Altersvorsorge für Professoren in NRW (RWTH Aachen) – Strategie, Lücken, Bausteine, Rechenbeispiele
Dieser Leitfaden zur Altersvorsorge für Professoren baut in Ton, Logik und Grundstruktur auf dem Beitrag „Altersvorsorge für Beamte“ auf. Er ergänzt jedoch gezielt die professorentypischen Punkte in NRW (und im Umfeld der RWTH Aachen): Mischlaufbahn (Tarifbeschäftigung im ÖD → Beamtenverhältnis), Nebeneinkünfte und Leistungsbezüge, mehrere Kinder, PKV/Beihilfe im Ruhestand, Weiterarbeit nach der Altersgrenze („Emeritus-Effekt“), Familienzuschlag in Ruhestandsphasen sowie Internationalität.
1) 60-Sekunden-Zusammenfassung: Altersvorsorge für Professoren – was ist anders?
- Rechnen Sie in Netto-Cashflows, nicht nur in „Pension in Prozent“. Entscheidend ist: Was kommt monatlich rein, und was geht (inkl. PKV, Pflege, Steuern) raus?
- Trennen Sie Einnahmenarten: ruhegehaltnahe, stabile Bezüge vs. variable Nebeneinkünfte/Leistungsbezüge. Planen Sie den Ruhestand konservativ – sonst entsteht eine verdeckte Lücke.
- Klären Sie Vorzeiten sauber: Zeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter im ÖD erzeugen oft gesetzliche Rentenansprüche (DRV) und ggf. VBL. Das verschwindet nicht automatisch. Gleichzeitig kann bei Zusammentreffen eine Ruhens-/Höchstgrenzenlogik greifen.
- Bewerten Sie Familien- und Karrierephasen: Sabbatical, Auslandsaufenthalte, Beurlaubung, Teilzeit – bei Professoren ist die Biografie oft nicht linear. Genau dort werden Strategien robust oder fragil.
- PKV im Ruhestand ist ein eigener Block: Auch wenn die Beihilfequote steigt, zahlen Sie Ihren PKV-Anteil aus einer niedrigeren Versorgung. Das ist die typische Netto-Falle, wenn vorher „alles gut aussah“.
- 2) Ausgangslage: Beamtenversorgung W1/W2/W3 – und warum Lücken entstehen
- 3) Lückentreiber: Nebeneinkünfte, Kinder, PKV, Scheidung, Internationalität, Weiterarbeit, Familienzuschlag
- 4) Mischlaufbahn / Vorzeiten (Kernstück): DRV, VBL, Höchstgrenze, Praxisablauf
- 5) Bausteine: Depot, Rentenversicherung, Basisrente/Rürup, VBL/bAV, Immobilie, Notgroschen
- 6) Rechenbeispiele (A/B/C)
- 7) Entscheidungsbaum: Wenn Sie X sind, priorisieren Sie Y
- 8) Checkliste: In 30 Minuten Klarheit
- 9) Häufige Fehler (mind. 10)
- 10) FAQ (Accordion)
- 11) Nächster Schritt (CTA)
- 12) Quellen & vertiefende Links
2) Ausgangslage: Beamtenversorgung bei Professoren in NRW (W1/W2/W3) – warum trotzdem Versorgungslücken entstehen
Die Altersvorsorge für Professoren in NRW startet mit einer stabilen Basis: der Beamtenversorgung. Sie wird über ruhegehaltfähige Dienstzeiten und ruhegehaltfähige Dienstbezüge ermittelt. Das ist eine tragfähige Säule, weil sie nicht direkt von Kapitalmärkten abhängt. Dennoch ist sie nicht automatisch deckungsgleich mit Ihrem gewünschten Lebensstandard.
Entscheidend ist der Unterschied zwischen „Versorgungsanspruch“ und „Lebensstandard“: Ihr Lebensstandard wird in aktiven Jahren häufig durch eine Kombination geprägt – Grundbezüge, ggf. Leistungsbezüge, Nebeneinkünfte, Familienzuschläge, dazu eine bestimmte Wohn- und Mobilitätsrealität. Im Ruhestand verändert sich diese Mischung: Manche Bestandteile bleiben, andere enden, und gleichzeitig steigen bestimmte Ausgabenblöcke.
Warum entstehen bei Professoren Versorgungslücken besonders häufig?
- Später Einstieg in ruhegehaltfähige Zeiten (Promotion, Postdoc, Qualifikationsstellen).
- Mehrere Kinder verschieben die Sparfähigkeit; außerdem kommen große Kosten oft gebündelt (Kita → Schule → Studium).
- Nebeneinkünfte erhöhen das aktive Netto, sind aber im Ruhestand oft deutlich geringer oder strukturell anders.
- PKV/Beihilfe bleibt ein relevanter Kostenblock; der Beitrag wirkt im Ruhestand netto stärker.
- Mischlaufbahn führt zu zusätzlichen Renten-/VBL-Anrechten – und zu Koordinierungsregeln (Höchstgrenze/Ruhen), die viele nicht einpreisen.
Damit die Altersvorsorge für Professoren in NRW belastbar wird, sollten Sie nicht mit einer einzigen Zahl planen („Pension x %“), sondern mit einem Ruhestandsbudget. Dieses Budget berücksichtigt Steuern, PKV, Pflege, Rücklagen für Gesundheit, sowie den gewünschten Lebensstil. Erst danach macht es Sinn, Bausteine zu wählen und zu priorisieren.
3) Professorenspezifische Lückentreiber – die Punkte, die den Unterschied machen
3.1 Nebeneinkünfte und Leistungsbezüge: planbar vs. volatil – und was im Ruhestand wegfällt
Bei der Altersvorsorge für Professoren ist der häufigste Denkfehler: Das aktive Budget wird unbewusst als „Normal“ angenommen. In der Praxis setzt es sich jedoch oft aus mehreren Schichten zusammen: Grundbezüge als stabile Basis, dazu Leistungsbezüge (je nach Ausgestaltung), außerdem Nebeneinkünfte (Gutachten, Beratung, Vorträge, Autorentätigkeit, projektbezogene Tätigkeiten). Einige dieser Einnahmen sind zuverlässig, andere schwanken, und wieder andere sind im Ruhestand nicht mehr realistisch.
| Einnahmeart | Typisch in aktiven Jahren | Typisch im Ruhestand | Planungslogik |
|---|---|---|---|
| Grundbezüge / ruhegehaltnahe Anteile | Stabil | Bleibt (als Versorgung) – aber netto anders | Fundament, konservativ netto planen |
| Leistungsbezüge / variable Komponenten | Je nach Profil teils spürbar | Oft reduziert oder entfällt | Nicht als Basis, eher als Turbo verwenden |
| Nebeneinkünfte (Gutachten, Beratung, Vorträge) | Volatil, teils hoch | Kann weiterlaufen, aber unsicher und ggf. begrenzt | In Szenarien planen, nicht als Standard |
| Autoren-/Lizenz-/Honorare | Sehr unterschiedlich | Kann fortbestehen, aber schwer prognostizierbar | Konservativer Abschlag, Nachweise sammeln |
Praxisregel: Legen Sie eine Basis-Sparrate fest, die Sie auch ohne Nebeneinkünfte zuverlässig tragen. Nebeneinkünfte eignen sich anschließend für Sonderzahlungen, Depotaufbau, Tilgung oder gezielte Reserven – dadurch bleibt Ihre Strategie stabil, selbst wenn ein Projekt wegfällt oder sich die Auslastung ändert.
3.2 Viele Kinder: Timing ist das eigentliche Risiko (nicht der Durchschnitt)
Professorenhaushalte mit drei oder vier Kindern sind selten „durchschnittlich“ planbar, weil Kostenwellen auftreten. Zunächst steigen Betreuungskosten und Wohnkosten, später folgen Schulkosten, und schließlich wird das Studium häufig zum größten Cashflow-Block: doppelte Haushalte, Auslandssemester, Übergangszeiten, und oft der Wunsch, Kinder beim Start ins Berufsleben zu unterstützen.
Deshalb funktioniert die Altersvorsorge für Professoren am besten, wenn Sie neben dem langfristigen Vermögensaufbau bewusst einen Familien-Puffer aufbauen. Dieser Puffer ist kein Luxus; vielmehr verhindert er, dass Sie in teuren Familienphasen die Vorsorge aussetzen oder teure Kredite aufnehmen müssen.
3.3 PKV/Beihilfe im Ruhestand: die „Netto-Falle“ sauber auflösen
Im aktiven Dienst wirken PKV-Beiträge bei vielen Professoren „unproblematisch“, weil das aktive Netto hoch ist und die Routine funktioniert. Im Ruhestand ändert sich jedoch die Perspektive: Die Versorgung ist netto oft niedriger als das letzte aktive Einkommen, während die PKV als Kostenblock weiterläuft. Gleichzeitig steigt die Sensibilität für planbare monatliche Belastungen.
In NRW kann sich der Beihilfesatz im Ruhestand verändern; das klingt auf dem Papier gut, trotzdem bleibt Ihr PKV-Anteil aus der Versorgung zu zahlen. Genau hier entsteht die Netto-Falle: Nicht der Beitrag an sich ist plötzlich „explodiert“, sondern er trifft auf ein anderes Netto und auf andere Ausgabenprioritäten.
Was Sie in der PKV-Planung für den Ruhestand prüfen sollten
- Wie hoch ist der realistische PKV-Beitrag in 10/20 Jahren (inkl. Tarifentwicklung)?
- Welche Selbstbehalte sind tragbar, und wie wirken sie im Entnahmeplan?
- Gibt es Entlastungstarife – und passen sie zu Ihrer Liquidität und Steuerlogik?
- Wie schnell kommen Erstattungen, und welche Liquiditätsreserve braucht Ihr Haushalt dafür?
- Welche Rolle spielt Pflege (Kosten, Ergänzungstarife, Rücklagen)?
3.4 Scheidung/Versorgungsausgleich: der häufigste „Planungs-Blind Spot“
Viele Strategien zur Altersvorsorge für Professoren sind sauber gerechnet, solange die Biografie linear bleibt. Sobald jedoch eine Scheidung ins Spiel kommt, verändert sich die Gleichung: Versorgungsanrechte können geteilt werden, private Anwartschaften ebenfalls, und die Planung muss neu kalibriert werden. Gerade bei Mischlaufbahnen (DRV + VBL + Versorgung + private Bausteine) ist Transparenz entscheidend.
Deshalb gilt: Je komplexer Ihre Bausteine sind, desto wichtiger sind nachvollziehbare Dokumente, klare Standmitteilungen und eine saubere Übersicht. Eine Strategie ist nicht nur dann gut, wenn sie „renditestark“ klingt, sondern wenn sie in realen Lebensereignissen stabil bleibt.
3.5 Internationalität: robuste Hinweise ohne Spezialfall-Dschungel
Im RWTH-Umfeld haben viele Professoren internationale Abschnitte: Auslandsstudium, Postdoc-Zeiten, Forschungsaufenthalte, internationale Arbeitgeber. Dadurch entstehen zwei typische Risiken für die Altersvorsorge für Professoren in NRW: Erstens fehlen später Nachweise oder Konten sind nicht konsolidiert. Zweitens werden Ansprüche im Ausland falsch eingeschätzt (zu optimistisch oder zu vorsichtig).
Die praxisnahe Lösung ist unspektakulär: Sammeln Sie Nachweise frühzeitig (Verträge, Sozialversicherungsnummern, Beitragsnachweise, Bescheide), und holen Sie sich rechtzeitig eine Einordnung, welche Ansprüche tatsächlich später zufließen und wie sie steuerlich und im Versorgungssystem wirken können.
3.6 Der „Emeritus-Effekt“: Weiterarbeit nach der Altersgrenze und Ruhensregeln bei Erwerbseinkommen
Viele Professoren arbeiten über die Altersgrenze hinaus: Seniorprofessuren, Drittmittelprojekte, Gutachten oder Beratung. Das kann strategisch sinnvoll sein, weil es Übergangsphasen abfedert (z. B. Kinder studieren noch, Immobilienfinanzierung läuft, oder Sie wollen Entnahmen aus dem Vermögen in den ersten Jahren reduzieren).
Gleichzeitig müssen Sie die Spielregeln kennen: Wenn neben Versorgungsbezügen Erwerbs- oder Erwerbsersatzeinkommen bezogen wird, können Versorgungsbezüge ruhen, sobald bestimmte Höchstgrenzen überschritten werden. In NRW ist dafür insbesondere § 66 LBeamtVG NRW einschlägig. Entscheidend ist außerdem, welche Einkommensarten als anrechenbar gelten und wie Ihr konkreter Fall eingeordnet wird.
Praktisch bedeutet das: Planen Sie Weiterarbeit als Option, nicht als Fundament. Klären Sie vorab, welche Tätigkeit welche Anrechnung auslösen kann, damit sich Mehrarbeit netto nicht „verpufft“.
3.7 Familienzuschlag im Ruhestand: unterschätzter Cashflow-Faktor
Ein Punkt, der in der Altersvorsorge für Professoren häufig fehlt: Familienbezogene Komponenten können in bestimmten Ruhestandsphasen weiterwirken, etwa wenn Kinder noch kindergeldberechtigt sind (Studium/Übergangszeiten). Das ist kein Automatismus, sondern hängt von Voraussetzungen und Nachweisen ab. In der Praxis lohnt es sich, diesen Cashflow bewusst zu prüfen, weil er gerade bei mehreren Kindern spürbar sein kann.
Außerdem hilft ein sauberer Blick auf die Fristen und Nachweise: Wenn Kindergeld endet oder sich Voraussetzungen ändern, sollten Sie die Folgen zeitnah einordnen. Dadurch vermeiden Sie Rückforderungen und stabilisieren zugleich Ihre Ruhestandsplanung.
4) Mischlaufbahn / Vorzeiten (Kernstück): Tarifbeschäftigung im ÖD → Professur im Beamtenverhältnis
Die Mischlaufbahn ist der zentrale Unterschied zwischen einer Standardplanung und einer wirklich guten Altersvorsorge für Professoren. Typische Fälle im Wissenschaftsbetrieb sind: mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter im öffentlichen Dienst (tariflich), danach Berufung und Beamtenstatus. Daraus entstehen häufig parallel: gesetzliche Rentenansprüche (DRV) und ggf. Zusatzversorgung (VBL) – zusätzlich zur späteren Beamtenversorgung.
4.1 DRV-Ansprüche: Was bleibt bestehen – und was ist nicht automatisch „weg“?
Zeiten als Tarifbeschäftigter im ÖD bedeuten in aller Regel Pflichtbeiträge zur Deutschen Rentenversicherung. Diese Beiträge bleiben Ihrem Rentenkonto zugeordnet. Sie werden später – je nach Konstellation – als gesetzliche Rente ausgezahlt, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind (insbesondere Wartezeiten). Viele gehen fälschlich davon aus, diese Ansprüche „verfallen“ nach Verbeamtung. Das ist typischerweise nicht der Fall; vielmehr stehen diese Ansprüche später neben der Beamtenversorgung.
Deshalb ist der erste praktische Schritt immer: Klären Sie Ihr Rentenkonto. Ohne Kontenklärung und Renteninformation ist jede Planung nur eine Schätzung. Außerdem sollten Sie prüfen, ob Zeiten fehlen oder falsch gespeichert sind, weil gerade bei Wissenschaftskarrieren Wechsel, Stipendien, Auslandszeiten und befristete Anstellungen häufig vorkommen.
4.2 VBL/Zusatzversorgung: Welche Konstellationen sind typisch – und was passiert bei Verbeamtung?
Neben der DRV ist bei vielen Wissenschaftskarrieren die VBL relevant (Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes). Hier gibt es unterschiedliche Situationen: Manche haben nur kurze Zeiten (und damit geringe Ansprüche), andere erreichen Wartezeiten und erwerben echte Anwartschaften. Bei Verbeamtung endet die Pflichtversicherung in der Regel; der bisherige Anspruch bleibt jedoch oft bestehen und wird später als Zusatzrente ausgezahlt, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Ob und wie eine freiwillige Fortsetzung möglich ist, hängt vom konkreten System und Ihrem Status ab.
Für die Altersvorsorge für Professoren in NRW ist entscheidend: VBL ist nicht „nur ein Detail“. Erstens kann sie – je nach Dauer – einen merkbaren zusätzlichen Cashflow liefern. Zweitens kann sie in NRW bei der Ruhenslogik als „Rente“ in die Koordinierung fallen. Genau deshalb müssen Sie VBL und DRV nicht nur als „Extra“ sehen, sondern als Bausteine, die zusammen mit der Versorgung richtig einsortiert werden müssen.
4.3 Die Höchstgrenze: Warum „Pension + Rente“ nicht immer voll addiert wird (verständlich erklärt)
Viele Professoren erwarten, dass gesetzliche Rente und Zusatzversorgung einfach zusätzlich zur Pension ausgezahlt werden, ohne Nebenwirkungen. In der Praxis gibt es jedoch Koordinierungsregeln: Wenn Versorgungsbezüge und Renten zusammentreffen, kann ein Teil der Versorgungsbezüge ruhen, sofern eine gesetzlich definierte Höchstgrenze überschritten wird. In NRW ist das im Landesrecht geregelt (maßgeblich: § 68 LBeamtVG NRW). Das ist keine „Strafe“, sondern eine Systemlogik: Das Gesamteinkommen aus Versorgung und Rente soll bestimmte Grenzen nicht überschreiten.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: In der Praxis wird nicht „Ihre Rente gekürzt“, sondern es wird geprüft, ob und in welchem Umfang Versorgungsbezüge wegen Zusammentreffens ruhen. Der genaue Effekt hängt von Details ab (Art der Rente, Dynamik, Beginnzeitpunkte, Mindestversorgung, individuelle Versorgungsdaten). Deshalb ist der entscheidende Satz: Maßgeblich ist Ihr individueller Versorgungsbescheid bzw. die Berechnung der zuständigen Versorgungsstelle.
Merksatz zur Höchstgrenze (NRW):
In der Altersvorsorge für Professoren sollten Sie Renten aus DRV/VBL nicht als „frei addierbar“ voraussetzen, sondern als Bausteine, die bei der Versorgung mitkoordiniert werden können. Wie stark das wirkt, zeigt erst die individuelle Berechnung – deshalb ist der praktische Ablauf so wichtig.
4.4 Praktischer Ablauf: Welche Auskünfte Sie anfordern sollten – und wie Sie Klarheit bekommen
Eine exzellente Altersvorsorge für Professoren in NRW beginnt nicht mit Produktentscheidungen, sondern mit Dokumenten. Wenn Sie die drei zentralen Auskünfte sauber vorliegen haben, sind 80 % der typischen Unsicherheit weg.
A) DRV: Renteninformation + Kontenklärung
- Aktuelle Renteninformation / Rentenübersicht anfordern
- Kontoauszug prüfen: fehlen Zeiten, sind Entgelte plausibel?
- Bei Lücken: Kontenklärung mit Nachweisen (Arbeitsverträge, Bescheinigungen)
- Optional: Beratungstermin (wenn Mischzeiten/Ausland/Stipendien vorkamen)
Ziel: Sie wissen, ob und in welcher Größenordnung eine gesetzliche Rente später realistisch ist.
B) VBL: Standmitteilung + Status „Tarif → Beamtenverhältnis“
- Letzte VBL-Standmitteilung/Information heraussuchen oder anfordern
- Wartezeiten/Anspruchsvoraussetzungen prüfen
- Klärung, ob und wie eine Fortsetzung möglich ist (falls relevant)
- Dokumentieren: Beginn/Ende der Pflichtversicherung, Art der VBL
Ziel: Sie können VBL als Baustein in Ihr Ruhestandsbudget einordnen – inkl. möglicher Koordinierung.
C) Versorgungsauskunft (LBV NRW/Versorgungsstelle): der Hebel für echte Planung
Ohne Versorgungsauskunft bleibt die Altersvorsorge für Professoren zwangsläufig vage. In NRW können verbeamtete Personen – bei Erfüllung bestimmter Kriterien – eine Versorgungsauskunft beantragen. Das LBV NRW beschreibt dafür das Antragsverfahren, inklusive Online-Antragsweg.
- Prüfen, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen (z. B. Altersgrenzen oder besondere Gründe)
- Antragsweg wählen: klassisch oder online (sofern freigeschaltet)
- Zwei Ruhestandszeitpunkte sinnvoll wählen (z. B. Regelaltersgrenze und „früherer“ Zeitpunkt)
- Bescheid/Prognose abheften: Das ist Ihre Planungsgrundlage
Ziel: Sie kennen die voraussichtlichen Versorgungsbezüge und können die Versorgungslücke seriös in Euro pro Monat beziffern.
5) Strategie-Bausteine der Altersvorsorge für Professoren – Vor-/Nachteile und Entscheidungslogik
Sobald die Basisdaten klar sind, wird die Auswahl der Bausteine deutlich einfacher. Wichtig ist: Es gibt nicht den „besten“ Baustein für alle, sondern eine Kombination, die zu Ihrer Biografie passt. Eine gute Altersvorsorge für Professoren ist deshalb weniger eine Produktfrage und mehr eine Strukturfrage: Liquidität, Steuerlogik, Flexibilität, Disziplin und Hinterbliebenenperspektive müssen zusammenpassen.
5.1 ETF-Depot (privat): Flexibilität, Liquidität, Disziplin
Ein privat geführtes Depot ist für viele Professoren ein Kernbaustein, weil es flexibel ist: Einzahlungen sind anpassbar, Entnahmen sind steuerlich steuerbar, und das Vermögen bleibt grundsätzlich verfügbar. Gleichzeitig ist ein Depot nur dann sinnvoll, wenn Sie Disziplin und Risikotragfähigkeit realistisch einschätzen.
Depot – worauf es in der Praxis ankommt
- Sparrate stabil gestalten: Basisrate + variable Sonderzahlungen (z. B. aus Nebeneinkünften).
- Risikoprofil passend wählen: Sie brauchen eine Strategie, die Sie auch in schlechten Marktphasen halten.
- Entnahmeplan vorbereiten: Kapitalverzehr vs. dauerhaftes Kapital – beides ist legitim, aber die Konsequenzen sind unterschiedlich.
- Steuern mitdenken: Freibeträge, Abgeltungsteuer, ggf. Teilfreistellungen – nicht als Optimierungsspiel, sondern als Planungsfaktor.
5.2 Fondsgebundene Rentenversicherung: Struktur, Entnahmeoptionen, Kostenwirkung
Eine fondsgebundene Rentenversicherung kann für die Altersvorsorge für Professoren in NRW sinnvoll sein, wenn Sie Wert auf eine „verpackte“ Struktur legen (z. B. für Disziplin, Verrentungsoptionen oder bestimmte steuerliche Mechaniken). Gleichzeitig ist sie kosten- und flexibilitätsabhängig: Kosten, Policenstruktur und Gestaltungsmöglichkeiten entscheiden darüber, ob der Baustein passt oder ob er unnötig einschränkt.
Wichtig ist eine neutrale Abwägung: Es gibt provisionsbasierte und nettoorientierte Varianten. Entscheidend ist nicht das Label, sondern die konkrete Gesamtkostenquote, die Flexibilität (Beitragsfreistellung, Zuzahlungen, Entnahmen) und die Transparenz.
5.3 Basisrente/Rürup: wann sinnvoll, wann nicht – speziell für Professoren
Die Basisrente wird häufig über die Steuer argumentiert. Bei Professoren kann sie tatsächlich attraktiv sein, weil der Grenzsteuersatz oft hoch ist und planbare Beiträge möglich sind. Gleichzeitig ist die Basisrente unflexibel: Kapital ist in der Regel nicht frei verfügbar, und Auszahlungen sind an Bedingungen geknüpft. Deshalb sollten Sie sie nicht als „Hauptkonto für alles“ missverstehen, sondern als Baustein, wenn folgende Logik passt:
Basisrente – Entscheidungslogik für Professoren
- Sinnvoll, wenn Sie stabil hohe steuerpflichtige Einkommen haben, langfristig planbar einzahlen können und bewusst Verrentung wünschen.
- Weniger sinnvoll, wenn Sie maximale Flexibilität brauchen (Kinderphasen, Auslandspläne, Immobilien, Gründung), oder wenn Liquidität oberste Priorität hat.
- Wichtig: Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitskomponenten nur dann, wenn sie fachlich und kostenseitig sauber sind – nicht aus Gewohnheit.
5.4 bAV/VBL/weitere Betriebsrenten aus Vorzeiten: fortführen oder ruhen lassen?
In der Altersvorsorge für Professoren ist der richtige Umgang mit Vorzeiten oft der unterschätzte Hebel. VBL oder andere Betriebsrenten aus früheren Angestelltenzeiten sind nicht automatisch „schlecht“ oder „gut“. Sie sind zunächst einmal da – und müssen eingeordnet werden: Höhe, Wartezeiten, Dynamik, steuerliche Behandlung, Koordinierung mit Versorgung.
Eine Fortführung kann sinnvoll sein, wenn sie günstig, transparent und passend ist. In anderen Fällen ist es ausreichend, den Anspruch beitragsfrei stehen zu lassen und die Ressourcen auf flexiblere Bausteine zu konzentrieren. Pauschalen helfen hier nicht; die Unterlagen entscheiden.
5.5 Immobilie: selbst genutzt vs. Kapitalanlage – Liquidität und Klumpenrisiko
Immobilien sind in professorentypischen Haushalten oft Teil der Lebensplanung. Für die Altersvorsorge für Professoren in NRW gilt: Eine selbst genutzte Immobilie senkt im Ruhestand typischerweise den Mietdruck, bindet aber Kapital und kann Sanierungsspitzen erzeugen. Eine Kapitalanlage-Immobilie kann zusätzliche Einnahmen liefern, erzeugt allerdings Verwaltungsaufwand und Klumpenrisiko.
Planen Sie Immobilien deshalb als eigenen Strang: Instandhaltungsrücklagen, Zinsbindung, Modernisierung, Leerstandsrisiken. Je transparenter Sie das abbilden, desto besser passt es in die Gesamtstrategie.
5.6 Notgroschen und Cashflow-Management: Sabbatical, Forschungsfreisemester, Kinder, Umbau
Eine exzellente Altersvorsorge für Professoren scheitert selten an „fehlendem Wissen“, sondern an Cashflow-Spitzen: Umbau, Krankheit, Familienereignisse, Auslandsphasen, Projektwechsel. Genau deshalb gehört ein Notgroschen in jede seriöse Planung – nicht als moralischer Rat, sondern als Stabilitätsmechanismus.
Praxis: Zwei Reservetöpfe statt „ein bisschen Puffer“
- Notgroschen: echte Notfälle, kurzfristige Liquidität.
- Planbare Rücklage: Studium der Kinder, größere Reparaturen, PKV-Selbstbehalte, Übergangsjahre.
6) Rechenbeispiele: Altersvorsorge für Professoren – 3 Profile, 3 Logiken
Die folgenden Beispiele dienen als realistische Orientierungsrahmen. Sie sind bewusst als Bandbreiten dargestellt, weil Ihr individueller Bescheid, Ihre Steuer- und PKV-Situation sowie Ihre Familien- und Immobilienplanung den Effekt stark verändern können. Für alle Beispiele gilt: Erst die Kombination aus Versorgungsauskunft, DRV-Information und VBL-Stand ermöglicht eine exakte Planung.
Beispiel A: W2, 2 Kinder, moderate Nebeneinkünfte – Ziel: zusätzliche monatliche Ruhestandszahlung
Profil: Professor (W2), zwei Kinder, Nebeneinkünfte moderat und schwankend. Ruhestand geplant in ca. 20 Jahren.
Ziel: Zusätzlich zur Versorgung soll eine zusätzliche monatliche Zahlung aus privatem Vermögen von z. B. 1.000–1.500 EUR (in heutiger Kaufkraft) möglich sein.
Annahmen (transparent): Konservative Planung mit Inflationspuffer; keine Renditeversprechen. Nebeneinkünfte werden nur teilweise als „Turbo“ genutzt.
Grobe Kapitalbedarfslogik:
- Mit Kapitalverzehr (Entnahme über 25–30 Jahre): niedrigerer Kapitalbedarf.
- Ohne Kapitalverzehr (nur „Ertragsentnahme“): deutlich höherer Kapitalbedarf, oft unrealistisch ohne sehr hohe Sparquoten.
Sparrate-Spanne: Je nach Startkapital und Familienphase häufig sinnvoll: Basisrate + variable Sonderzahlungen (z. B. 300–800 EUR Basis, plus Sonderzahlungen aus Nebeneinkünften).
Hauptrisiken: Studienphase der Kinder (Cashflow-Spitze), PKV im Ruhestand, sowie die Gefahr, Nebeneinkünfte stillschweigend als „normal“ einzuplanen.
Beispiel B: W3, 4 Kinder, hohe Nebeneinkünfte/Leistungsbezüge – Ziel: Lebensstandard sichern
Profil: Professor (W3), vier Kinder, spürbare Nebeneinkünfte und ggf. leistungsbezogene Komponenten. Aktiver Lebensstandard deutlich oberhalb dessen, was nur aus Versorgung abbildbar wäre.
Ziel: Ruhestand so gestalten, dass der Lebensstandard nicht abrupt fällt. Zusätzlich soll Flexibilität für Familienunterstützung bestehen (Studium/Startkapital).
Annahmen: Nebeneinkünfte werden in drei Szenarien geplant: konservativ / realistisch / optimistisch. Außerdem wird geprüft, ob Weiterarbeit nach der Altersgrenze als Option vorgesehen ist.
Grobe Kapitalbedarfslogik: Hier ist meist nicht „eine Zahl“ entscheidend, sondern eine Struktur:
- Ein Teil der privaten Vorsorge dient als Ruhestandsbasis (regelmäßige Entnahme).
- Ein Teil dient als Familien-/Projektpuffer (Einmalentnahmen, Studium, Umzug, Sanierung).
- Ein Teil kann als steuerliche/strukturelle Ergänzung laufen (z. B. Basisrente, wenn passend).
Sparrate-Spanne: Häufig sinnvoll: eine stabile Basisrate, die auch in kinderintensiven Jahren tragbar bleibt, plus konsequente Sonderzahlungen aus hohen Nebeneinkünften (statt Lifestyle-Inflation).
Hauptrisiken: PKV-Netto-Falle im Ruhestand, Scheidung/Versorgungsausgleich, sowie die Unterschätzung der Koordinierungsregeln bei DRV/VBL (Höchstgrenze).
Beispiel C: Mischlaufbahn – 8 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter (ÖD) + Professur
Profil: 8 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter im ÖD (tariflich), danach Professur im Beamtenverhältnis.
Typische Bausteine/Ansprüche:
- DRV: Gesetzliche Rentenansprüche aus Pflichtbeiträgen.
- VBL: Je nach Dauer/Art der Zusatzversorgung ein beitragsfrei fortbestehender Anspruch oder ein geringer Anspruch (Wartezeiten relevant).
- Versorgung: Beamtenversorgung aus ruhegehaltfähigen Zeiten und Bezügen.
- Private Bausteine: Depot/Rentenversicherung/Basisrente je nach Strategie.
Was hier entscheidend ist: Sie brauchen Klarheit über drei Dokumente: DRV-Übersicht, VBL-Standmitteilung und Versorgungsauskunft. Erst dann lässt sich beurteilen, ob und wie § 68 LBeamtVG NRW (Höchstgrenze) praktisch wirkt.
Sparrate-Spanne: Häufig bietet sich an, zunächst den langfristigen Vermögensaufbau zu priorisieren (Depot oder strukturierter Baustein) und parallel die Vorzeiten zu dokumentieren. Danach folgt Feinsteuerung (Basisrente/weitere Bausteine) anhand des Steuerprofils und des gewünschten Entnahmeplans.
Hauptrisiken: Fehlende Kontenklärung, falsche Annahmen („Rente kommt einfach on top“), sowie Planen mit Nebeneinkünften, die im Ruhestand nicht sicher sind.
7) Entscheidungsbaum: Wenn Sie X sind, priorisieren Sie Y (pragmatisch)
Altersvorsorge für Professoren – Prioritäten in 5 Schritten
- Wenn Ihre Vorzeiten unklar sind (ÖD/DRV/VBL, Ausland, Stipendien): Priorisieren Sie Dokumente vor Produkten (DRV-Konto, VBL-Stand, Versorgungsauskunft).
- Wenn Sie mehrere Kinder haben und Cashflow schwankt: Priorisieren Sie Notgroschen + flexible Bausteine (Depot, anpassbare Sparrate) vor starren Verpflichtungen.
- Wenn Nebeneinkünfte hoch sind: Priorisieren Sie eine stabile Basisrate und nutzen Sie Nebeneinkünfte als planbare Sonderzahlungen (statt dauerhafte Lifestyle-Fixkosten aufzubauen).
- Wenn Steuersatz hoch und Einkommen stabil: Prüfen Sie Basisrente/Rürup als Ergänzung – aber nur, wenn Flexibilität nicht Ihr Engpass ist.
- Wenn PKV-Beitrag im Ruhestand kritisch wirkt: Priorisieren Sie einen Ruhestands-Cashflow-Plan (inkl. PKV) und strukturieren Sie Entnahmen so, dass die ersten Jahre nicht zu eng werden.
8) Checkliste „In 30 Minuten Klarheit“: Unterlagen und Zahlen, die Sie wirklich brauchen
Ihre 30-Minuten-Checkliste für Altersvorsorge Professoren NRW
- Bezügemitteilung (aktuell) + Überblick über variable Bestandteile (Leistungsbezüge, Zulagen)
- Übersicht Nebeneinkünfte (Durchschnitt der letzten 12 Monate, zusätzlich „schwaches Jahr“-Szenario)
- Versorgungsauskunft (LBV NRW/Versorgungsstelle) – ideal mit zwei Ruhestandszeitpunkten
- DRV: Renteninformation/Kontoauszug, ggf. Status Kontenklärung
- VBL: Standmitteilung/Übersicht „Tarifbeschäftigung → Verbeamtung“
- PKV: aktueller Beitrag, Selbstbehalt, Entlastungstarife (falls vorhanden), grobe Projektion/Erfahrung der Beitragsentwicklung
- Steuer: letzter Einkommensteuerbescheid (für Grenzsteuersatz/Planung)
- Immobilie (falls vorhanden): Restschuld, Zinsbindung, Tilgung, Instandhaltungsrücklage
- Familie: Kinder (Alter, voraussichtliche Studienphase), Kindergeldstatus/Zeithorizont
Ergebnis: Sie können Ihre Versorgungslücke in Euro pro Monat beziffern und entscheiden, welche Bausteine realistisch und nötig sind.
9) Häufige Fehler bei der Altersvorsorge für Professoren (mindestens 10)
- Nebeneinkünfte als Fixum einzuplanen und dadurch Fixkosten zu erhöhen.
- DRV/VBL zu ignorieren („wird schon nichts sein“) statt es sauber zu dokumentieren.
- Höchstgrenze nicht zu kennen und Renten „voll addiert“ zu erwarten (§ 68 LBeamtVG NRW).
- Keine Versorgungsauskunft zu haben, aber mit Prozentwerten zu planen.
- PKV netto zu unterschätzen (Beitrag bleibt, Netto sinkt, Ausgaben verschieben sich).
- Familienphasen falsch zu timen: Studium/Startkosten der Kinder werden zu spät eingeplant.
- Notgroschen zu klein zu halten und dadurch Vorsorge in Krisen aufzulösen.
- Immobilienkosten zu romantisieren (Sanierung, Instandhaltung, Zinsbindung, Klumpenrisiko).
- Scheidung/Versorgungsausgleich auszublenden – obwohl er die gesamte Planung drehen kann.
- Weiterarbeit falsch einzupreisen: Zuverdienst wird als sicher angenommen, ohne Ruhenslogik zu prüfen (§ 66 LBeamtVG NRW).
- Internationalität zu spät zu dokumentieren: Nachweise fehlen, Konten sind unklar, Ansprüche werden nicht konsolidiert.
- Zu wenige Szenarien: Es wird nur „best case“ geplant, nicht „realistisch“ und „konservativ“.
10) FAQ – Altersvorsorge für Professoren in NRW (Accordion)
Ich war vorher wissenschaftlicher Mitarbeiter im öffentlichen Dienst – bekomme ich später zusätzlich eine gesetzliche Rente?
Häufig ja, sofern Pflichtbeiträge zur DRV gezahlt wurden und die Voraussetzungen (insbesondere Wartezeiten) erfüllt sind. Diese Ansprüche verschwinden durch Verbeamtung typischerweise nicht, sondern bleiben dem Rentenkonto zugeordnet. Entscheidend ist die Kontenklärung und die aktuelle Renteninformation.
Wird die gesetzliche Rente auf meine Pension angerechnet?
In NRW kann beim Zusammentreffen von Versorgungsbezügen und Renten eine Ruhens-/Höchstgrenzenregel greifen (maßgeblich § 68 LBeamtVG NRW). Praktisch wird dabei geprüft, ob Versorgungsbezüge wegen Überschreitung einer Höchstgrenze teilweise ruhen. Wie stark das wirkt, hängt vom Einzelfall und der individuellen Berechnung der Versorgungsstelle ab.
Was ist mit VBL – bleibt das bestehen, wenn ich verbeamtet bin?
In vielen Fällen bleibt eine bis dahin erworbene Anwartschaft bestehen und wird später als Zusatzrente gezahlt, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Ob es Wartezeiten gibt und wie hoch der Anspruch ist, zeigt Ihre Standmitteilung. Wichtig: VBL kann im Kontext der Höchstgrenze als „Rente“ mitkoordiniert werden.
Wie plane ich Nebeneinkünfte realistisch in der Altersvorsorge?
Nutzen Sie Nebeneinkünfte nicht als Fundament Ihrer Fixkosten. Sinnvoll ist eine Basis-Sparrate, die ohne Nebeneinkünfte tragfähig bleibt, und zusätzliche Sonderzahlungen als „Turbo“. Planen Sie außerdem in Szenarien: konservativ, realistisch, optimistisch – und bewerten Sie, was im Ruhestand realistisch fortbesteht.
Warum wirkt die PKV im Ruhestand häufig „teurer“, obwohl Beihilfe hilft?
Weil sich das Verhältnis verschiebt: Die Versorgung ist netto oft niedriger als das aktive Einkommen, während die PKV als Kostenblock weiterläuft. Dadurch wird derselbe Beitrag subjektiv und objektiv spürbarer. Eine gute Planung arbeitet deshalb mit einem Ruhestandsbudget inkl. PKV, Selbstbehalten, Liquiditätsreserve und Entnahmestrategie.
Wie wichtig ist eine Versorgungsauskunft – reicht nicht „Pension ungefähr“?
Für eine seriöse Altersvorsorge für Professoren reicht „ungefähr“ selten. Die Versorgungsauskunft liefert eine belastbare Prognose Ihrer Versorgungsbezüge. Erst damit können Sie Ihre Lücke in Euro pro Monat berechnen und Bausteine sinnvoll dimensionieren.
Kann Weiterarbeit nach der Altersgrenze meine Pension kürzen?
Erwerbseinkommen neben Versorgungsbezügen kann zu Ruhen/Kürzungen führen, wenn Höchstgrenzen überschritten werden (NRW: § 66 LBeamtVG NRW). Welche Einkommensarten anrechenbar sind, ist im Detail geregelt. Deshalb lohnt sich eine Vorprüfung, bevor Sie eine Tätigkeit verbindlich einplanen.
Ich habe mehrere Kinder – gibt es im Ruhestand noch familienbezogene Zahlungen?
Unter bestimmten Voraussetzungen können kinderbezogene Bestandteile weiter relevant sein, häufig in Verbindung mit Kindergeldberechtigung. Das ist kein Automatismus; Nachweise und Zeiträume müssen sauber dokumentiert werden. Für Ihre Planung kann das ein wichtiger Cashflow-Faktor sein, besonders bei mehreren Kindern.
Wie berücksichtige ich die Dienstunfähigkeits-Lücke zusätzlich?
Dienstunfähigkeit ist eine separate Risikodimension: Sie betrifft nicht die Altersvorsorge an sich, kann aber Ihre Gesamtstrategie verändern, weil Einkommen und Versorgung anders verlaufen können als geplant. Wenn dieses Thema bei Ihnen relevant ist, finden Sie eine vertiefende Einordnung hier: Dienstunfähigkeitsversicherung für Professoren.
Was ist, wenn ich Mischlaufbahn und Vorzeiten habe?
Drei Dokumente: (1) DRV-Renteninformation/Kontoauszug (ggf. Kontenklärung), (2) VBL-Standmitteilung, (3) Versorgungsauskunft (LBV NRW/Versorgungsstelle). Danach können Sie Höchstgrenzenlogik, Cashflow und Bausteine sauber in Euro abbilden.
11) Quellen & vertiefende Links
Quellen & vertiefende Links öffnen
- NRW-Recht: § 68 LBeamtVG NRW – Zusammentreffen von Versorgungsbezügen mit Renten (Höchstgrenze/Ruhen)
- Finanzverwaltung NRW / LBV NRW: Merkblatt zu § 68 LBeamtVG NRW (Stand 08/2025)
- NRW-Recht: § 66 LBeamtVG NRW – Ruhen bei Erwerbs-/Erwerbsersatzeinkommen (Hinzuverdienstlogik)
- Finanzverwaltung NRW / LBV NRW: Regelung/Arbeitshilfe zu § 66 LBeamtVG NRW (PDF)
- Finanzverwaltung NRW / LBV NRW: Informationen zur Versorgungsauskunft
- LBV NRW: Online-Antragsverfahren Versorgungsauskunft (Schritte/Zugang)
- LBV NRW: Versorgungsrechner / Versorgungsauskunft – Voraussetzungen und Hinweise
- VBL: „Von der Tarifbeschäftigung in die Verbeamtung“ (FAQ)
- Rheinische Versorgungskassen: Hinzuverdienst im Ruhestand (Einordnung, Bezug auf NRW-Regeln)
- Deutsche Rentenversicherung: Beratung und Kontakt (Kontenklärung, Renteninformation)
- DRV: Allgemeine Informationen zur Rente (Ansprüche, Verfahren, Grundlagen)
- Verwaltungsvorschriften im Internet: Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Beamtenversorgungsgesetz (Bund) – Einordnungstexte (als Hintergrund)
Hinweis: Für Ihre konkrete Planung sind individuelle Bescheide/Unterlagen maßgeblich (Versorgungsauskunft, DRV-Konto, VBL-Standmitteilung). Gesetzestexte und Merkblätter erklären die Logik, ersetzen aber nicht die Einzelfallberechnung.