Auslandsaufenthalt als wissenschaftlicher Mitarbeiter – Vollabsicherung

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Auslandsaufenthalt als wissenschaftlicher Mitarbeiter –
Ihr kompletter Absicherungsstatus vor der Abreise

Ob EU, USA oder Nicht-EU-Staat: Entscheidend ist nicht nur die Krankenversicherung, sondern Ihr vollständiger Absicherungsstatus während des Aufenthalts – abhängig davon, in welchem Beschäftigungsverhältnis Sie reisen.

Forschungsaufenthalt Gastwissenschaftler EU + Nicht-EU Postdoc Ausland DAAD / DFG Stipendium
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Diese Seite vs. Auslandsreise-Krankenversicherung

Diese Seite behandelt die Vollabsicherung des Auslandsaufenthalts: Beschäftigungsstatus, BU, PKV-Option, Haftpflicht, Nachweise und rechtliche Anforderungen. Konkrete Produkte für die Auslandsreise-Krankenversicherung finden Sie auf der Produktseite zur Auslandsreise-KV.

🏥GKV im AuslandEU: eingeschränkt · Nicht-EU: in der Regel unzureichend
🛡️BU-VersicherungKonkrete Punkte prüfen – tarifabhängig
💼PKV-OptionstarifNicht kündigen – sonst weg
⚖️HaftpflichtUSA/Kanada: besonderer Handlungsbedarf
Kurzantwort

Beim Auslandsaufenthalt als wissenschaftlicher Mitarbeiter hängt der Versicherungsstatus zuerst vom Beschäftigungsverhältnis ab: Entsendung, Gastvertrag oder Stipendium ergeben drei grundlegend verschiedene Ausgangssituationen. Darauf aufbauend sind systematisch zu prüfen: Krankenversicherung (EHIC deckt nur medizinisch notwendige Behandlungen im öffentlichen System des Gastlandes, kein Rücktransport; außerhalb der EU in der Regel unzureichend, mit eng begrenzten gesetzlichen Ausnahmen), Berufsunfähigkeitsversicherung (tarifabhängige Meldepflichten und Prüfpunkte), PKV-Optionstarif (Kündigung dauerhaft vermeiden), Haftpflicht und gesetzliche Unfallversicherung (DGUV gilt bei Entsendung für dienstliche Tätigkeiten – private Verrichtungen sind nicht erfasst). Für USA gilt 22 CFR § 62.14 als verbindliche Mindestdeckung; für UK ist die Immigration Health Surcharge auch bei privater KV fällig. Ab Aufenthalten über 6 Monate kommen steuerrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen hinzu.

Schritt 1: Ihr Beschäftigungsverhältnis bestimmt den Absicherungsstatus

Die wichtigste Frage vor dem Auslandsaufenthalt ist nicht „Welche Versicherung brauche ich?" – sondern: „In welchem Beschäftigungsverhältnis bin ich während des Aufenthalts?" Diese Entscheidung bestimmt, welche deutschen Absicherungen automatisch weitergelten und wo Sie selbst handeln müssen.

🏛️Szenario A: Entsendung durch die Hochschule

Sie bleiben beim deutschen Arbeitgeber angestellt. Die Hochschule entsendet Sie offiziell (A1-Bescheinigung / bilaterale Entsendungsbescheinigung).

  • Deutsche Sozialversicherung gilt weiter (GKV, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung)
  • Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gilt bei zeitlich befristeter Entsendung im Rahmen des Arbeitsverhältnisses grundsätzlich weiter – aber nicht jede private Verrichtung im Ausland ist versichert; der Schutz ergibt sich aus dem Zusammenhang der konkreten dienstlichen Tätigkeit
  • GKV: EHIC für EU-Aufenthalte, außerhalb EU ergänzende internationale KV erforderlich
  • BU-Vertrag läuft weiter – spezifische Punkte trotzdem prüfen (s. Block 3)
👉 Handlungsbedarf: A1-Bescheinigung beantragen · internationale KV für Nicht-EU · BU-Meldepflicht prüfen · PKV-Option nicht kündigen
🤝Szenario B: Gastvertrag der ausländischen Institution

Sie erhalten einen eigenen Vertrag der aufnehmenden Universität oder Forschungseinrichtung im Ausland.

  • Deutsche Sozialversicherung läuft in der Regel nicht weiter – individuell prüfen
  • GKV-Mitgliedschaft: ggf. freiwillige Weiterversicherung möglich und sinnvoll
  • Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Lücke möglich
  • BU-Vertrag aktiv halten – Vertragsdetails mit Versicherer klären
👉 Handlungsbedarf: Sozialversicherungsstatus schriftlich klären · GKV-Weiterversicherung entscheiden · internationale KV zwingend · alle bestehenden Verträge aktiv prüfen
🎓Szenario C: Stipendium (DAAD, DFG, Humboldt u.a.)

Sie erhalten ein Stipendium ohne Arbeitsverhältnis bei einer deutschen Einrichtung.

  • Kein Arbeitsverhältnis = kein automatischer Sozialversicherungsschutz
  • Stipendiengeber bieten oft Basis-KV und Unfallschutz – aber Leistungsumfang begrenzt, Rücktransport oft nicht eingeschlossen
  • BU-Vertrag aktiv halten – keine automatische Meldung an Versicherer
👉 Handlungsbedarf: Stipendien-KV-Leistungen im Vertrag genau prüfen · ergänzende KV mit Rücktransport · BU-Vertrag aktiv halten · PKV-Option sichern

GKV und EHIC – was gilt wirklich?

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet außerhalb Deutschlands keinen vollwertigen Schutz. Wie weit der Schutz reicht, hängt vom Zielland und vom Beschäftigungsverhältnis ab.

Innerhalb der EU / EWR: EHIC – Reichweite und Grenzen

Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gibt Ihnen Anspruch auf medizinisch notwendige Behandlungen, die nicht bis zur Rückkehr warten können – im öffentlichen Gesundheitssystem des jeweiligen Gastlandes und zu dessen Konditionen. Sie werden also grundsätzlich behandelt wie Versicherte im Aufenthaltsland. Was die EHIC nicht abdeckt: Privatbehandlung, Chefarztbehandlung, freie Krankenhauswahl und – besonders wichtig – der medizinische Rücktransport nach Deutschland. Der Rücktransport ist nicht Teil der gesetzlichen Sachleistungen und daher auch nicht über die EHIC gedeckt.

📌 Rücktransport: auf „medizinisch sinnvoll" achten, nicht nur „medizinisch notwendig"

Beim Abschluss einer internationalen Krankenversicherung sollte die Rückführung nach dem Kriterium „medizinisch sinnvoll" abgedeckt sein – nicht nur „medizinisch notwendig". Der Unterschied ist im Leistungsfall erheblich: „Notwendig" kann bedeuten, dass ein Transport erst dann genehmigt wird, wenn keine lokale Behandlung mehr möglich ist. „Sinnvoll" ermöglicht die Rückführung, wenn sie aus medizinischer Sicht angebracht ist.

⚠️ Außerhalb der EU: GKV-Schutz in der Regel unzureichend

Bei Verlegung des Wohnsitzes außerhalb der EU erlischt der gesetzliche Krankenversicherungsschutz in der Regel. Für Reisen außerhalb EU/EWR gibt es nur eng begrenzte Ausnahmen: Gesetzliche Krankenkassen können unter strengen Voraussetzungen – u.a. wenn kein privater Auslandskrankenschutz abschließbar ist – maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr Kosten unverzüglich erforderlicher Behandlungen übernehmen. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Für Forschungsaufenthalte in den USA, Kanada, Australien, Japan oder anderen Nicht-EU-Ländern ist eine eigene internationale Krankenversicherung daher in der Regel zwingend.

Was eine internationale Krankenversicherung leisten muss

Für Forschungsaufenthalte ab 6 Wochen empfiehlt sich eine internationale Krankenversicherung – nicht nur eine Standard-Reisekrankenversicherung, die auf kurze Urlaubsreisen ausgelegt ist. Der entscheidende Unterschied:

ProduktDauerRücktransportStationäre VersorgungVorerkrankungen
Auslandsreise-KV (Standard)Bis 56 TageJaEingeschränktMeist nein
Auslandsreise-KV (Langzeit)Bis 24 MonateJaJaTeils
Internationale Vollkranken-KVUnbegrenztJaVollständigOft eingeschlossen
GKV + EHICDauerhaftNicht im StandardNur EU, NotfallEingeschränkt
📌 Wichtig für DAAD- und DFG-Stipendien

Viele Stipendien schließen eine Krankenversicherung ein – aber prüfen Sie genau, was abgedeckt ist. Oft ist es nur eine Basiskrankenversicherung ohne Rücktransport und ohne Rehabilitationsleistungen. Eine Ergänzung kann sinnvoll sein.


BU-Versicherung: Was bei einem Auslandsaufenthalt konkret zu prüfen ist

Die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt bei einem Auslandsaufenthalt grundsätzlich bestehen. Dennoch gibt es tarifabhängige Punkte, die vor der Abreise aktiv geprüft werden sollten – weil sie im Leistungsfall relevant werden können.

Diese Punkte konkret prüfen

  • Aufenthaltsdauer und Krisengebiete
    Manche Tarife enthalten Einschränkungen für bestimmte Regionen (v.a. Krisengebiete, teils pauschal „außerhalb der EU") oder Anforderungen bei dauerhafter Verlagerung des Lebensmittelpunkts. Das ist tarifabhängig – der genaue Wortlaut der Bedingungen zählt.
  • Definition der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
    Bei einem Leistungsfall prüft der Versicherer, welche Tätigkeit zuletzt konkret ausgeübt wurde. Wenn sich die Auslandstätigkeit inhaltlich vom im Vertrag definierten Beruf unterscheidet, sollte das vorab mit dem Versicherer geklärt sein.
  • Meldepflichten beachten
    Manche Versicherer verlangen eine Meldung bei Auslandsaufenthalten über 6 oder 12 Monate. Das steht in den Allgemeinen Bedingungen – lesen und ggf. aktiv melden.
  • Nachversicherungsgarantien
    Karriereereignisse (Gehaltssprung bei Rückkehr, Habilitation, Familiengründung) lösen Nachversicherungsrechte aus. Prüfen Sie, ob diese auch während eines laufenden Auslandsaufenthalts wahrgenommen werden können.
  • Leistungsfall-Organisation aus dem Ausland
    Wie meldet man einen Leistungsfall, wenn man sich in den USA oder Japan befindet? Welche Nachweise sind auf Deutsch vorzulegen? Diese Fragen klingen banal, sind aber praktisch relevant.
❌ Häufiger Fehler: BU kündigen wegen „Beitragsersparnis im Ausland"

Kündigen Sie Ihre BU-Versicherung während des Auslandsaufenthalts, verlieren Sie den günstigen Gesundheitszustand vom Vertragsabschluss. Wiederaufnahme nach Rückkehr bedeutet neue Gesundheitsprüfung – oft mit Ausschlüssen oder Beitragszuschlägen. Das ist einer der teuersten Fehler, den ich bei wissenschaftlichen Mitarbeitern vor Auslandsaufenthalten sehe.


PKV-Optionstarif: Nicht kündigen – das wäre ein dauerhafter Verlust

Viele wissenschaftliche Mitarbeiter haben einen PKV-Optionstarif abgeschlossen, um sich das Recht zu sichern, später ohne erneute Gesundheitsprüfung in die private Krankenversicherung zu wechseln. Dieser Tarif ist bei einem Auslandsaufenthalt besonders gefährdet.

Das Problem

Wer den Optionstarif während des Auslandsaufenthalts kündigt – zum Beispiel weil die internationale Krankenversicherung eine Doppelversicherung zu vermeiden scheint – verliert das Optionsrecht in der Regel dauerhaft. Eine Wiederherstellung ist nicht möglich.

✅ Was stattdessen tun?

Kündigung vermeiden. Ob der Tarif beitragsfrei gestellt, ruhend gesetzt oder unter einer Sonderregelung weitergeführt werden kann, ist tarifabhängig und muss individuell mit dem Versicherer vor Abreise geklärt werden. Pauschale Marktaussagen dazu sind nicht verlässlich – entscheidend ist die konkrete Vertragsbedingung Ihres Tarifs.

Der PKV-Optionstarif ist für wissenschaftliche Mitarbeiter im TV-L besonders wertvoll: Als Angestellter unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze können Sie nicht frei in die PKV wechseln. Wenn Sie auf dem Weg zur Professur sind oder in die Industrie wechseln, sichert der Optionstarif den PKV-Zugang unabhängig von Ihrem Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Wechsels.


Haftpflichtversicherung im Ausland – was konkret zu prüfen ist

Die deutsche Privathaftpflichtversicherung gilt in der Regel weltweit für Schäden, die Sie privat verursachen. Für Forschungsaufenthalte gibt es jedoch mehrere Punkte, die individuell zu prüfen sind – tarifabhängig und je nach Zielland verschieden.

Diese Punkte prüfen

  • Geltungsdauer im Ausland
    Viele Tarife decken vorübergehende Auslandsaufenthalte ab – aber die Definitionen von „vorübergehend" unterscheiden sich. Bei Aufenthalten über 12 Monate oder bei Verlagerung des Lebensmittelpunkts kann der Schutz entfallen. Vertragsbedingungen prüfen.
  • Dienstliche Tätigkeitsschäden
    Wenn Sie im Labor oder am Institut einen Schaden verursachen, ist das eine dienstliche Haftung – nicht privat. Hier ist der Arbeitgeber bzw. die aufnehmende Institution zuständig. Klären Sie deren Haftpflichtschutz für Gastforscher.
  • Nordamerika-Regelungen (USA / Kanada)
    Manche Tarife enthalten Einschränkungen für Ansprüche, die in den USA oder Kanada entstehen oder dort geltend gemacht werden. Das ist tarifabhängig – und sollte bei US-Aufenthalten ausdrücklich im Vertrag geprüft werden, da Schadensersatzforderungen dort strukturell andere Dimensionen haben können.
  • Mietsachschäden in gemieteter Unterkunft
    Schäden an der Mietwohnung im Ausland – ein oft übersehener Punkt. Im deutschen Tarif ist das in der Regel eingeschlossen, aber Auslandsregelungen können abweichen.
⚠️
Institutionelle Absicherung der Gasteinrichtung prüfen

Viele aufnehmende Universitäten – besonders in den USA – bieten Gastforschern eine institutionelle Haftpflichtversicherung an. Prüfen Sie vor Abreise, ob und in welchem Umfang diese gilt, und ob sie Ihre private deutsche Police ergänzt oder ersetzt.


Rechtliche Anforderungen, Nachweise und Aufenthalte über 6 Monate

Versicherungsthemen und rechtliche Anforderungen überschneiden sich beim Forschungsaufenthalt – besonders bei längeren Aufenthalten über 6 Monate, wo steuerrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen entstehen können.

Nachweise und Bescheinigungen bei Entsendung

  • A1-Bescheinigung (EU-Entsendung)
    Bei Entsendung innerhalb der EU/EWR ist eine A1-Bescheinigung der deutschen Krankenkasse erforderlich. Sie belegt, dass Sie weiterhin der deutschen Sozialversicherung unterstehen. Bitte rechtzeitig vor Abreise beantragen – nicht erst bei einer Kontrolle vor Ort.
  • Bilaterale Entsendungsbescheinigungen (Nicht-EU)
    Deutschland hat mit zahlreichen Nicht-EU-Staaten Sozialversicherungsabkommen. Ob und welche Bescheinigung erforderlich ist, klärt die Deutsche Rentenversicherung oder die zuständige Krankenkasse.

Visa-Anforderungen und Versicherungsnachweise

Land / VisumVersicherungsanforderungHinweis
USA · J-1-Visum (Exchange Visitor) Krankenversicherung gesetzlich vorgeschrieben (22 CFR § 62.14): mind. 100.000 USD medizinische Leistungen · mind. 50.000 USD Medical Evacuation · mind. 25.000 USD Repatriation of Remains · Selbstbehalt max. 500 USD pro Krankheit/Unfall GKV + EHIC erfüllt diese Anforderungen nicht; J-1-konforme Police mit englischsprachigem Nachweis erforderlich
Großbritannien · Nach Brexit Immigration Health Surcharge (IHS) bei Visa über 6 Monate – fällt auch dann an, wenn eine private Krankenversicherung besteht; Zahlung vor Visa-Erteilung IHS-Gebühr im Budget einplanen; private KV kann trotzdem sinnvoll sein (z.B. Rücktransport), ersetzt die IHS-Zahlung aber nicht
Australien · Verschiedene VisaVersicherungsnachweis je nach Visumstyp erforderlichVisa 482, 500 u.a. verlangen Krankenversicherungsnachweis
EU-Länder · EHICKeine separate Nachweispflicht, EHIC-Karte mitführenErgänzende internationale KV trotzdem empfehlenswert

Aufenthalte über 6 Monate: Was sich ändert

Ab einer Aufenthaltsdauer von mehr als 6 Monaten können sich sowohl steuerliche als auch sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen ergeben, die individuell zu prüfen sind:

  • Steuerliche Ansässigkeit
    Nach 6 Monaten dauerhaftem Aufenthalt können viele Länder eine steuerliche Ansässigkeit begründen – auch wenn Sie weiterhin in Deutschland gemeldet sind. Das hat Auswirkungen auf Ihre Steuerpflicht. Hier ist steuerlicher Rat vor Ort sinnvoll.
  • Sozialversicherungspflicht im Gastland
    Bei bestehenden Ausnahmen durch Entsendungsbescheinigungen oder bilaterale Abkommen bleibt die deutsche Sozialversicherung zuständig. Ohne solche Ausnahmen kann eine Versicherungspflicht im Gastland entstehen.
  • GKV-Mitgliedschaft bei ruhendem Arbeitsverhältnis
    Wenn das deutsche Arbeitsverhältnis für die Dauer des Aufenthalts ruht, kann auch die GKV-Pflichtmitgliedschaft enden. Freiwillige Weiterversicherung ist in der Regel möglich – muss aber aktiv beantragt werden.

Krankentagegeld im Ausland – wann es relevant wird

Das Thema Krankentagegeld wird vor Auslandsaufenthalten fast nie besprochen. Dabei ist es in bestimmten Konstellationen das erste, was fehlt, wenn man längere Zeit krank wird.

GKV-Mitglieder: Krankengeld aus Deutschland

Wer in Deutschland pflichtversichert in der GKV ist und von der deutschen Hochschule entsendet wird, hat grundsätzlich weiterhin Anspruch auf Krankengeld der GKV – ab der 7. Krankheitswoche, nachdem die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers (6 Wochen) ausläuft. Voraussetzung: die GKV-Pflichtmitgliedschaft besteht weiter. Wird das Arbeitsverhältnis für die Dauer des Aufenthalts ruhend gestellt oder liegt ein Gastvertrag ohne deutsche Sozialversicherung vor, kann dieser Anspruch entfallen.

PKV-Mitglieder: Krankentagegeld ist Pflicht

Wer privat krankenversichert ist, hat kein automatisches Krankengeld. Für PKV-Mitglieder ist ein Krankentagegeldtarif daher keine Kür – er ist notwendig, um das Einkommen bei längerer Krankheit abzusichern. Das gilt im Ausland genauso wie in Deutschland.

📌 Besonderheit: Krankschreibung im Ausland

Wird man im Ausland arbeitsunfähig, muss die Arbeitsunfähigkeit in der Regel durch einen lokalen Arzt bescheinigt werden. Die Frage, wie diese Bescheinigung an die deutsche Krankenkasse oder den privaten Versicherer übermittelt wird und welche Fristen gelten, sollte vor Abreise geklärt sein. Viele Versicherer haben dafür konkrete Verfahren – diese sind tarifabhängig.

Drittmittelverträge: Sonderfall Entgeltfortzahlung

Wissenschaftliche Mitarbeiter mit Drittmittelverträgen haben häufig befristete Arbeitsverhältnisse, bei denen die Entgeltfortzahlung zwar grundsätzlich gilt, aber Besonderheiten des Drittmittelgebers greifen können. Bei längerer Krankheit im Ausland – und einem gleichzeitig laufenden Drittmittelprojekt mit Lieferfristen oder Projektberichten – können projektvertragliche Pflichten entstehen, die vom Krankentagegeld nicht abgedeckt werden. Das ist kein Versicherungsthema, aber ein Risiko, das vor Abreise bekannt sein sollte.


Drittmittelprojekte & Gastinstitution: Wer schützt wen – und womit?

Wer mit Drittmitteln (DFG, EU-Horizont Europe, BMBF, Alexander-von-Humboldt-Stiftung u.a.) ins Ausland geht, ist in ein Geflecht aus Projektverträgen, institutionellen Pflichten und Versicherungsanforderungen eingebunden, das sich von einem privaten Forschungsaufenthalt erheblich unterscheidet.

Was Drittmittelgeber vorschreiben können

  • EU-Horizont-Europe-Projekte
    Horizont Europe verfügt über einen Mutual Insurance Mechanism (MIM) – dieser dient als finanzielle Absicherung für bestimmte Zahlungsausfälle im Projektkonsortium, ist aber kein Ersatz für die persönliche Kranken-, Haftpflicht- oder Unfallversicherung einzelner Forschender. Für persönliche Absicherung bei Auslandsaufenthalten gilt: Grant Agreement und Consortium Agreement lesen, Reiserichtlinie der eigenen Hochschule prüfen, Versicherungszusagen der Gastinstitution schriftlich anfordern.
  • DFG-Projekte
    Die DFG schreibt keine eigene persönliche Versicherungspflicht vor; sie erwartet, dass die Hochschule als Zuwendungsempfängerin für den ordnungsgemäßen Versicherungsschutz der entsandten Mitarbeiter sorgt. Im Zweifel: beim DFG-Projektverantwortlichen der Hochschule nachfragen, was im Rahmen des Projekts abgedeckt ist, und Dienstreisegenehmigung einholen.
  • Schäden an Drittmittelausrüstung
    Wenn im Ausland Forschungsgeräte beschädigt werden, die aus Drittmitteln finanziert wurden, ist die Haftungsfrage komplex: Greift die Haftpflicht der Gastinstitution? Der Hochschule? Oder der privaten Haftpflichtversicherung des Mitarbeiters? In der Regel ist das eine dienstliche Angelegenheit – aber das muss vorab schriftlich geklärt sein.

Gastinstitution vs. Hochschulschutz: Was tatsächlich gilt

Ein zentrales Missverständnis: Viele wissenschaftliche Mitarbeiter nehmen an, dass sie durch die aufnehmende Gastinstitution automatisch versichert sind. Das ist häufig teilweise richtig – aber selten vollständig.

BereichHochschulschutz (Entsendung)GastinstitutionWas fehlt typischerweise
KrankenversicherungGKV + EHIC (EU) / Lücke Nicht-EUOft nur Basis oder gar nichtRücktransport, Privatbehandlung
Gesetzliche UV (DGUV)Gilt bei Entsendung – für dienstliche Tätigkeiten; private Verrichtungen nicht versichertNur wenn Gastinstitution DGUV-Äquivalent hatFreizeitunfall, Wegeunfall privat
Haftpflicht dienstlichHochschule haftetGastinstitution haftet für dienstl. SchädenPersönliche Haftung bei grober Fahrlässigkeit
Haftpflicht privatNicht abgedecktNicht abgedecktPrivate Haftpflichtversicherung notwendig
BU-VersicherungEigener Vertrag läuft weiterKeine LeistungMeldepflichten, Tarifprüfung
DrittmittelausrüstungHochschule – projektabhängigGastinstitution – institutionsabhängigSchriftliche Klärung vor Abreise nötig
⚠️
Vor Abreise schriftlich klären: Was deckt die Gastinstitution?

Fragen Sie die aufnehmende Institution schriftlich, welchen Versicherungsschutz sie für Gastforscher bietet – Krankenversicherung, Unfallversicherung, Haftpflicht. Viele US-Universitäten haben dafür standardisierte Antwortdokumente für internationale Gastforscher. Diese Antwort bestimmt, was Sie selbst noch abschließen müssen.


Checkliste: Was vor dem Auslandsaufenthalt zu klären ist

Diese Punkte sollten mindestens 6–8 Wochen vor Abreise abgehakt sein – manche Behördenverfahren brauchen länger.

  • Beschäftigungsverhältnis schriftlich klären
    Entsendung, Gastvertrag oder Stipendium? Sozialversicherungsstatus schriftlich klären – am besten mit HR der Hochschule.
  • A1-Bescheinigung / Entsendungsdokument beantragen
    Bei Entsendung innerhalb der EU: A1-Bescheinigung bei der Krankenkasse beantragen. Bei Nicht-EU: bilaterale Bescheinigung prüfen.
  • GKV-Mitgliedschaft und EHIC klären
    Bleibt die GKV-Mitgliedschaft bestehen? EHIC beantragen. Außerhalb EU: ergänzende internationale KV mit Rücktransport abschließen.
  • Visa-Anforderungen: Versicherungsnachweis
    USA J-1, UK IHS, Australien: Versicherungsnachweis kann Visumpflicht sein. Rechtzeitig prüfen und dokumentieren.
  • BU-Versicherung: konkrete Punkte prüfen
    Meldepflicht beim Versicherer? Krisenregion-Ausschlüsse? Berufsbezeichnung im Vertrag korrekt? Leistungsfall-Organisation aus dem Ausland klären.
  • PKV-Optionstarif: individuell klären, nicht kündigen
    Weiterführung, Beitragsfreistellung oder Sonderregelung mit dem Versicherer klären – vor Abreise, nicht danach.
  • Haftpflichtversicherung: Geltungsbereich und institutionelle Absicherung
    Gilt der Tarif im Zielland für die geplante Dauer? Institutionelle Absicherung der Gasteinrichtung erfragen.
  • Unfallversicherung prüfen
    Gilt die gesetzliche UV (DGUV)? Falls nicht (Gastvertrag ohne Entsendung): private Unfallversicherung prüfen.
  • Krankentagegeld-Situation klären
    GKV: Krankengeldanspruch bei weiterbestehender Pflichtmitgliedschaft prüfen. PKV: Krankentagegeld-Tarif aktiv halten. Verfahren für Krankschreibung im Ausland mit Versicherer klären.
  • Drittmittelprojekt: Versicherungspflichten im Grant Agreement prüfen
    EU-Horizont: Versicherungsanforderungen im Zuwendungsvertrag lesen. DFG: Projektverantwortlichen der Hochschule fragen. Schäden an Projektausrüstung: Zuständigkeit vorab schriftlich klären.
  • Gastinstitution schriftlich befragen
    Welchen Versicherungsschutz bietet die aufnehmende Institution? Krankenversicherung, Unfall, Haftpflicht – schriftlich anfragen und dokumentieren, bevor Sie abreisen.
  • Rücktransport: „medizinisch sinnvoll" sicherstellen
    Medizinischer Rücktransport muss explizit im KV-Vertrag stehen. Achten Sie auf das Kriterium „medizinisch sinnvoll" – nicht nur „medizinisch notwendig". Der Unterschied entscheidet im Leistungsfall, wann ein Rücktransport genehmigt wird.

Jan Pohl – Versicherungsmakler Aachen
Jan Pohl
Fachwirt für Finanzberatung IHK · versicherungsmakler.ac · Aachen
Das häufigste Problem, das ich vor Auslandsaufenthalten sehe: Es wird die Frage der Krankenversicherung geklärt – und alles andere nicht. Die BU-Klauseln werden nicht gelesen. Der PKV-Optionstarif wird manchmal sogar gekündigt, weil man „im Ausland ja PKV-versichert" ist. Und nach der Rückkehr stellt sich heraus, dass das Optionsrecht weg ist. Dauerhaft. Mein Rat: Mindestens 6 Wochen vor Abreise alle Verträge systematisch durchgehen – nicht erst, wenn das Ticket schon gebucht ist.

Häufige Fragen

Gilt meine BU-Versicherung auch im Ausland?
Die BU-Versicherung bleibt bei einem Auslandsaufenthalt grundsätzlich bestehen. Was konkret zu prüfen ist: tarifabhängige Einschränkungen für bestimmte Regionen oder Krisengebiete, Meldepflichten bei längeren Aufenthalten (oft ab 6 oder 12 Monate), die Definition der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie die Organisation eines Leistungsfalls aus dem Ausland. Keinen Vertrag kündigen – das kostet den günstigen Gesundheitszustand.
Bin ich als GKV-Mitglied im Ausland krankenversichert?
Innerhalb der EU gibt die EHIC Anspruch auf medizinisch notwendige Behandlungen im öffentlichen Gesundheitssystem des Gastlandes – zu dessen Konditionen. Rücktransport nach Deutschland ist nicht über die EHIC gedeckt. Außerhalb der EU erlischt der GKV-Schutz bei Wohnsitzverlegung in der Regel; es gibt eine eng begrenzte gesetzliche Ausnahme, nach der Kassen unter strengen Voraussetzungen maximal sechs Wochen pro Jahr auch außerhalb EU/EWR Kosten unverzüglich erforderlicher Behandlungen übernehmen können. Für Forschungsaufenthalte in Nicht-EU-Ländern ist eine eigene internationale Krankenversicherung daher in der Regel zwingend.
Wer ist für meine Versicherung bei einem Gastwissenschaftler-Aufenthalt zuständig?
Das hängt vom Beschäftigungsverhältnis ab. Bei Entsendung durch die Hochschule bleibt die deutsche Sozialversicherung zuständig – belegt durch die A1-Bescheinigung. Bei echtem Gastvertrag der ausländischen Institution kann eine Lücke bei der deutschen Sozialversicherung entstehen. Das muss schriftlich mit der Hochschule und der Krankenkasse vor Abreise geklärt werden.
Welche Versicherungen brauche ich für einen Forschungsaufenthalt in den USA?
Für das J-1-Visum schreibt 22 CFR § 62.14 verbindliche Mindestdeckungen vor: mind. 100.000 USD für medizinische Leistungen, mind. 50.000 USD für Medical Evacuation, mind. 25.000 USD für Repatriation of Remains, Selbstbehalt max. 500 USD pro Krankheit oder Unfall. Die GKV allein erfüllt diese Anforderungen nicht. Zusätzlich: BU-Vertrag aktiv halten und Vertragsbedingungen für Nicht-EU-Aufenthalte prüfen, Haftpflicht auf Nordamerika-Regelungen prüfen, PKV-Optionstarif nicht kündigen.
Was passiert mit meinem PKV-Optionstarif, wenn ich für 2 Jahre ins Ausland gehe?
Der PKV-Optionstarif muss aktiv weitergeführt werden – nicht kündigen. Ob Beitragsfreistellung, Ruhendstellung oder reguläre Weiterführung möglich ist, ist tarifabhängig und muss individuell vor Abreise mit dem Versicherer geklärt werden. Kündigung bedeutet dauerhafter Verlust des Optionsrechts.
Zahlt die gesetzliche Unfallversicherung bei einem Arbeitsunfall im Ausland?
Bei Entsendung durch die Hochschule gilt die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bei dienstlichen Tätigkeiten grundsätzlich weiter, auch im Ausland. Wichtige Einschränkung: Private Verrichtungen während des Auslandsaufenthalts sind nicht versichert – der Schutz ergibt sich aus dem konkreten Zusammenhang mit der dienstlichen Tätigkeit. Bei Gastwissenschaftler-Status ohne Entsendung kann die gesetzliche UV ganz fehlen – dann ist eine private Unfallversicherung sinnvoll.
Habe ich als GKV-Mitglied im Ausland Anspruch auf Krankengeld?
Bei Entsendung durch die Hochschule und weiterbestehender GKV-Pflichtmitgliedschaft grundsätzlich ja – ab der 7. Krankheitswoche, nach Ende der Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers. Wenn das Arbeitsverhältnis ruht oder ein Gastvertrag ohne deutsche Sozialversicherung vorliegt, kann der Anspruch entfallen. PKV-Mitglieder haben keinen automatischen Krankengeldanspruch – ein Krankentagegeldtarif ist für PKV-Versicherte zwingend.
Wer ist bei einem Schaden an Drittmittelausrüstung im Ausland zuständig?
Das hängt vom Einzelfall ab: Bei Entsendung durch die Hochschule haftet in der Regel die Hochschule als Arbeitgeberin – es sei denn, es liegt grobe Fahrlässigkeit vor. Die Gastinstitution kann eine eigene Haftpflicht für Institutsschäden haben. Die private Haftpflichtversicherung des Mitarbeiters greift bei dienstlichen Schäden in der Regel nicht. Horizon-Europe-Projekte haben einen Mutual Insurance Mechanism für finanzielle Projektrisiken – dieser ersetzt keine persönliche Versicherung. Diese Frage sollte schriftlich vor Abreise zwischen Hochschule, Gastinstitution und ggf. dem Projektkoordinator geklärt werden.
Ich habe ein DAAD-Stipendium – bin ich damit ausreichend versichert?
Der DAAD bietet Stipendiaten Kranken- und Unfallversicherungsschutz an – aber der genaue Leistungsumfang steht im Stipendienvertrag und variiert je nach Programm. Rücktransport, Rehabilitation und Langzeitbehandlungen sind oft nicht vollständig eingeschlossen. Den Vertrag konkret prüfen und ggf. ergänzen.

Auslandsaufenthalt geplant?

Ein strukturiertes Gespräch vor der Abreise dauert 45 Minuten – und verhindert Probleme, die nach der Rückkehr manchmal nicht mehr lösbar sind.

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