BU. Diese Lücke ist der Bedarf für eine private BU.
  4. PKV-Entscheidung strukturieren
    Bei ausreichendem Einkommen bietet PKV erhebliche Vorteile. Aber: Die Entscheidung muss langfristig und unter Berücksichtigung von Elternzeit, Teilzeit und Karriereentwicklung getroffen werden.
  5. Absicherung aufbauen
    BU als Priorität, ergänzt um Krankentagegeld (insbesondere bei PKV-Versicherten) und ggf. Risikolebensversicherung bei Immobilien oder Familiengründung.

Versorgungswerk vs. tatsächliches Risiko

Bereich Was das Versorgungswerk leistet Was in der Praxis zählt
Altersvorsorge Solide Rentenleistung – abhängig von Beitragsdauer und Einzahlungshöhe Setzt lange, kontinuierliche Mitgliedschaft voraus. Lücken durch Jobwechsel, Elternzeit oder Teilzeit sind möglich.
Berufsunfähigkeit Leistung bei Berufsunfähigkeit – aber nach versorgungswerkeigenen Kriterien Hohe Anforderungen an den Nachweis. In der Praxis deutlich restriktivere Anerkennung als bei privaten BU-Versicherern. Häufig erhebliche Leistungslücke.
Hinterbliebenenversorgung Witwen-/Waisenrente vorhanden Leistungshöhe hängt stark von der Beitragsdauer ab. In frühen Karrierephasen oft nicht ausreichend.
Flexibilität Geringe Wahlmöglichkeiten bei der Leistungsgestaltung Kein Beitragsrabatt bei geringem Schadensrisiko, keine Anpassung an persönliche Lebenssituation möglich.
Portabilität Übertragbar bei Wechsel zwischen anwaltlichen Tätigkeiten Bei Berufswechsel außerhalb der Anwaltschaft: Anwartschaft bleibt, aber keine weiteren Einzahlungen möglich.

Eine ausführlichere Analyse bietet die Seite Versorgungswerk vs. BU für Anwälte.

Berufsunfähigkeit: Die unterschätzte Lücke

Berufsunfähigkeit trifft Rechtsanwälte häufiger, als die meisten annehmen. Die häufigsten Ursachen sind nicht Unfälle, sondern psychische Erkrankungen, Burnout und Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Definition: Was das Versorgungswerk unter Berufsunfähigkeit versteht

Die Versorgungswerke der Rechtsanwaltskammern definieren Berufsunfähigkeit in ihren Satzungen eigenständig. Ein einheitlicher gesetzlicher Maßstab existiert nicht. In den meisten Satzungen wird Berufsunfähigkeit an die vollständige und dauerhafte Unfähigkeit geknüpft, den Beruf des Rechtsanwalts auszuüben – nicht lediglich eine wesentliche Einschränkung. Zudem ist die Feststellung oft an ärztliche Gutachten und eine Prüfung durch das Versorgungswerk selbst gebunden.

📋 Hinweis: Satzungen variieren
Die genauen Leistungsvoraussetzungen unterscheiden sich zwischen den einzelnen Versorgungswerken der Landesrechtsanwaltskammern. Maßgeblich ist die Satzung des jeweiligen Versorgungswerks – nicht ein einheitlicher Standard. Im Zweifel lohnt die direkte Auskunft beim zuständigen Versorgungswerk.

Subsumtion: Was das in der Praxis bedeutet

Wer krankheitsbedingt seine Arbeitszeit auf 50 % reduziert – was bei psychischen Erkrankungen oder chronischen Beschwerden häufig der erste realistische Schritt ist –, erfüllt in der Regel nicht die Kriterien des Versorgungswerks. Er verliert die Hälfte seines Einkommens, erhält aber keine Versorgungswerk-Leistung. Das Versorgungswerk leistet typischerweise erst dann, wenn eine vollständige Erwerbsunfähigkeit im Anwaltsberuf nachgewiesen ist.

⚠ Praxisrealität: Gerade psychische Erkrankungen – die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit – führen selten zu einem vollständigen, sofortigen Berufsausfall. Sie verlaufen graduell. Das Versorgungswerk leistet in diesen Fällen oft erst sehr spät oder gar nicht. Die private BU-Versicherung kennt dieses Problem nicht: Sie leistet ab 50 % Berufsunfähigkeit, unabhängig davon, ob vollständige Erwerbsunfähigkeit vorliegt.

Abgrenzung: Was eine private BU-Versicherung leistet

  • Leistungsschwelle: Bereits ab 50 % Berufsunfähigkeit
  • Berufsdefinition: Bezogen auf den zuletzt ausgeübten Beruf – bei guten Tarifen ohne abstraktes Verweisungsrecht
  • Unabhängigkeit: Monatliche Rente, die parallel zur etwaigen Versorgungswerk-Leistung ausgezahlt wird
  • Flexibilität: Nachversicherungsgarantien bei Karriereereignissen (Gehaltssprung, Kanzleigründung, Heirat)

Details zur BU-Strategie für Rechtsanwälte auf der Seite Berufsunfähigkeitsversicherung für Rechtsanwälte.

Praxisbeispiel mit konkreten Zahlen

Situation: Syndikusrechtsanwalt, 34 Jahre, in einer mittelständischen Unternehmensrechtsabteilung tätig. RV-Befreiung liegt vor. Keine Vorerkrankungen.

Schritt 1: Ist-Einkommen und laufender Bedarf

Position Betrag
Bruttogehalt 7.500 €/Monat
Nettoeinkommen (ca.) 4.300 €/Monat
Laufende monatliche Verpflichtungen (Miete, Lebenshaltung, Altersvorsorge-Beiträge etc.) ca. 3.200–3.500 €/Monat

Schritt 2: Was das Versorgungswerk bei sofortiger BU leisten würde

Annahme Erläuterung
Beitragsdauer bis heute Noch keine 10 Jahre – frühe Karrierephase
Erwartete VW-BU-Leistung ca. 600–900 €/Monat (beitragsabhängig)
Voraussetzung Vollständige, dauerhafte Berufsunfähigkeit als Rechtsanwalt nach VW-Satzung

Schritt 3: Lückenberechnung

Position Betrag
Monatlicher Bedarf 3.200–3.500 €
Versorgungswerk-Leistung (im Günstigfall) − 900 €
Verbleibende Versorgungslücke ca. 2.300–2.600 €/Monat

Empfehlung: Ziel-BU-Rente

Die empfohlene private BU-Rente beträgt in diesem Fall 2.500–3.000 €/Monat. Der etwas höhere Ansatz berücksichtigt, dass die VW-Leistung in vielen BU-Szenarien (insbesondere bei psychischen Erkrankungen) gar nicht greift – und die Lücke damit größer ist als die reine Rechnung suggeriert.

Parameter Wert
Empfohlene private BU-Rente 2.500–3.000 €/Monat
Monatlicher BU-Beitrag (ca., Nichtraucher, guter Gesundheitszustand, 34 Jahre) 90–160 €/Monat
✓ Fazit: Für 90–160 € monatlich kann eine Versorgungslücke von real 2.300–2.600 € geschlossen werden – und im ungünstigen BU-Szenario sogar die volle Lücke von über 3.000 €. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist eines der günstigsten in der privaten Vorsorge – vorausgesetzt, der Antrag erfolgt vor Eintritt einer Vorerkrankung.

PKV für Syndikusrechtsanwälte

Als Angestellte unterliegen Syndikusrechtsanwälte grundsätzlich der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht – es sei denn, ihr Jahresbruttogehalt übersteigt die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG; 73.800 € brutto jährlich, Stand 2025). Liegt das Gehalt dauerhaft darüber, besteht Wahlfreiheit zwischen GKV und PKV.

Warum PKV bei Syndikusrechtsanwälten früh relevant wird

In der Praxis überschreiten Syndikusrechtsanwälte in Unternehmensrechtsabteilungen, Verbänden und Konzernen die JAEG oft bereits in den ersten Jahren nach dem Referendariat – spätestens mit dem ersten echten Karriereschritt. Das bedeutet: Die PKV-Entscheidung steht häufig früher an als bei anderen Angestelltenberufen, oft im Alter von 28–33 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt sind Gesundheitszustand gut, Beiträge günstig und die Entscheidung hat die längste Wirkungsdauer.

PKV und Karrierepfad – was zu beachten ist

Syndikusrechtsanwälte arbeiten in sehr unterschiedlichen Umfeldern: Konzern-Rechtsabteilungen, mittelständische Unternehmen, Verbände, Kammern, Behörden, internationale Organisationen. Der Karrierepfad beeinflusst die PKV-Entscheidung erheblich:

  • Konzern / Großunternehmen: Gehalt dauerhaft über JAEG wahrscheinlich – PKV oft sinnvoll
  • Verband / Kammer: Gehaltsstruktur kann flacher sein – JAEG-Überschreitung nicht garantiert dauerhaft
  • Wechsel in Selbstständigkeit: Bei Zulassung als niedergelassener Anwalt entfällt die Versicherungspflicht ganz – vollständige PKV-Freiheit, aber voller Beitrag ohne Arbeitgeberanteil

Risiko bei Unterschreitung der JAEG

Fällt das Gehalt – etwa durch Teilzeit, Elternzeit oder Wechsel in eine geringer dotierte Position – dauerhaft unter die JAEG, tritt Versicherungspflicht in der GKV ein. Der Wechsel zurück in die GKV ist dann verpflichtend. Das bedeutet:

  • PKV-Beiträge können nicht einfach „pausiert" werden
  • Bei vorübergehender Unterschreitung (z. B. Elternzeit) besteht im Einzelfall Anspruch auf Familienversicherung – aber nur, wenn der Partner GKV-versichert und das eigene Einkommen unter der Grenzwert liegt
  • Die Rückkehr von der PKV in die GKV ist nach dem 55. Lebensjahr im Regelfall nicht mehr möglich – was eine PKV-Entscheidung dauerhafter macht als viele Versicherte annehmen
⚠ Rückkehrproblematik: Wer mit 30 in die PKV wechselt und mit 40 auf Teilzeit reduziert oder in einen niedriger vergüteten Verbandsjob wechselt, kann in eine Situation geraten, in der er GKV-pflichtig wird – aber zu Bedingungen, die er mit 30 nicht eingeplant hatte. Die PKV-Entscheidung sollte diese Szenarien explizit berücksichtigen.

Wann die GKV die sicherere Wahl sein kann

  • Familiengründung geplant, Partner ohne Einkommen (Familienversicherung GKV)
  • Karrierepfad mit zu erwartenden Gehaltsunterbrechungen (Elternzeit, Sabbatical, Teilzeit)
  • Häufige Stellenwechsel mit unklarer JAEG-Entwicklung
  • Vorerkrankungen, die zu Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen in der PKV führen

Eine ausführliche Analyse bietet die Seite PKV für Rechtsanwälte.

Krankentagegeld: Kurzfristiger Einkommensschutz

BU und Krankentagegeld werden oft in einem Atemzug genannt – aber sie sichern verschiedene Zeiträume und Risiken ab. Gerade für PKV-versicherte Syndikusrechtsanwälte ist die Abgrenzung entscheidend:

Instrument Zeithorizont Wann es greift
Lohnfortzahlung Bis 6 Wochen Krankheit; Arbeitgeber zahlt volles Gehalt
Krankentagegeld (privat) Ab Woche 7 bis zum Ende der Erkrankung PKV-Versicherte haben keinen Anspruch auf GKV-Krankengeld – ohne privates KTG entsteht hier eine Einkommenslücke
BU-Rente Dauerhaft (ab Anerkennungszeitpunkt) Bei dauerhafter Berufsunfähigkeit ≥ 50 % – meist erst nach Monaten bis Jahren festgestellt
Versorgungswerk BU-Leistung Dauerhaft – aber erst nach strenger Prüfung Vollständige dauerhafte Berufsunfähigkeit als Rechtsanwalt nach VW-Satzung
Die Logik: BU schützt das Einkommen langfristig. Krankentagegeld schützt das Einkommen in der mittleren Phase – nach Ende der Lohnfortzahlung, bevor eine BU anerkannt wird oder eine längere Erkrankung auskuriert ist. Wer PKV-versichert ist und kein privates Krankentagegeld hat, hat in dieser Phase keine Einkommensabsicherung.

Mehr zum Thema auf der Seite Krankentagegeld für Anwälte.

Besonderheit: Jobwechsel und Statuswechsel

Kein anderer Bereich birgt für Syndikusrechtsanwälte mehr versteckte Risiken als der Wechsel der Arbeitsstelle. Die RV-Befreiung ist tätigkeitsbezogen – sie erlischt, wenn die neue Stelle nicht die gleichen Voraussetzungen erfüllt.

⚠ Typische Risikosituationen:
  • Wechsel in eine Nicht-Anwaltstätigkeit (z. B. rein kaufmännische Aufgaben)
  • Übernahme einer Führungsrolle, die keine juristischen Kernaufgaben mehr umfasst
  • Wechsel in ein Unternehmen ohne Möglichkeit der Syndikuszulassung
  • Verzögerung beim Neuantrag der Befreiung

Was bei Jobwechsel zu tun ist

  1. Neue Stelle auf Eignung für Syndikuszulassung prüfen
  2. Neue Syndikuszulassung bei der Rechtsanwaltskammer beantragen
  3. Neuen Befreiungsantrag bei der DRV stellen – fristgerecht
  4. PKV-Versicherungsschutz prüfen (Einkommen ggf. unter Jahresarbeitsentgeltgrenze?)
  5. BU-Schutz auf neue Tätigkeit überprüfen

Typische Fehler bei Syndikusrechtsanwälten

Fehler Folge
„Das Versorgungswerk reicht – ich brauche keine BU" Bei Berufsunfähigkeit durch psychische Erkrankung oder Teilleistung: keine Versorgungswerk-Leistung, keine private Absicherung. Massiver Einkommensausfall.
RV-Befreiung nach Jobwechsel nicht neu beantragt Doppelbeitrag oder rückwirkende DRV-Pflicht. Kann jahrelange Nachzahlungsforderungen auslösen.
PKV ohne Langzeit-Planung abgeschlossen Bei Elternzeit oder Teilzeit: keine Familienversicherung möglich, voller PKV-Beitrag bleibt bestehen.
BU-Antrag zu spät gestellt Mit zunehmenden Vorerkrankungen steigen Beiträge oder es gibt Ausschlüsse. Die BU sollte so früh wie möglich abgeschlossen werden.
Kein Krankentagegeld neben PKV Bei Krankheit über sechs Wochen: kein Arbeitgeberzuschuss mehr, kein Krankengeld der GKV. Einkommensausfall ohne private Absicherung.

Makler-Einschätzung

Die meisten Fehlentscheidungen bei Syndikusrechtsanwälten entstehen nicht durch fehlende Verträge, sondern durch ein falsches Verständnis der Systemgrenzen von Versorgungswerk, RV-Befreiung und privater Einkommenssicherung.

Das Versorgungswerk ist eine solide Altersvorsorge – aber kein vollständiger Einkommensschutz. Wer das gleichsetzt, ist bei Berufsunfähigkeit ungeschützt. Was ich in Beratungsgesprächen regelmäßig antreffe: kein privater BU-Schutz trotz Einkommens über 6.000 € brutto, eine RV-Befreiung, die beim letzten Stellenwechsel nie neu geprüft wurde, und eine PKV-Entscheidung, die ohne Berücksichtigung von Karrierepfad oder Familienplanung getroffen wurde. Die Lösung ist keine Produktliste – sondern eine klare Struktur aus drei aufeinander abgestimmten Systemen.

Nächste Schritte

  1. RV-Befreiungsbescheid prüfen – gilt er noch für die aktuelle Stelle?
  2. Versorgungswerk-Auskunft anfordern: Rentenhöhe Alter + Leistung bei Berufsunfähigkeit
  3. Versorgungslücke berechnen: Differenz Netto zu erwartbarer VW-BU-Leistung
  4. BU-Anfrage stellen – am besten mit anonymisierter Risikovoranfrage
  5. PKV-Situation bewerten: Einkommen, Familienplanung, Langzeitperspektive
  6. Krankentagegeld prüfen: bei PKV-Versicherung dringend empfohlen

Häufige Fragen

Was ist ein Syndikusrechtsanwalt?

Ein Syndikusrechtsanwalt ist ein angestellter Jurist, der bei einem Unternehmen, Verband oder einer Institution beschäftigt ist – und gleichzeitig bei der Rechtsanwaltskammer als Syndikusrechtsanwalt zugelassen ist. Die Zulassung ist seit der BRAO-Reform 2016 gesetzlich geregelt (§ 46 BRAO). Sie ist Voraussetzung für die Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht.

Kann jeder angestellte Jurist Syndikusrechtsanwalt werden?

Nein. Die Zulassung setzt voraus, dass die ausgeübte Tätigkeit anwaltliche Kernaufgaben umfasst: rechtliche Prüfung, Beratung, Gestaltung oder Prozessvertretung des Arbeitgebers. Rein kaufmännische oder administrative Tätigkeiten genügen nicht.

Reicht das Versorgungswerk als Absicherung aus?

Für die Altersvorsorge kann das Versorgungswerk eine gute Basis sein – vorausgesetzt, man zahlt lange genug ein. Für die Berufsunfähigkeit ist das Versorgungswerk allein in den meisten Fällen nicht ausreichend: Die Leistungskriterien sind strenger als bei privaten Versicherern, und die Leistungshöhe liegt insbesondere in frühen Karrierephasen deutlich unter dem letzten Einkommen.

Was passiert mit der RV-Befreiung beim Jobwechsel?

Die Befreiung gilt für die konkrete Stelle. Bei einem Arbeitgeberwechsel muss ein neuer Befreiungsantrag bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt werden. Wer das vergisst oder die neue Stelle nicht die Voraussetzungen erfüllt, zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein – zusätzlich zum Versorgungswerk-Beitrag.

Brauchen Syndikusrechtsanwälte eine eigene Berufshaftpflicht?

Für die meisten Syndikusrechtsanwälte ist das kein zentrales Thema: Bei reiner Inhouse-Beratung haftet der Arbeitgeber; eine eigene Berufshaftpflicht ist dann nicht erforderlich. Relevant wird sie, wenn neben der Anstellung eine eigene anwaltliche Tätigkeit ausgeübt wird. Das Hauptthema dieser Seite – Versorgungsrisiken durch RV-Befreiung und Versorgungswerk-Grenzen – ist davon unabhängig.

Wann ist die PKV für Syndikusrechtsanwälte sinnvoll?

Die PKV ist sinnvoll, wenn das Bruttoeinkommen dauerhaft über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (2025: 73.800 €), kein Familienprivileg der GKV benötigt wird und kein Wechsel in Teilzeit oder längere Unterbrechungen geplant sind. Da die Entscheidung langfristige Konsequenzen hat, sollte sie gut vorbereitet sein.

Was kostet eine BU für einen Syndikusrechtsanwalt?

Das hängt stark von Alter, Gesundheitszustand, Berufsbild und gewünschter Rentenhöhe ab. Für einen 30-jährigen Syndikusrechtsanwalt ohne Vorerkrankungen mit einer BU-Rente von 2.500 €/Monat können die Beiträge je nach Anbieter und Laufzeit zwischen ca. 80 und 150 € monatlich liegen. Eine verbindliche Aussage ist nur nach anonymisierter Risikovoranfrage möglich.

Ihre Situation als Syndikusrechtsanwalt strukturiert analysieren

RV-Befreiung, Versorgungswerk, BU und PKV müssen aufeinander abgestimmt sein. Das ist kein Standardproblem – sondern eine individuelle Struktur, die ich mit Ihnen gemeinsam erarbeite.

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