Raucher oder Nichtraucher bei Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung

Fachdossier · Risikoleben & Berufsunfähigkeit

Raucher oder Nichtraucher bei RLV und BU: Was wirklich zählt

Eine einzelne Zigarre an Silvester, ein paar Zigaretten auf Partys, eine nikotinfreie E-Zigarette oder Cannabis können je nach Versicherer völlig unterschiedlich bewertet werden. Entscheidend sind nicht Selbstbild oder Alltagsverständnis, sondern die konkrete Antragsfrage, die Nichtraucherdefinition und die Versicherungsbedingungen.

1 Ereigniskann bei einer Null-Konsum-Definition bereits reichen
12 / 24 / 36 Monatesind am Markt ebenso zu finden wie 10-Jahres-Stufen
RLV: oft sehr großer PreishebelRaucherbeiträge können ein Mehrfaches des Nichtraucherbeitrags betragen
Nach Vertragsschlussbesteht nicht bei jedem Tarif eine Meldepflicht
Direkte Antwort: Es gibt keine allgemeingültige Versicherungsdefinition von „Raucher“. Manche Anträge knüpfen an jede Form des Rauchens oder Dampfens an, andere ausdrücklich an Nikotinaufnahme. Einige verlangen 12 Monate ohne Konsum, andere 24 oder 36 Monate; zahlreiche RLV-Tarife unterscheiden zusätzlich zwischen einem und zehn Jahren. Deshalb kann eine einzelne Zigarre innerhalb des Abfragezeitraums bei einem Versicherer zwingend zum Rauchertarif führen, während eine nikotinfreie E-Zigarette bei einem rein nikotinbezogenen Wortlaut anders zu beurteilen sein kann.

Kapitel 1

„Ich rauche doch eigentlich nicht“ – warum das im Antrag nicht genügt

Reicht eine einzige Zigarette oder Zigarre?

Sehr häufig: ja. Viele Nichtraucherdefinitionen kennen keine unschädliche Mindestmenge. Gefragt wird nicht, ob jemand sich im Alltag als Raucher empfindet, sondern ob innerhalb eines bestimmten Zeitraums geraucht, gedampft oder Nikotin aufgenommen wurde. Ist der Wortlaut als Null-Konsum-Regel formuliert, kann bereits ein einzelnes Ereignis den Nichtraucherstatus ausschließen.

Silvesterzigarre vor drei MonatenBei vielen 12-Monats-Definitionen fällt die versicherte Person damit nicht mehr in die Nichtraucherklasse. Besonders eindeutig sind Anträge, die „auch einmalig“ formulieren.
Ein paar Zigaretten auf Partys„Nur gelegentlich“ schafft regelmäßig keine eigene Tarifklasse. Wenn im Rückschauzeitraum überhaupt nicht geraucht werden darf, ist Gelegenheitskonsum relevant.
Eine Woche Rauchen im UrlaubLiegt die Woche im abgefragten Zeitraum, ist eine Null-Konsum-Nichtraucherdefinition nicht erfüllt.
Eine Zigarre vor zwei JahrenKann für eine 12-Monats-Klasse unschädlich sein, aber eine 10-Jahres-Nichtraucherklasse weiterhin ausschließen.

Die aktuelle BU-Praxis zeigt die Bandbreite besonders gut: HDI und Baloise fragen in ihren aktuellen Anträgen ausdrücklich nach Konsum innerhalb der letzten zwölf Monate „auch einmalig“. Die Hannoversche unterscheidet dagegen zwischen mindestens zwölf Monaten und mindestens zehn Jahren Nichtraucherstatus. Bei der Gothaer wird in aktuellen RLV-Unterlagen sogar ein 36-Monats-Zeitraum verwendet.

Wichtig: Die Frage „Sind Sie Raucher?“ darf nicht aus dem Bauch beantwortet werden. Maßgeblich ist der erläuternde Text unmittelbar im Antrag oder in der zugehörigen Nichtrauchererklärung.

Kapitel 2

E-Zigarette, Vape, Shisha, Snus und Nikotinersatz

Nikotinfreie E-Zigarette: Raucher oder Nichtraucher?

Hier zeigt sich, warum der Wortlaut entscheidend ist. Knüpft ein Versicherer ausdrücklich an die Aufnahme oder den Konsum von Nikotin an, spricht der Wortlaut dafür, dass eine tatsächlich nikotinfreie E-Zigarette die Nichtraucherdefinition nicht verletzt. Fragt der Versicherer dagegen nach „Rauchen oder Dampfen“, nach der Benutzung elektronischer Verdampfer oder sogar ausdrücklich nach nikotinfreiem Dampfen, ist die Vape trotz fehlenden Nikotins relevant.

FormulierungTypische Einordnung nikotinfreie VapePraxis
„Nikotin aufgenommen / konsumiert“eher kein Raucher, wenn tatsächlich nikotinfreiz. B. aktuelle Wortlaute bei AXA, SIGNAL IDUNA oder die Bayerische
„geraucht oder gedampft“regelmäßig anzugebenz. B. Baloise; Grenzfälle bei unklarer Produktbezeichnung besser schriftlich klären
„elektrische Verdampfer / E-Zigaretten“ ohne Nikotineinschränkungregelmäßig anzugebenz. B. device-basierte Definitionen
ausdrücklich „nikotinhaltig oder nikotinfrei“eindeutig relevantz. B. Gothaer SBU und Dialog-RLV-Klauseln

Auch Nikotinersatzprodukte sind nicht einheitlich behandelt. Einige Anträge nennen Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummi ausdrücklich. Das wirkt auf Verbraucher zunächst überraschend, ist aber logisch, wenn der Tarif nicht an das Verbrennen von Tabak, sondern an Nikotinkonsum anknüpft.

Cannabis: zwei Fragen statt einer

Cannabis sollte im Antrag immer auf zwei getrennten Ebenen geprüft werden: Erstens kann die Konsumform den Raucherstatus beeinflussen. Zweitens kann der Antrag unabhängig davon nach Drogen, Cannabis, Betäubungsmitteln, Medikamenten oder entsprechender Beratung und Behandlung fragen.

BeispielRaucherfrageCannabis-/Drogenfrage
Joint mit Tabakkann Nikotin-/Raucherfrage auslösenbei eigenständiger Cannabisfrage zusätzlich anzugeben
purer Joint ohne Tabakgesellschaftsabhängig; bei nikotinbezogener Definition nicht automatisch Raucherbei Konsumfrage regelmäßig relevant
THC-Vape ohne Nikotinbei „Dampfen auch nikotinfrei“ relevant, bei reiner Nikotinfrage nicht automatischje nach Drogenfrage relevant
Edible / Gummibärchentypischerweise keine Raucherfragekann trotzdem Drogen-/Cannabisfrage auslösen
medizinisches Cannabisabhängig von Applikationsformkann trotz ärztlicher Verordnung anzugeben sein; zusätzlich Diagnose-/Medikamentenfragen prüfen

Die Unterschiede sind erheblich. Der aktuelle Volkswohl-Bund-BU-Antrag fragt Drogen wie Cannabis über fünf Jahre ab und erfasst den Konsum ausdrücklich auch mit oder ohne ärztliche Verordnung. Die Bayerische fragt in der geprüften BU-Version sogar zehn Jahre nach Drogen und nennt Cannabisprodukte ausdrücklich. Hannoversche und SIGNAL IDUNA erfassen den reinen Drogenkonsum über fünf Jahre. Bei AXA und HDI sind die von uns geprüften BU-Fragen enger und knüpfen im Drogenbereich an Beratung, Behandlung oder Suchterkrankung an.

Praxisregel: Ein Joint kann für die Raucherfrage irrelevant, für die Gesundheitsprüfung aber trotzdem relevant sein – oder beide Fragen gleichzeitig auslösen.

Kapitel 3

Wie unterschiedlich Versicherer Nichtraucher definieren

12 Monate sind verbreitet – aber keineswegs die einzige Regel

Die Softfair-Schnittstelle kennt technisch die Klassen „Nichtraucher seit 1 Jahr“, „Nichtraucher seit 10 Jahren“ und „Raucher“. Diese drei Werte sind jedoch nur eine Berechnungslogik. Sie ersetzen nicht die jeweilige Produktdefinition. In den Originalunterlagen finden sich 12-, 24- und 36-Monats-Zeiträume sowie 10-Jahres-Klassen und unterschiedliche Produktkataloge.

BeispielGeprüfte LogikBesonderheit
Allianz RLVNR 12 Monate / NR 10 Jahre / Raucherbreite Produktdefinition; späterer Rauchbeginn meldepflichtig
Hannoversche RLVNR 12 Monate / NR 10 Jahre / RaucherNachprüfungsrecht, medizinischer Nachweis möglich
LV 1871 RLVNR 12 Monate / NR 10 Jahre / Raucherspäterer Rauchbeginn als Gefahrerhöhung; Rückwechsel möglich
HanseMerkur RLV/BUin geprüften Unterlagen 24 Monatedeutlich längerer Nichtraucherzeitraum
Gothaer RLVin aktuellem Antrag 36-Monats-Fragenikotinfreies Dampfen ausdrücklich erfasst
NovemberLife RLV12 Monate / 10 JahreWechselrechte; in geprüften AVB keine aktive Rauchbeginn-Meldepflicht gefunden

Für den Kunden ist deshalb nicht nur die Frage „Raucher oder Nichtraucher?“ wichtig, sondern auch: Welche Nichtraucherklasse wird verwendet, welcher Zeitraum gilt und welche Produkte oder Konsumformen zählen?

Kapitel 4

Was Rauchen kostet: kontrollierte Softfair-Vergleiche

Risikolebensversicherung: Rauchen kann den Beitrag vervielfachen

Für die Preiswirkung wurde ein kontrolliertes Modell gerechnet: Jahrgang 1986, Bankkaufmann, 300.000 Euro konstante Todesfallleistung, 25 Jahre Laufzeit, monatliche Zahlweise. Verglichen wurden identische Tarife mit den Softfair-Statuswerten NR10, NR1 und Raucher. Die Zahlen sind kein „Marktmedian“, sondern ein reproduzierbarer Exact-Match-Vergleich ausgewählter Tarife.

TarifNR10NR1Raucher
Allianz DLV26,94 €34,91 €122,94 €
Hannoversche T1 Basis26,20 €34,71 €76,91 €
Baloise RKS28,20 €39,90 €82,93 €
LV 1871 RLV-Kompakt25,31 €29,68 €74,91 €
Dialog Classic25,82 €37,20 €72,23 €
SIGNAL IDUNA RIV36,46 €53,12 €108,53 €
InterRisk TR37,85 €10,26 €15,00 €
Gothaer RLV Basis35,40 €35,40 €98,40 €
Zurich Komfort47,79 €47,79 €148,48 €
Canada Life komfort46,60 €46,60 €111,70 €

Im ausgewählten Exact-Match-Panel lag der Median des Raucherbeitrags gegenüber NR1 rund 149 Prozent höher. Gegenüber NR10 lag der Median rund 180 Prozent höher. Die Streuung war sehr groß. Gerade bei der RLV ist der Raucherstatus deshalb häufig einer der stärksten Preisfaktoren.

Berufsunfähigkeitsversicherung: kleinerer, aber klar messbarer Effekt

Im kontrollierten BU-Modell mit 2.000 Euro Monatsrente bis Endalter 67 war der Unterschied zwischen NR1 und NR10 in den geprüften gematchten Varianten praktisch nicht sichtbar. Der Raucherstatus dagegen erhöhte den Beitrag in 23 von 24 ausgewählten Gesellschaftsvarianten. Der Median des Raucheraufschlags lag in diesem Panel bei rund 18 Prozent; die Spanne reichte von 0 bis rund 27 Prozent.

Beispiele: Dialog etwa +18 Prozent, Hannoversche +9 Prozent, Gothaer +27 Prozent, SIGNAL IDUNA +19 Prozent, Baloise +27 Prozent, Allianz +14 Prozent, HDI +18 Prozent, Swiss Life +19 Prozent und AXA knapp +20 Prozent. Diese Werte sind modellbezogen und keine Garantie für andere Alter, Berufe, Rentenhöhen oder Tarifstände.

Kapitel 5

Was passiert, wenn man nach Vertragsabschluss anfängt zu rauchen?

Späterer Rauchbeginn ist nicht automatisch meldepflichtig

Das ist eine der wichtigsten Abgrenzungen des gesamten Themas. Eine vorvertragliche Frage muss wahrheitsgemäß beantwortet werden. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede spätere Änderung lebenslang nachgemeldet werden muss. In der Lebensversicherung ist eine spätere Gefahränderung nur insoweit relevant, wie sie vertraglich entsprechend vereinbart wurde. Bei BU-Verträgen gilt diese Logik über die gesetzlichen Verweisungen grundsätzlich ebenfalls, wobei die konkrete Ausgestaltung des BU-Vertrags zu beachten ist.

ModellWas passiert?Beispiele aus der Recherche
aktive MeldepflichtRauchbeginn muss unverzüglich angezeigt werden; Beitrag oder Versicherungssumme werden angepasstu. a. Allianz, Hannoversche, LV 1871, InterRisk, SIGNAL IDUNA, Baloise
Nachfragerechtkeine ständige Eigenmeldung, aber Versicherer darf Status abfragen und dann anpassenz. B. Gothaer Plus/Premium in geprüfter RLV-Systematik
keine aktive Rauchbeginn-Meldepflichtspäterer Rauchbeginn ändert den bestehenden Vertrag nicht automatischz. B. Canada Life, Zurich; NovemberLife im geprüften AVB-Stand ohne ausdrückliche Meldepflicht

Auch der Rückweg ist unterschiedlich. Manche Versicherer erlauben nach zwölf rauchfreien Monaten eine günstigere Einstufung, teilweise ohne neue Gesundheitsfragen, teilweise nur mit Nikotintest oder erneuter Risikoprüfung. Andere sehen keinen vertraglichen Wechsel vor.

Kapitel 6

Was passiert bei falscher Angabe oder unterlassener Nachmeldung?

Die Folgen unterscheiden sich erheblich

Hier müssen zwei Situationen getrennt werden. Wer beim Antrag eine in Textform gestellte gefahrerhebliche Frage falsch beantwortet, bewegt sich im System der vorvertraglichen Anzeigepflicht nach §§ 19 ff. VVG; bei Arglist bleibt die Anfechtung nach § 22 VVG möglich. Wer dagegen erst später mit dem Rauchen beginnt, kann nur eine vertragliche Nachmeldepflicht verletzen, wenn der Tarif eine solche Pflicht vorsieht.

Keine Automatik: Eine falsche Raucherangabe bedeutet nicht in jedem Fall automatisch vollständige Leistungsfreiheit. Verschulden, die Frage, ob der Versicherer den Vertrag zu anderen Bedingungen angenommen hätte, Kausalität und eine mögliche Arglistprüfung sind getrennt zu untersuchen.
Versicherer / TarifbeispielGeprüfte Rechtsfolge bei späterem Rauchbeginn bzw. Nichtmeldung
Allianz RLVbei ordnungsgemäßer Meldung rückwirkende Umstellung auf höheren Beitrag möglich; bei vorsätzlichem Verstoß sieht die geprüfte Klausel unter bestimmten Voraussetzungen eine Beschränkung auf ein Drittel der vereinbarten Todesfallsumme vor
DELA aktiv Lebengeprüfte Klausel: Kenntnis von erneutem Nikotinkonsum kann zu 50 Prozent der Todesfallleistung führen; Unfalltod ist abweichend geregelt
LV 1871 RLVbei vorsätzlicher nicht gemeldeter Gefahrerhöhung kann die Leistung besonders stark sinken: Ausgangspunkt ist zunächst die bei korrekter Meldung und gleichem Beitrag verbleibende Rauchersumme; davon sieht die geprüfte Vorsatzregel nochmals eine Kürzung vor
InterRiskgeprüfte Klausel rechnet auf die Versicherungssumme zurück, die dem Verhältnis von erforderlichem zu gezahltem Beitrag entspricht; Arglistanfechtung bleibt vorbehalten
Württembergischein der geprüften Klausel kann bei vorsätzlich nicht gemeldeter Gefahrerhöhung unter den vertraglichen Voraussetzungen nur ein Viertel der garantierten Todesfallleistung verbleiben
SIGNAL IDUNAin der geprüften Klausel kann bei vorsätzlicher Nichtmeldung unter weiteren Voraussetzungen auf ein Drittel der Todesfallleistung reduziert werden
Gothaer BasisReduktion auf die Versicherungssumme, die bei gleichem Beitrag im Rauchertarif versichert gewesen wäre
Baloiserückwirkende Beitragsanpassung; bei Vorsatz Reduktion auf Rauchersumme, bei grober Fahrlässigkeit verschuldensabhängige Kürzung

Gerade deshalb reicht es nicht, nur den Rauchzuschlag zu vergleichen. Die Bedingung, was bei einer späteren Statusänderung passiert, kann wirtschaftlich mindestens genauso wichtig sein wie der Beitrag selbst.

Kapitel 7

Wie kann der Versicherer Rauchen oder Nikotinkonsum feststellen?

Nachprüfung vor und nach dem Leistungsfall

Versicherer haben unterschiedliche Kontrollrechte. Manche dürfen den Nichtraucherstatus während der Vertragslaufzeit erneut abfragen oder medizinisch überprüfen lassen. Andere verzichten ausdrücklich auf Routineprüfungen und kontrollieren erst im Leistungsfall. Auch ein Wechsel vom Raucher- in den Nichtrauchertarif kann von einem Nikotin- bzw. Cotinintest abhängig gemacht werden.

AntragsprüfungJe nach Versicherungssumme, Produkt und Gesellschaft können ärztliche Untersuchungen oder Nichtrauchertests verlangt werden.
Laufende NachprüfungEinzelne Bedingungen erlauben regelmäßige Auskünfte oder medizinische Nachweise; andere Tarife verzichten darauf.
LeistungsprüfungIm Todes- oder BU-Leistungsfall können Angaben aus Antrag, ärztlichen Unterlagen und weiteren erforderlichen Nachweisen abgeglichen werden.
CotininCotinin ist ein Nikotinabbauprodukt und eignet sich vor allem als Marker für jüngere Nikotinexposition. Eine einzelne Zigarre Monate zuvor lässt sich damit nicht zuverlässig wie mit einer Zeitmaschine nachweisen.

Gesundheitsdaten dürfen Versicherer nicht beliebig einsammeln. Für die Risikoprüfung und Leistungsprüfung gelten insbesondere die datenschutz- und versicherungsvertragsrechtlichen Voraussetzungen; erforderliche Gesundheitsdaten werden typischerweise auf Basis entsprechender Einwilligungen erhoben.

Wird nach einem RLV-Todesfall automatisch obduziert?

Nein. Der Tod einer Person mit Risikolebensversicherung löst nicht automatisch eine Obduktion aus. Üblicherweise werden zunächst Sterbeurkunde und ärztliche oder behördliche Unterlagen zur Todesursache verlangt; je nach Fall kann der Versicherer weitere Nachweise anfordern. Eine strafprozessuale Obduktion bei unklaren oder verdächtigen Todesumständen ist ein davon unabhängiger staatlicher Vorgang. Einzelne Zusatzdeckungen, etwa Unfalltod-Bausteine, können darüber hinaus besondere vertragliche Untersuchungsrechte vorsehen.

Kapitel 8

Praxisfälle: so sollte die Prüfung ablaufen

Vier typische Konstellationen

Konstruiertes Beispiel 1: die SilvesterzigarreEin Kunde hat vor drei Monaten eine Zigarre geraucht und sonst seit Jahren nicht. Bei einer 12-Monats-Null-Konsum-Definition oder einer Frage „auch einmalig“ ist er nicht als Nichtraucher einzuordnen. Bei einer engeren Frage nur nach Zigaretten oder einer speziellen nachvertraglichen Häufigkeitsdefinition kann das Ergebnis anders sein.
Konstruiertes Beispiel 2: nikotinfreie VapeBei einer reinen Nikotinfrage kann eine tatsächlich nikotinfreie E-Zigarette außerhalb der Definition liegen. Bei „Rauchen oder Dampfen“ oder ausdrücklicher Erfassung nikotinfreien Dampfens ist sie anzugeben.
Konstruiertes Beispiel 3: ein Joint ohne TabakEine nikotinbezogene Raucherfrage muss dadurch nicht zwingend ausgelöst werden. Eine separate Cannabis-/Drogenfrage kann dennoch eindeutig mit „Ja“ zu beantworten sein.
Konstruiertes Beispiel 4: nach Vertragsbeginn gelegentlich angefangenJetzt entscheidet nicht mehr die ursprüngliche Antragsfrage allein. Zu prüfen ist, ob der konkrete Tarif späteren Rauchbeginn als Gefahrerhöhung definiert, eine aktive Meldung verlangt, nur ein Nachfragerecht vorsieht oder bewusst auf eine Meldung verzichtet.

Die Prüflogik vor Antragstellung

Was wurde konsumiert?
Zigarette, Zigarre, Shisha, Vape, Snus, Nikotinersatz, Cannabis oder anderes Produkt sauber trennen.
Wann war der letzte Konsum?
12 Monate, 24 Monate, 36 Monate und 10 Jahre können unterschiedlich relevant sein.
Wie lautet die konkrete Frage?
„Rauchen“, „Dampfen“, „Nikotin“, „Tabakprodukte“ und „auch einmalig“ sind nicht dasselbe.
Gibt es eine separate Drogenfrage?
Insbesondere bei Cannabis nie nur den Raucherstatus prüfen.
Was passiert später?
Meldepflicht, Nachfragerecht, Beitragsanpassung und Wechselrechte gehören in den Tarifvergleich.
Bei Unklarheit schriftlich klären
Nicht interpretieren, sondern die konkrete Konstellation vor Antragstellung in Textform beim Versicherer klären.

Kapitel 9

Häufige Irrtümer

Was häufig falsch verstanden wird

„Ich bin kein Raucher, ich rauche nur auf Partys.“Das Selbstbild ist unerheblich, wenn die Definition jeden Konsum im Rückschauzeitraum erfasst.
„Ohne Nikotin ist eine E-Zigarette immer egal.“Nein. Das hängt davon ab, ob die Klausel Nikotin oder das Dampfen selbst zum Maßstab macht.
„Wenn ich später anfange, muss ich es immer melden.“Nein. Die nachvertragliche Meldepflicht ist tarifabhängig.
„Falsche Raucherangabe = automatisch keine Leistung.“Zu pauschal. Rechtsfolge, Verschulden, Kausalität und Vertragswortlaut müssen getrennt geprüft werden.

Raucherstatus vor dem Antrag konkret prüfen

Wenn Zigarre, Gelegenheitsrauchen, Vape, Nikotinersatz oder Cannabis im Raum stehen, sollte nicht pauschal geraten werden. Sinnvoll ist die Prüfung der konkreten Antragsfrage und – bei Zweifeln – eine schriftliche Vorabklärung oder Risikovoranfrage.

Frage oder Beratung anfragen

Kapitel 10

Häufige Fragen

Bin ich Raucher, wenn ich nur einmal eine Zigarre geraucht habe?

Bei vielen Tarifen ja, sofern der Rückschauzeitraum noch läuft und die Definition jeden Konsum erfasst. Besonders eindeutig sind Formulierungen wie „auch einmalig“. Der konkrete Antrag ist entscheidend.

Zählt eine E-Zigarette ohne Nikotin?

Nicht immer. Bei reiner Nikotinaufnahme kann sie außerhalb der Definition liegen. Fragt der Versicherer aber nach Dampfen oder elektronischen Verdampfern unabhängig vom Nikotingehalt, ist sie relevant.

Was ist mit Shisha oder Snus?

Viele aktuelle Definitionen nennen Shisha, Schnupf-, Kau- oder Oraltabak ausdrücklich. Ob Nikotinbeutel, Snus oder andere Produkte erfasst sind, muss am konkreten Wortlaut geprüft werden.

Muss ich Cannabis angeben?

Das hängt vom Antrag ab. Viele BU-Anträge fragen separat nach Drogen oder Cannabis. Gerauchtes Cannabis kann zusätzlich die Raucherfrage auslösen, insbesondere bei Definitionen, die Rauchen oder Dampfen unabhängig von Nikotin erfassen.

Muss ich melden, wenn ich nach Vertragsabschluss anfange zu rauchen?

Nicht automatisch. Einige RLV-Bedingungen verlangen eine unverzügliche Meldung, andere sehen nur Nachfragerechte vor oder verzichten auf eine aktive Meldung. Der konkrete Tarif entscheidet.

Kann ich später wieder in den Nichtrauchertarif wechseln?

Teilweise. Manche Tarife erlauben nach einer rauchfreien Mindestzeit den Wechsel, teils ohne neue Gesundheitsfragen, teils mit Nikotintest oder erneuter Risikoprüfung. Andere sehen kein Wechselrecht vor.

Wie findet ein Versicherer falsche Angaben heraus?

Mögliche Quellen sind Antragsunterlagen, medizinische Untersuchungen, zulässige Nachprüfungen, ärztliche Unterlagen und die Leistungsprüfung. Cotinin kann jüngere Nikotinexposition anzeigen, ist aber kein zuverlässiger Nachweis eines einmaligen Konsums Monate zuvor.

Wird bei einer Risikolebensversicherung nach dem Tod automatisch obduziert?

Nein. Eine RLV führt nicht automatisch zu einer Obduktion. Üblicherweise werden Sterbeurkunde und Unterlagen zur Todesursache verlangt. Staatliche Obduktionen bei unklaren Todesfällen und besondere vertragliche Rechte in Zusatzbausteinen sind davon zu trennen.

Quellen und Stand

Stand der Recherche: 22.08.2026. Ausgewertet wurden aktuelle Originalanträge und Versicherungsbedingungen aus Softfair PROD sowie ergänzend der ASCORE-Datenstand. Bei Abweichungen wurde der aktuelle Originalantrag bzw. das aktuelle Bedingungswerk höher gewichtet als ein Vergleichskriterium.

Unter anderem geprüft: Allianz Risikoleben, Hannoversche Risikoleben und SBU, LV 1871 Risikoleben, Dialog RISK-vario, Gothaer Risikoleben und SBU, Baloise Risiko-/BU-Unterlagen, SIGNAL IDUNA Risiko-/BU-Unterlagen, InterRisk Risiko-LV, HanseMerkur Risiko/BU, DELA aktiv Leben, Canada Life Risikoleben, Zurich Risikoleben, NovemberLife, Delta Direkt, EUROPA, WWK, HDI Risiko/BU, Volkswohl Bund BU, AXA BU, die Bayerische BU und uniVersa BU. Rechtsgrundlagen: insbesondere §§ 19, 21, 22, 31, 158, 176 und 213 VVG sowie § 87 StPO.

Preisbeispiele beruhen auf kontrollierten Softfair-Modellberechnungen. Sie sind keine individuellen Angebote und kein vollständiger Marktmedian.

Passende Vertiefungen

Risikolebensversicherung: Grundlagen, Versicherungssumme und Laufzeit
Berufsunfähigkeitsversicherung: Ratgeber und Beratung
Risikovoranfrage vor dem Antrag