Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?

Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?
Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?
Fahrplan für Akademiker, Ärzte und Beamte

Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?

Als erste Orientierung gelten oft 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Der belastbare Zielwert entsteht aber nicht aus einer Pauschale, sondern aus Ihrem künftigen Monatsbudget, Ihren vorhandenen Ansprüchen sowie Steuern und Krankenversicherung.

Diese Seite führt Sie vom monatlichen Bedarf über die Rentenlücke bis zum erforderlichen Kapital – mit Rechenbeispielen und klarer Entscheidungslogik.

Die kurze Antwort: Rechnen Sie zuerst in heutigen Euro. Ermitteln Sie Ihre voraussichtlichen monatlichen Ausgaben im Ruhestand, ziehen Sie die Nettoansprüche aus gesetzlicher Rente, Pension, Versorgungswerk, VBL und bAV ab und planen Sie für die verbleibende Lücke ein Kapital- oder Rentenkonzept. Eine Lücke von 1.000 Euro monatlich entspricht bei einer rein modellhaften Entnahmerate von 3 bis 4 Prozent ungefähr 300.000 bis 400.000 Euro Kapital.

1. Monatsbedarf bestimmen: Budget vor Faustregel

Die 70- bis 80-Prozent-Regel ist nur ein Startpunkt. Für eine belastbare Planung teilen Sie die künftigen Ausgaben in vier Blöcke: Wohnen, Grundbedarf, frei verfügbare Lebenshaltung und Sicherheitsreserve. Rechnen Sie zunächst in heutiger Kaufkraft. Erst danach wird der Betrag bis zum Rentenbeginn hochgerechnet.

AusgabenblockTypische InhaltePlanungshinweis
WohnenMiete oder Instandhaltung, Nebenkosten, ModernisierungAuch eine schuldenfreie Immobilie ist nicht kostenfrei.
GrundbedarfLebensmittel, Mobilität, Kommunikation, VersicherungenBerufliche Kosten sinken, Alltagskosten bleiben.
LebensstandardReisen, Hobbys, Familie, KulturGerade in den ersten Ruhestandsjahren oft höher als erwartet.
ReserveGesundheit, Pflege, größere AnschaffungenNicht vollständig aus dem laufenden Monatsbudget finanzieren.

2. Drei Budgettypen als Orientierung

Eigenheim, geringe Fixkosten

Ein niedrigerer Prozentsatz des letzten Nettoeinkommens kann reichen, wenn Darlehen getilgt und Wohnkosten überschaubar sind. Instandhaltung und Modernisierung bleiben trotzdem ein eigener Kapitaltopf.

Miete im Ballungsraum

Wer dauerhaft mietet, benötigt häufig näher an seinem bisherigen Netto. Die Wohnkosten sinken nicht automatisch mit dem Rentenbeginn und steigen langfristig mit der Inflation.

Aktiver Ruhestand

Reisen, Sport, Familie und mehrere Wohnorte können den Bedarf in den ersten Jahren sogar erhöhen. Planen Sie eine aktive und eine spätere, ruhigere Phase getrennt.

3. Vorhandene Ansprüche richtig erfassen

Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung zeigt bereits erworbene Ansprüche und eine Hochrechnung. Die ausgewiesenen Beträge sind Bruttowerte; Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern gehen noch ab. Zudem wird die künftige Kaufkraft nicht in den ausgewiesenen Eurobeträgen berücksichtigt.

Nutzen Sie ergänzend die Digitale Rentenübersicht, um gesetzliche, betriebliche und private Ansprüche zusammenzuführen. Für Ärzte, Apotheker und Anwälte kommt die aktuelle Hochrechnung des jeweiligen Versorgungswerks hinzu; für Beamte die Versorgungsauskunft; für wissenschaftliche Mitarbeiter insbesondere die VBL.

Keine pauschale Kürzung: Ziehen Sie nicht automatisch 15 oder 20 Prozent von der Renteninformation ab. Rechnen Sie stattdessen mindestens drei Szenarien: heutige Kaufkraft, erwarteter Rentenbeginn und Netto nach Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherung.

4. Rentenlücke berechnen

Monatliche Rentenlücke = geplanter Netto-Monatsbedarf minus erwartete Netto-Gesamtversorgung.

Beispiel in heutiger KaufkraftBetrag
Geplanter Monatsbedarf2.800 Euro
Gesetzliche Rente, VBL und weitere Ansprüche nach Abzügen1.800 Euro
Monatliche Lücke1.000 Euro

Der Versorgungslücken-Rechner führt diese Logik für Ihre Daten durch. Er ersetzt keine Steuerberechnung, liefert aber die entscheidende Ausgangszahl für die weitere Strategie.

5. Wie viel Kapital braucht eine monatliche Lücke?

Die folgende Tabelle ist eine Modellrechnung. Eine Entnahmerate ist keine Garantie; sie muss zu Laufzeit, Aktienquote, Kosten, Steuern und gewünschter Restvermögensplanung passen.

Monatliche Lücke4,0 % Modellrate3,5 % Modellrate3,0 % Modellrate
500 Euro150.000 Euro171.000 Euro200.000 Euro
1.000 Euro300.000 Euro343.000 Euro400.000 Euro
1.500 Euro450.000 Euro514.000 Euro600.000 Euro

Alternativ kann die Lücke teilweise durch lebenslange Renten geschlossen werden. Das reduziert das Langlebigkeitsrisiko, kostet aber Flexibilität und Vererbbarkeit. In vielen Fällen ist eine Kombination aus sicherem Sockeleinkommen, Liquiditätspuffer und flexiblem Depot sinnvoller als eine Ein-Produkt-Lösung.

6. Steuern und Krankenversicherung: auf Netto planen

Gesetzliche und berufsständische Renten

Die Renteninformation nennt Bruttobeträge. Der steuerpflichtige Anteil hängt unter anderem vom Jahr des Rentenbeginns und den weiteren Einkünften ab. Eine Versorgung aus einem Versorgungswerk ist ebenfalls in die individuelle Steuerplanung einzubeziehen.

Gesetzliche Krankenversicherung

Bei pflichtversicherten Rentnern in der Krankenversicherung der Rentner zählen insbesondere die gesetzliche Rente, Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten und gegebenenfalls Arbeitseinkommen. Freiwillig gesetzlich Versicherte zahlen darüber hinaus grundsätzlich auch auf weitere Einnahmen wie Kapital- und Mieteinkünfte Beiträge – jeweils nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Private Krankenversicherung

Der PKV-Beitrag läuft im Ruhestand weiter. Zu berücksichtigen sind der Wegfall des Krankentagegeldtarifs, mögliche Tarifentlastungen, der gesetzliche Zuschlag sowie ein möglicher Zuschuss des gesetzlichen Rentenversicherungsträgers. Bei Beamten kann sich der Beihilfebemessungssatz im Ruhestand erhöhen.

Basisrente, bAV und private Rente

Der Basisrenten-Höchstbetrag ist kein automatisch verfügbarer zusätzlicher Abzugsraum. Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zum Versorgungswerk werden auf den Schicht-1-Rahmen angerechnet. Bei der bAV sind Arbeitgeberzuschuss, Kosten, spätere Besteuerung und GKV-Beiträge gemeinsam zu prüfen. Bei einer privaten Rentenversicherung hängt die Besteuerung davon ab, ob Kapital oder eine lebenslange Rente gewählt wird; die 12/62-Regel betrifft bei begünstigter Kapitalauszahlung die Hälfte des Gewinns, nicht die Hälfte der gesamten Auszahlung.

7. Was ändert sich bei Ruhestand mit 55 oder 60?

Für einen vorgezogenen Ruhestand müssen Sie zwei Lücken trennen: die Überbrückung bis zum Beginn der gesetzlichen Rente oder Pension und die dauerhafte Versorgung danach. Wer eine gesetzliche Altersrente vorzeitig bezieht, muss grundsätzlich mit 0,3 Prozent Abschlag pro vorgezogenem Monat rechnen. Ab dem 50. Lebensjahr kann bei erfüllbaren Voraussetzungen eine Auskunft über Sonderzahlungen zum Ausgleich möglicher Rentenminderungen beantragt werden.

PhaseZu finanzieren
Vor RentenbeginnVoller Lebensunterhalt, Krankenversicherung und gegebenenfalls freiwillige Vorsorgebeiträge
Ab RentenbeginnVerbleibende Netto-Lücke nach gesetzlicher Rente, Pension oder Versorgungswerk
LangfristigInflation, Pflege- und Gesundheitsreserve sowie Langlebigkeitsrisiko

8. Entscheidungslogik: welcher Hebel passt?

Wenn ...Dann zuerst prüfen ...
Ihre Ansprüche unvollständig sindRenteninformation, Digitale Rentenübersicht, Versorgungsauskunft oder Versorgungswerksprognose.
die Monatslücke noch unbekannt istBedarfsbudget und Versorgungslücken-Rechner, noch keine Produktauswahl.
Sie einen hohen Grenzsteuersatz habenfreien Schicht-1-Raum, bAV-Zuschuss und flexible Alternativen im Nettovergleich.
Flexibilität entscheidend istfreies Depot, Liquiditätsreserve und steuerliche Nachteile gebundener Lösungen.
lebenslange Zahlung Priorität hatRentenbausteine und garantierte Sockelversorgung – aber Kosten und Vererbbarkeit gegenrechnen.
der Ruhestand weniger als zehn Jahre entfernt istEntnahmeplan, Liquiditätspuffer und Risiko in den ersten Ruhestandsjahren.

9. Besonderheiten nach Berufsgruppe

Ärzte und andere Versorgungswerke

Nicht mit einer pauschalen Ersatzquote arbeiten. Entscheidend sind die konkrete Hochrechnung des Versorgungswerks, PKV im Ruhestand und der noch freie steuerliche Schicht-1-Raum.

Altersvorsorge für Ärzte

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Gesetzliche Rente, VBL, befristete Beschäftigung und mögliche Auslandsphasen zusammenführen. Karrierewechsel können die Prognose deutlich verändern.

Altersvorsorge für wissenschaftliche Mitarbeiter

Professoren und Beamte

Versorgungsauskunft, ruhegehaltfähige Dienstzeiten, Abschläge und PKV/Beihilfe im Ruhestand sind die Grundlage. Die Pension ersetzt keine individuelle Bedarfsrechnung.

Altersvorsorge für Beamte

Jan Pohl, ungebundener Versicherungsmakler in Aachen

Meine Einschätzung aus der Beratung

Die häufigste Fehlentscheidung ist nicht ein einzelnes Produkt, sondern eine falsche Reihenfolge: Erst wird ein Vertrag abgeschlossen, Jahre später wird die tatsächliche Lücke berechnet. Sinnvoll ist es umgekehrt. Zuerst wird der gewünschte Lebensstandard in Netto definiert, danach werden alle Ansprüche zusammengeführt und erst dann werden Steuerhebel, Flexibilität und lebenslange Auszahlung gegeneinander abgewogen.

Jan Pohl, ungebundener Versicherungsmakler in Aachen

Häufige Fragen

Wie viel Geld braucht man im Ruhestand pro Monat?

Als erste Orientierung werden häufig 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens verwendet. Belastbarer ist ein individuelles Monatsbudget aus Wohnen, Grundbedarf, Lebensstandard und Reserve.

Wie berechne ich meine Rentenlücke?

Ziehen Sie Ihre erwartete Netto-Gesamtversorgung vom geplanten Netto-Monatsbedarf ab. Verwenden Sie dafür Renteninformation, Digitale Rentenübersicht, bAV, VBL, Pension oder Versorgungswerksprognose und berücksichtigen Sie Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherung.

Wie viel Vermögen brauche ich für 1.000 Euro monatlich?

Bei einer rein modellhaften Entnahmerate von 3 bis 4 Prozent entspricht eine Lücke von 1.000 Euro monatlich ungefähr 300.000 bis 400.000 Euro Kapital. Kosten, Steuern, Inflation, Anlagequote und Laufzeit können den Bedarf deutlich verändern.

Soll ich die Renteninformation pauschal kürzen?

Nein. Die Renteninformation enthält Bruttowerte und berücksichtigt den Kaufkraftverlust nicht in den ausgewiesenen Eurobeträgen. Rechnen Sie stattdessen transparente Szenarien für Netto, Kaufkraft und Rentenbeginn.

Zahlen Rentner auf alle Einkünfte GKV-Beiträge?

Das hängt vom Versicherungsstatus ab. Pflichtversicherte in der KVdR zahlen insbesondere auf gesetzliche Rente, Versorgungsbezüge und gegebenenfalls Arbeitseinkommen. Freiwillig Versicherte werden grundsätzlich auch mit weiteren Einnahmen wie Kapital- und Mieteinkünften verbeitragt.

Lohnt sich eine Basisrente kurz vor dem Ruhestand?

Das kann bei hohem Grenzsteuersatz sinnvoll sein, ist aber keine Automatik. Zuerst ist der nach Pflichtbeiträgen verbleibende Schicht-1-Raum zu berechnen; anschließend sind Kosten, Bindung, Hinterbliebenenschutz und spätere Besteuerung zu prüfen.

Wie viel brauche ich, um mit 60 aufzuhören?

Sie benötigen zunächst Kapital für die komplette Überbrückung bis zum Beginn von Rente oder Pension und anschließend Kapital oder Renten für die dauerhafte Netto-Lücke. Zusätzlich sind Krankenversicherung, mögliche Rentenabschläge und Inflation einzuplanen.

ETF oder Rentenversicherung – was ist besser?

Das hängt vom Ziel ab. Ein ETF-Depot bietet hohe Flexibilität und transparente Kosten. Eine Rentenversicherung kann lebenslange Zahlung und je nach Auszahlungsform steuerliche Besonderheiten bieten. Entscheidend ist der Nettovergleich nach Kosten, Steuern, Verfügbarkeit und Vererbbarkeit.

Vertiefungen und Rechner

Von der Schätzung zur belastbaren Ruhestandsplanung

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