Versicherungen für Selbstständige und Unternehmer

Versicherungen für Selbstständige und Unternehmer: Wenn Sie ausfallen, fällt der Umsatz

Als Selbstständiger sind Sie der Betrieb. Die meisten Gewerbe-Vergleiche sichern Inventar, Haftung und Daten ab und vergessen den teuersten ungedeckten Wert: Ihre Arbeitskraft und die Ihrer Schlüsselpersonen. Dieser Überblick ordnet die Bausteine danach, was Ihren Umsatz bedroht, wenn ein Mensch ausfällt – nicht eine Maschine.

kostenlos & unverbindlich ungebunden – breiter Marktüberblick § 34d GewO, Register D-6LQ8-VHMG3-85 alle Sparten aus einer Hand

Kurz erklärt: Als Selbstständiger oder Unternehmer sind Sie der Betrieb – fällt Ihre Arbeitskraft aus, fällt der Umsatz, ohne Lohnfortzahlung und ohne nennenswerte gesetzliche Absicherung. Die vier zentralen Bausteine sind das Krankentagegeld für die vorübergehende Krankheit, die Berufsunfähigkeitsversicherung für den Dauerfall, die Absicherung von Schlüsselpersonen und Mitgesellschaftern sowie die D&O-Versicherung für die persönliche Geschäftsführerhaftung. Das gesetzliche Krankengeld genügt als Maßstab nicht: Es ist bei 135,63 € pro Tag gedeckelt (Stand 2026), privat Krankenversicherte erhalten es gar nicht.

Ein Ingenieur führt sein Büro mit zwei Angestellten, die Auftragsbücher sind voll. Dann legt ihn ein Bandscheibenvorfall für drei Monate lahm. Gehälter, Büromiete und die Leasingrate für den Messrechner – Fixkosten von rund 14.000 € im Monat – laufen weiter, der Umsatz nicht. Als Selbstständiger bekommt er keine Lohnfortzahlung, und wenn er privat krankenversichert ist, auch kein gesetzliches Krankengeld. Diese Lücke schließt keine Betriebshaftpflicht und keine Inhaltsversicherung.

Diese Seite behandelt die persönliche Seite der Gewerbeversicherung. Für Freiberufler und Menschen mitten in der Existenzgründung ist sie oft der wichtigere Teil, weil hier das eigene Einkommen auf dem Spiel steht – und dafür gibt es keinen staatlichen Auffangschirm.

Welche Versicherungen für Selbstständige wirklich zählen

Vier Fragen entscheiden über Ihren Bedarf: Wovon leben Sie, wenn Sie länger krank sind? Was passiert, wenn Sie Ihren Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben können? Was kostet es die Firma, wenn eine Schlüsselperson oder ein Mitgesellschafter ausfällt? Und haften Sie als Geschäftsführer persönlich? Danach ist diese Seite gegliedert.

Ihr Risiko Die passende Absicherung
Ich falle als Inhaber vorübergehend krank aus Krankentagegeldversicherung
Ich kann meinen Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige
Eine Schlüsselperson fällt aus, der Firma fehlt Liquidität Keyperson-/Keyman-Versicherung
Ein Mitgesellschafter stirbt, die Erben rücken nach Teilhaberabsicherung (Risikoleben „über Kreuz“)
Ich will Fachkräfte gewinnen und binden Betriebliche Altersvorsorge (bAV) und Krankenversicherung (bKV)
Ich hafte als Geschäftsführer persönlich D&O-Versicherung

Für ausgeprägte Solo-Selbstständige, etwa Influencer und Blogger, ist die eigene Arbeitskraft praktisch das gesamte Betriebskapital. Sobald Angestellte, Mitgesellschafter oder Investoren dazukommen, verschiebt sich das Gewicht auf die betrieblichen Bausteine. Die Reihenfolge hängt von Rechtsform, Mitarbeiterzahl und Branche ab.

Block 1 – Ihre Arbeitskraft: wenn Sie selbst ausfallen

Zwei Risiken, zwei Produkte, die ineinandergreifen müssen: Die vorübergehende Krankheit deckt das Krankentagegeld, die dauerhafte Berufsunfähigkeit die BU. Sie ersetzen einander nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

Die BU zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf wegen Krankheit oder Körperverletzung voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben können. Für Selbstständige ist sie die zentrale Arbeitskraftabsicherung, weil es weder eine Lohnfortzahlung noch eine nennenswerte gesetzliche Erwerbsminderungsrente gibt. Freiberufler in einem berufsständischen Versorgungswerk sind hier keine Ausnahme: Das Versorgungswerk zahlt in der Regel erst bei nahezu vollständiger Invalidität, die Lücke zur 50-Prozent-BU bleibt.

Der für Selbstständige kritischste Punkt im Kleingedruckten ist die Umorganisationsklausel. Statt zu leisten, kann der Versicherer den Betriebsinhaber darauf verweisen, seinen Betrieb zumutbar umzuorganisieren, also Aufgaben zu delegieren oder Personal einzustellen, solange die bisherige Lebensstellung gewahrt bleibt. Gute Tarife für Selbstständige wählen diese Klausel ab und verzichten zusätzlich auf die abstrakte Verweisung. Ohne diese Bausteine kann eine formal bestehende BU im Ernstfall ins Leere laufen.

Die Beiträge hängen stark vom Beruf ab. Als grobe Orientierung, keine Angebote: Für 1.500 € monatliche BU-Rente (Eintritt mit 25, Laufzeit bis 67) liegt ein akademischer Beruf bei rund 50 € im Monat, ein kaufmännischer bei etwa 70 €, körperlich risikoreiche Tätigkeiten deutlich darüber. Für Selbstständige mit höherem Einkommen sind BU-Renten von 2.000 bis 4.000 € im Monat üblich. Die Beiträge stammen aus Beispielrechnungen für Standardberufe und ersetzen keine individuelle Kalkulation.

Vorerkrankungen führen zu Zuschlägen oder Ausschlüssen, sind aber selten ein automatisches Nein. Auch eine zurückliegende Psychotherapie muss den Abschluss nicht verhindern, wie die Detailseite BU trotz Psychotherapie zeigt. Ein häufiger Ratschlag für Gründer: die BU noch als Student oder Angestellter abschließen, solange die Berufsgruppeneinstufung günstig ist und die Umorganisationsproblematik noch nicht greift, und eine Nachversicherungsgarantie für spätere Umsatzsprünge mitnehmen. Typische Beratungsanlässe sind Gründung, Aufnahme eines Gesellschafters, Umsatzwachstum, eine Immobilienfinanzierung und die Familiengründung.

Krankentagegeld ab dem gewünschten Tag

Das Krankentagegeld ersetzt bei vorübergehender, krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit den Verdienstausfall ab einer vereinbarten Karenzzeit. Für Selbstständige und privat Krankenversicherte ist es existenziell, weil kein Lohnfortzahlungsanspruch besteht und die PKV kein Krankengeld kennt. Sie wählen den Tag, ab dem gezahlt wird: ab dem 22. oder 28. Tag als empfohlene Variante, ab dem 43. Tag als günstigste. Das Tagegeld sollte nicht nur den entgangenen Gewinn abdecken, sondern auch die laufenden PKV- und Altersvorsorgebeiträge, die im Krankheitsfall weiterlaufen.

Warum das gesetzliche Krankengeld als Vergleichsmaßstab nicht genügt: Es ist bei 135,63 € pro Tag gedeckelt (Stand 2026), und freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige erhalten es nur mit entsprechendem Wahltarif oder Krankengeldanspruch. Wer privat versichert ist oder mit einem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 € im Jahr (JAEG 2026) in die PKV wechselt, hat gar keinen gesetzlichen Anspruch. Das private Krankentagegeld schließt diese Lücke und ist dabei steuerlich unauffällig: Leistungen aus der PKV sind steuerfrei (§ 3 Nr. 1a EStG) und unterliegen keinem Progressionsvorbehalt, während gesetzliches Krankengeld zwar steuerfrei ist, aber über den Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) den Steuersatz auf Ihr übriges Einkommen erhöht.

Zwei Punkte entscheiden über die Qualität der Absicherung. Erstens muss das Ende der Karenzzeit lückenlos an den Leistungsbeginn der BU anschließen, denn das Krankentagegeld endet mit Feststellung der Berufsunfähigkeit (MB/KT § 15). Zweitens gilt das Bereicherungsverbot (§ 200 VVG): Steigt Ihr Einkommen, passen Sie das Tagegeld an, sonst wird im Leistungsfall gekürzt. Als Orientierung liegen 50 € Tagegeld je nach Alter bei etwa 10 bis 30 € Monatsbeitrag.

Block 2 – Schlüsselpersonen und Mitgesellschafter absichern

Dieser Block hat eine andere Zielrichtung als Block 1: Nicht Ihre private Existenz wird abgesichert, sondern die Firma und die verbleibenden Partner. Wer beides verwechselt, versichert am Bedarf vorbei.

Keyperson-/Keyman-Versicherung: die Schlüsselperson als eigenes Risiko

In vielen Betrieben hängt ein großer Teil des Umsatzes an einer einzigen Person – dem Gründer, dem technischen Kopf, dem Vertriebsanker mit den Kundenbeziehungen. Fällt diese Schlüsselperson aus, ist das ein eigenständiges betriebliches Risiko, das keine private Police der Person abdeckt. Bei der Keyperson- oder Keyman-Versicherung versichert deshalb das Unternehmen selbst den Ausfall, meist den Todesfall, optional schwere Krankheit oder Unfall. Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter ist die Firma; die versicherte Person selbst hat keine Ansprüche.

Die Versicherungssumme verschafft Liquidität, um Umsatzausfall zu überbrücken, Ersatz zu rekrutieren und einzuarbeiten, Projekt- oder Vertragsstrafen abzufangen oder einen an die Person gebundenen Kredit zu bedienen. Sie orientiert sich an den Ausfallkosten und liegt häufig beim Zwei- bis Dreifachen des Jahresgehalts – bei einer Fachkraft mit 90.000 € Jahresgehalt also schnell bei 200.000 bis 270.000 €.

Schadenbeispiel SchlüsselpersonBei einem RWTH-Spin-off fällt der technische Mitgründer nach einem Verkehrsunfall für sechs Monate aus. Ohne ihn stockt die Produktentwicklung, ein Kunde droht mit Rücktritt vom Vertrag, und die geplante Anschlussfinanzierung gerät ins Wanken. Eine Keyman-Deckung über 300.000 € finanziert Interims-Fachkräfte, die Nachrekrutierung und die Überbrückung, bis die Entwicklung wieder läuft. Gerade bei Startups und Spin-offs beruhigt eine solche Deckung auch die Investoren.

Auch für inhabergeführte IT-Dienstleister und SaaS-Teams ist die Keyperson-Deckung relevant, weil das entscheidende Know-how oft an wenigen Köpfen hängt. Steuerlich hängt die Behandlung an der Rechtsform: Bei der Kapitalgesellschaft sind die Beiträge für eine reine Risikoversicherung Betriebsausgabe, die Leistung ist Betriebseinnahme. Bei der Personengesellschaft sind die Beiträge keine Betriebsausgabe, wenn die versicherte Person Mitunternehmer ist. Die Zuordnung sollte mit dem Steuerberater abgestimmt werden.

Teilhaber- und Gesellschafterabsicherung

Stirbt ein Gesellschafter, brauchen die verbleibenden Partner Liquidität, um die Anteile von den Erben zu übernehmen und diese abzufinden. Sonst rücken branchenfremde Erben in die Gesellschaft ein, oder die Abfindungslast stürzt die Firma in eine Liquiditätskrise. Die Versicherungssumme richtet sich nach dem anteiligen Unternehmenswert beziehungsweise der Abfindungshöhe laut Gesellschaftsvertrag.

Auf die Konstruktion kommt es an. Versichert sich jeder Gesellschafter auf das eigene Leben und setzt den Partner als Bezugsberechtigten ein, gilt die Todesfallleistung als Erwerb von Todes wegen (§ 3 ErbStG). Unter fremden Dritten greift dann Steuerklasse III mit einem Freibetrag von nur 20.000 € und einem Steuersatz von 30 bis 50 %. Die saubere Lösung ist die Risikolebensversicherung „über Kreuz“: Jeder Gesellschafter ist Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter für eine Police auf das Leben des anderen. Die Leistung fällt nicht in den Nachlass des Verstorbenen und löst bei korrekter Gestaltung in der Regel keine Erbschaftsteuer aus. Entscheidend ist, dass Police und Gesellschaftsvertrag synchron sind, also Summe, Bewertungsmethode und Bezugsrecht zueinanderpassen. Häufig wird nur der Todesfall geregelt; der Ausfall durch Berufsunfähigkeit oder schwere Krankheit eines Partners ist gesondert zu bedenken.

Block 3 – Altersvorsorge und Mitarbeiterbindung

Wer Angestellte hat, kann Vorsorge als Arbeitgeberinstrument einsetzen. Im Wettbewerb um Fachkräfte, gerade im RWTH-Umfeld, sind betriebliche Altersvorsorge und Krankenversicherung planbare Argumente, die zugleich steuerlich gefördert werden.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Die bAV ist eine vom Arbeitgeber organisierte Versorgungszusage, finanziert über Entgeltumwandlung (Rechtsanspruch nach § 1a BetrAVG) oder arbeitgeberfinanziert. Bei Entgeltumwandlung ist ein Arbeitgeberzuschuss von 15 % vorgeschrieben, soweit Sozialabgaben gespart werden (§ 1a Abs. 1a BetrAVG). Über die externen Wege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds sind Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG gefördert: steuerfrei bis 8.112 € im Jahr und sozialabgabenfrei bis 4.056 € im Jahr (Stand 2026). Der steuerfreie Rahmen ist an die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung gekoppelt (101.400 € im Jahr) und beträgt das Doppelte des sozialabgabenfreien Betrags. Diese beiden Grenzen werden regelmäßig verwechselt.

Zwei Fallstricke gehören in jedes Beratungsgespräch. In der Auszahlungsphase ist die Betriebsrente voll steuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG), und auf Versorgungsbezüge fällt der Krankenversicherungsbeitrag an, für freiwillig Versicherte sogar ohne Freibetrag. Und der beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer spart bei Entgeltumwandlung keine Sozialabgaben und genießt keinen Insolvenzschutz über den Pensions-Sicherungs-Verein; eine Rückdeckung muss privat verpfändet werden. Für junge, kleine GmbHs sind interne Pensionszusagen wegen der Bilanz- und Zinsrisiken meist die falsche Wahl, externe Wege sind sauberer. Wie sich die bAV konkret für ein technisches Büro rechnet, vertieft die Seite bAV für Ingenieure.

Betriebliche Krankenversicherung (bKV)

Bei der bKV schließt der Arbeitgeber für die Belegschaft eine private Krankenzusatzversicherung ab, meist als Budgettarif mit jährlichem Gesundheitsbudget. Im Kollektiv entfallen in der Regel Gesundheitsprüfung und Wartezeiten, was auch Mitarbeiter mit Vorerkrankungen einschließt. Als Orientierung liegt ein Budgettarif bei etwa 10 bis 15 € je Mitarbeiter und Monat für 300 € Jahresbudget und bei 20 bis 30 € für 600 €; viele Versicherer setzen eine Mindestgruppengröße von fünf bis zehn Mitarbeitern voraus.

Steuerlich zählt die Gestaltung. Ist der Arbeitgeber Versicherungsnehmer und zahlt direkt an den Versicherer, gilt die Prämie als Sachbezug und bleibt bis zur Freigrenze von 50 € im Monat steuer- und sozialabgabenfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG, Stand 2026). Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag: Ein Euro darüber macht den gesamten Betrag steuerpflichtig, und andere Sachbezüge desselben Monats zählen mit. Zahlt der Arbeitgeber dagegen einen Zuschuss an einen Mitarbeiter, der selbst Versicherungsnehmer ist, wird die Leistung voll lohnsteuer- und sozialabgabenpflichtig.

Block 4 – Persönliche Haftung als Organ: die D&O-Versicherung

Geschäftsführer einer GmbH oder UG haften bei einer Pflichtverletzung persönlich und unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Gegenüber der eigenen Gesellschaft ist das die Innenhaftung nach § 43 GmbHG; die Außenhaftung gegenüber Dritten ergibt sich dagegen nicht aus § 43 GmbHG, sondern aus eigenständigen Tatbeständen wie § 823 BGB, § 15b InsO und § 69 AO. Diese Organhaftung (weitere Fachbegriffe erklärt das Gewerbeversicherungs-Lexikon) trifft nicht nur bei falschen Geschäftsentscheidungen. Zwei Haftungstatbestände übersehen viele Gründer:

  • Zahlungen nach Insolvenzreife (§ 15b InsO): Wer nach eingetretener Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung noch Zahlungen leistet, die die Insolvenzmasse schmälern, haftet dem Insolvenzverwalter persönlich auf Erstattung.
  • Haftung für Steuern (§ 34 / § 69 AO): Führt die GmbH Lohn- oder Umsatzsteuer nicht ab, haftet der Geschäftsführer dafür persönlich gegenüber dem Finanzamt.

Schadenbeispiel GeschäftsführerhaftungDer Geschäftsführer einer Technologie-GmbH zahlt nach eingetretener Zahlungsunfähigkeit noch Löhne und Lieferantenrechnungen. Der Insolvenzverwalter nimmt ihn nach § 15b InsO persönlich für rund 120.000 € in Regress – für Zahlungen, die nach Insolvenzreife nicht mehr hätten fließen dürfen. Zusätzlich fordert das Finanzamt nicht abgeführte Lohnsteuer nach § 69 i. V. m. § 34 AO. Beide Ansprüche zielen auf sein Privatvermögen, nicht auf die GmbH. Eine D&O-Versicherung übernimmt die Abwehr unberechtigter und den Ausgleich berechtigter Ansprüche; ob Zahlungen nach Insolvenzreife im konkreten Bedingungswerk gedeckt sind, prüfe ich vor Abschluss ausdrücklich.

D&O-Schäden sind dabei kein Randphänomen: Für das Datenjahr 2024 verzeichnete die Versicherungswirtschaft rund 2.500 gemeldete Schäden bei einem durchschnittlichen Schadenaufwand von über 115.000 € (Quelle: GDV, 10.11.2025).

Bei Startups ist die D&O oft schon ab der ersten Finanzierungsrunde eine Anforderung der Investoren. Im Rahmen der Due Diligence prüfen Venture-Capital-Geber die Absicherung des Managements, und das Term Sheet macht eine D&O-Deckung nicht selten zur Bedingung für das Investment – auch, weil neue Investoren selbst in den Beirat oder Aufsichtsrat einziehen und ihr eigenes Haftungsrisiko abgesichert sehen wollen. Weil das Thema eigene Deckungssummen und Ausschlüsse hat, ist es auf einer eigenen Seite ausführlich behandelt: D&O-Versicherung.

Versicherungen für Selbstständige: in welcher Reihenfolge absichern?

Für die meisten Selbstständigen gilt eine klare Priorität. Zuerst die eigene Arbeitskraft, also Krankentagegeld für die ersten Wochen und Berufsunfähigkeit für den Dauerfall, denn hier steht Ihr laufendes Einkommen auf dem Spiel und es gibt keinen staatlichen Auffangschirm. Danach, sobald andere Menschen den Umsatz mittragen, die betriebliche Ebene: Keyperson-Deckung für unverzichtbare Schlüsselkräfte und die Teilhaberabsicherung, sobald es einen zweiten Gesellschafter gibt. Sind Angestellte da und sollen gebunden werden, kommen bAV und bKV hinzu. Und wer als Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft handelt, ergänzt die D&O. Welche Bausteine für Ihren Fall zählen, hängt an Rechtsform, Mitarbeiterzahl und daran, wer außer Ihnen den Umsatz trägt.

Jan Pohl, Versicherungsmakler in Aachen, zur Absicherung von Selbstständigen und Unternehmern

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Ich sehe bei Selbstständigen selten zu wenig Sach- und Haftpflichtdeckung – dieser Teil ist meist erledigt. Was fehlt, ist fast immer die Absicherung der Arbeitskraft. Deshalb frage ich zuerst: Wovon leben Sie im vierten Krankheitsmonat? Bei der BU für Selbstständige achte ich vor allem auf die Umorganisationsklausel und die abstrakte Verweisung – werden sie nicht abgewählt, kann eine formal bestehende BU im Ernstfall leerlaufen. Und beim Krankentagegeld muss die Karenzzeit lückenlos an den BU-Leistungsbeginn anschließen, sonst klafft genau in der teuersten Phase eine Lücke. Wer als GmbH-Geschäftsführer handelt, sollte außerdem wissen, dass § 15b InsO und § 34/69 AO auf das Privatvermögen zielen – das ist ein Fall für die D&O, nicht für die Betriebshaftpflicht. Genau diese Reihenfolge kläre ich mit Ihnen, bevor wir über Tarife sprechen.

— Jan Pohl, Pohl Versicherungsmakler e.K., Aachen-Richterich

Häufige Fragen zu Versicherungen für Selbstständige

Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn ich meinen Betrieb umorganisieren könnte?

Nicht zwangsläufig. In vielen Tarifen kann der Versicherer den selbstständigen Inhaber statt einer Rente auf eine zumutbare Umorganisation verweisen, etwa Aufgaben zu delegieren oder Personal einzustellen, solange die bisherige Lebensstellung gewahrt bleibt. Gute Tarife für Selbstständige wählen diese Umorganisationsklausel ab und verzichten zusätzlich auf die abstrakte Verweisung. Darauf sollten Sie beim Abschluss ausdrücklich achten, sonst kann eine bestehende BU im Ernstfall leerlaufen.

Krankentagegeld oder Berufsunfähigkeit – brauche ich beides?

In der Regel ja, denn beide decken verschiedene Phasen. Das Krankentagegeld ersetzt das Einkommen bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit ab der vereinbarten Karenzzeit. Es endet aber mit der Feststellung der Berufsunfähigkeit (MB/KT § 15). Ab dann muss die BU greifen, die bei dauerhafter Berufsunfähigkeit von mindestens 50 % eine monatliche Rente zahlt. Karenzzeit und BU-Leistungsbeginn müssen deshalb lückenlos ineinandergreifen.

Warum reicht das gesetzliche Krankengeld für Selbstständige nicht?

Es ist bei 135,63 € pro Tag gedeckelt (Stand 2026), und privat Krankenversicherte haben gar keinen Anspruch. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige erhalten es nur mit passendem Wahltarif. Das private Krankentagegeld schließt diese Lücke und ist steuerlich günstiger: Leistungen aus der PKV sind steuerfrei (§ 3 Nr. 1a EStG) und unterliegen keinem Progressionsvorbehalt, während gesetzliches Krankengeld über den Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) den Steuersatz auf Ihr übriges Einkommen erhöht.

Was ist der Unterschied zwischen Keyman-Versicherung und Teilhaberabsicherung?

Die Zielrichtung. Bei der Keyman-Versicherung ist die Firma Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigter; die Leistung überbrückt den finanziellen Ausfall einer Schlüsselperson, etwa für Ersatzrecruiting und Umsatzausfall. Die Teilhaberabsicherung sichert dagegen die verbleibenden Gesellschafter ab, damit sie die Anteile der Erben übernehmen können. Sie wird meist als Risikolebensversicherung „über Kreuz“ gestaltet, bei der jeder Partner die Police auf das Leben des anderen hält, um die Erbschaftsteuer zu vermeiden.

Wann brauche ich als Geschäftsführer eine D&O-Versicherung?

Sobald Sie eine GmbH oder UG führen, denn dann haften Sie bei Pflichtverletzungen persönlich und unbeschränkt mit dem Privatvermögen (§ 43 GmbHG). Besonders scharf sind Zahlungen nach Insolvenzreife (§ 15b InsO) und die Haftung für nicht abgeführte Steuern (§ 34/69 AO). Bei Startups verlangen Investoren die D&O häufig schon ab der ersten Finanzierungsrunde – im Rahmen der Due Diligence und als Bedingung im Term Sheet. Die D&O übernimmt Abwehr und berechtigte Ansprüche; welche Klauseln Sie brauchen, hängt von Rechtsform und Gesellschafterstruktur ab.

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