PKV-Kennzahlen richtig verstehen: Was Unternehmenskennzahlen über private Krankenversicherer aussagen

Fachdossier · Private Krankenversicherung

PKV-Kennzahlen richtig lesen: Was RfB, VEQ, Solvenz und Bestandszahlen wirklich aussagen

Eigenkapitalquote, RfB, Schadenquote, Nettoverzinsung oder Solvency II wirken präzise. Für die Auswahl einer privaten Krankenversicherung helfen sie aber nur, wenn Tarifqualität, Unternehmensqualität und persönliche Eignung sauber getrennt werden.

4 BereicheErfahrung, Sicherheit, Erfolg und Bestand im veröffentlichten ASCORE-Unternehmensscoring.
17 Kennzahlenflossen dort direkt in die Unternehmensbewertung ein.
3 JahreDurchschnitt dienen bei ASCORE dazu, kurzfristige Schwankungen zu glätten.
1 Wert reicht nieEine Kennzahl wird erst mit Zeitreihe, Benchmark und Gegenkennzahlen belastbar.

Stand der fachlichen Prüfung: 22. August 2026 · Unternehmensscoring-Methodik nach ASCORE-Veröffentlichung vom 24.09.2025

Wer eine private Krankenversicherung auswählt, schaut häufig zuerst auf den Monatsbeitrag, die Selbstbeteiligung und einige besonders sichtbare Leistungen. Für einen Vertrag, der möglicherweise über Jahrzehnte bestehen wird, ist das zu wenig.

Die erste Prüfung muss dem konkreten Tarif gelten: Was leistet er ambulant, stationär, bei Psychotherapie, Hilfsmitteln, Arzneimitteln, Zahnbehandlung, Rehabilitation und im Ausland? Die Grundlagen dazu gehören in die Tarif- und Systemprüfung der privaten Krankenversicherung.

Daneben existiert eine zweite Ebene: das Versicherungsunternehmen. Wie hoch sind die finanziellen Puffer? Wie entwickelt sich der Vollversichertenbestand? Wie läuft das Versicherungsgeschäft? Welche Mittel werden der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zugeführt? Wie hoch sind Kosten und Kapitalanlageerträge?

Genau dafür gibt es PKV-Unternehmenskennzahlen. Sie sind nützlich, wenn man sie als Messinstrumente verwendet. Problematisch werden sie, wenn aus einer RfB-Quote oder einer Solvenzquote eine Zukunftsprognose für einen einzelnen Tarif gemacht wird.

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01

Grundlagen und Einordnung

Welche Frage beantwortet eine Kennzahl überhaupt – und auf welcher Ebene?

02 · Entscheidungsmodell

Tarif, Versicherer und Kunde: drei Prüfungen, die nicht vermischt werden dürfen

Bei Ratings entsteht schnell der Eindruck, eine Gesamtpunktzahl könne die gesamte PKV-Entscheidung abbilden. Das funktioniert nicht, weil drei fachlich unterschiedliche Fragen zusammenfallen würden.

Drei Ebenen der PKV-Auswahl
Ebene 1Vertrag

Leistungsversprechen, Begrenzungen, Optionen, Selbstbehalt und Tariflogik.

Ebene 2Unternehmen

Bilanz, Reserven, Ergebnis, Kosten, Kapitalanlage, Bestand und Solvenz.

Ebene 3Person

Gesundheit, Beruf, Familienplanung, Status, Beihilfe, Ausland und Budget.

Eine Empfehlung entsteht erst dort, wo alle drei Ebenen zusammenpassen.

Tarifebene: Leistungsversprechen statt Unternehmensbilanz

Auf der Tarifebene geht es beispielsweise um GOÄ und GOZ, Psychotherapie, offene Hilfsmittelkataloge, Privatkliniken, Anschlussheilbehandlung, Reha, künstliche Befruchtung, Zahnersatz, Kieferorthopädie, Auslandsschutz und Tarifwechseloptionen.

ASCORE veröffentlicht hierfür ein getrenntes Produktscoring. Der Jahrgang 2026 wurde am 14. April 2026 veröffentlicht. Nach ASCORE bilden aktuelle Versicherungsbedingungen sowie Annahme- und Verkaufsrichtlinien die Grundlage. Score-relevante Kriterien fließen direkt in die Bewertung ein; zusätzliche IR-Kriterien dienen der Detailanalyse. Die Kriterien werden innerhalb des Scorings gleichwertig behandelt.

Quelle: ASCORE Analyse, PKV-Produktscoring 2026.

Unternehmensebene: wirtschaftliche und strukturelle Qualität

Hier werden nicht einzelne medizinische Leistungen bewertet, sondern die wirtschaftliche Situation des Versicherers. Genau an dieser Stelle gehören Eigenkapital, RfB, VEQ, Nettoverzinsung, Schadenquote, Kosten, Solvenz und Bestandsentwicklung hin.

Individuelle Ebene: Was Ratings nicht kennen

Kein Unternehmensrating kennt die persönliche Gesundheitsprüfung. Kein Tarifrating weiß, ob ein Professor in zwei Jahren ins Ausland berufen wird. Kein Kompass berücksichtigt automatisch, ob bei einem Beamten 50, 70 oder 80 Prozent Beihilfe relevant sind. Und kein allgemeiner PKV-Vergleich kann ohne persönliche Daten entscheiden, ob die beitragsfreie Familienversicherung in der GKV eine wirtschaftlich erhebliche Alternative darstellt.

Deshalb gehört vor einer konkreten Antragstellung bei Vorerkrankungen regelmäßig die Frage auf den Tisch, ob zunächst eine anonyme beziehungsweise pseudonymisierte Risikovoranfrage sinnvoll ist.

03 · Methodik

Wie ASCORE private Krankenversicherer bewertet

Der von ASCORE am 24. September 2025 veröffentlichte Jahrgang des PKV-Unternehmensscorings bewertet 32 private Krankenversicherungsunternehmen. Die Analyse ist in vier Bereiche gegliedert: Erfahrung, Sicherheit, Erfolg und Bestand.

17 Kennzahlen flossen direkt in die Bewertung ein. 20 weitere Kennzahlen dienten der ergänzenden Analyse, sechs zusätzliche Kennzahlen der Information. Bewertet wird relativ zum Gesamtmarkt. Erfüllte Kriterien erhalten nach der veröffentlichten Methodik einen halben oder ganzen Punkt; die Punkte fließen gleichwertig und ohne direkte individuelle Gewichtung in das Gesamtergebnis ein. Die Zuordnung erfolgt anschließend zu sechs Wertungsklassen.

ASCORE verwendet für die Bewertung grundsätzlich den Durchschnitt der letzten drei Geschäftsjahre. Das ist sachgerecht, weil ein einzelnes Geschäftsjahr etwa durch Kapitalmarkteffekte, RfB-Entnahmen oder außergewöhnliche Bestandsbewegungen verzerrt sein kann.

Quelle: ASCORE Analyse, PKV-Unternehmensscoring, Veröffentlichung 24.09.2025.

Datenstand sauber trennenDas am 24.09.2025 veröffentlichte Unternehmensscoring wertet vor allem Unternehmensdaten des Geschäftsjahres 2024 aus und glättet bewertete Kennzahlen grundsätzlich über drei Geschäftsjahre. Das PKV-Produktscoring wurde dagegen am 14.04.2026 mit aktuellen Tarifunterlagen aktualisiert. Tarif- und Unternehmensdaten haben deshalb bewusst unterschiedliche Datenstände.
Ein Rating ist ein Modell.Eine hohe Gesamtbewertung ist ein positives Ergebnis innerhalb der verwendeten Methodik. Sie bedeutet nicht, dass das Unternehmen unter jedem denkbaren Gesichtspunkt für jede Person die beste PKV-Wahl ist.

04 · Erfahrung und Größe

Bruttobeiträge, Marktanteil und Versichertenzahl: Kontext statt Siegerliste

Verdiente Bruttobeiträge

Sie geben einen Eindruck vom Beitragsvolumen und damit von der Größenordnung des Geschäftsbetriebs. Die Größe hilft bei der Einordnung von absoluten Reserven und Bestandsbewegungen, ist aber weder ein Leistungsmerkmal noch ein Beleg für künftige Beitragsstabilität.

Marktanteil

Er ordnet das Unternehmen relativ zum PKV-Markt ein. Ein hoher Marktanteil kann eine etablierte Position zeigen. Ein kleiner Marktanteil ist umgekehrt kein Beweis für schwache Qualität.

Versicherte insgesamt

Diese Zahl kann Voll- und Zusatzversicherte zusammenfassen. Für die Auswahl einer Krankenvollversicherung ist deshalb die Zahl der Vollversicherten meist aussagekräftiger.

Zahl der Vollversicherten

Die Zahl der Vollversicherten zeigt, wie groß das eigentliche Krankenvollversicherungskollektiv des Unternehmens ist. Interessant wird sie insbesondere in Kombination mit ihrer Entwicklung: wächst der Vollbestand, bleibt er stabil oder schrumpft er?

Auch hier gilt: Ein großer Bestand ist kein Beweis für bessere Versicherungsbedingungen. Er ist eine Strukturinformation. Die Qualitätsfrage beginnt erst mit den übrigen Kennzahlen und dem konkreten Tarif.

Unternehmensalter

Ein seit vielen Jahrzehnten tätiger Krankenversicherer hat unterschiedliche Kapitalmarktphasen und Tarifgenerationen erlebt. Diese Erfahrung kann positiv sein. Das Alter des Unternehmens sagt aber nicht, wie gut ein heute angebotener Tarif kalkuliert oder bedingungsseitig gestaltet ist.

02

Sicherheit und Reserven

Welche Puffer existieren – und warum RfB oder Solvenz nie allein gelesen werden sollten.

03

Ergebnis, Kosten und Kapitalanlage

Wie erfolgreich arbeitet das Versicherungsgeschäft und wie entstehen die wirtschaftlichen Spielräume?

06 · Wirtschaftlicher Erfolg

VEQ, Überschussverwendung und Kostenquoten

Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote (VEQ)

Die VEQ gehört zu den Kennzahlen, die für die Beurteilung eines Krankenversicherers besonders interessant sind. Sie zeigt vereinfacht, welcher Anteil der Beitragseinnahmen nach den relevanten Schaden- und Kostenaufwendungen im Versicherungsgeschäft verbleibt.

Eine über längere Zeit solide VEQ kann zeigen, dass das eigentliche Versicherungsgeschäft wirtschaftlich ausreichend läuft und Überschüsse entstehen. Eine dauerhaft schwache Entwicklung wäre ein Anlass, genauer hinzusehen.

Die Einschränkung ist entscheidend: Es handelt sich um eine Unternehmenskennzahl. Eine VEQ von beispielsweise 8 oder 10 Prozent erlaubt keine konkrete Aussage über die nächste Anpassung eines einzelnen Tarifs.

Modifizierte VEQ

ASCORE betrachtet ergänzend eine modifizierte VEQ. Dabei werden gesellschaftsformbedingte Zahlungsströme wie Dividenden oder Gewinnabführungen berücksichtigt. Der Hintergrund ist nachvollziehbar: Ein bilanzieller wirtschaftlicher Erfolg kann je nach Rechtsform und Konzernstruktur unterschiedlich verwendet werden.

Überschussverwendungsquote

Ein Krankenversicherer kann wirtschaftlich erfolgreich arbeiten. Für die Versicherten ist zusätzlich interessant, welcher Anteil dieses Erfolgs ihnen zugutekommt. Genau hier setzt die Überschussverwendungsquote an.

Auch eine hohe Prozentzahl braucht aber eine Bezugsgröße. 95 Prozent eines kleinen Überschusses können absolut weniger sein als 85 Prozent eines deutlich größeren Ergebnisses. Prozentwerte ohne absoluten und zeitlichen Kontext bleiben unvollständig.

Barausschüttungsquote

Die Barausschüttungsquote beschreibt, welcher Anteil bestimmter RfB-Entnahmen direkt als Beitragsrückerstattung an leistungsfreie Versicherte fließt. Eine hohe Quote kann einen unmittelbaren Kundennutzen zeigen.

Eine niedrige Barausschüttung muss aber nicht automatisch schlecht sein. Mittel können stattdessen zur Begrenzung von Beitragsanpassungen eingesetzt werden. Für einen einzelnen Versicherten können beide Verwendungsarten unterschiedlich wertvoll sein.

Abschlusskostenquote

Sie zeigt, wie viel des Beitragsvolumens für Abschluss und Vertrieb aufgewendet wird. Ein stark wachsender Versicherer kann zeitweise höhere Abschlusskosten haben als ein Unternehmen mit wenig Neugeschäft. Deshalb Wachstum und Zeitreihe mitprüfen.

Verwaltungskostenquote

Sie zeigt den Verwaltungsaufwand im Verhältnis zum Beitragsvolumen. Niedrige Kosten sind grundsätzlich positiv. Die Quote ist aber keine direkte Messung der Servicequalität; Investitionen in IT oder Leistungsbearbeitung können ebenfalls Kosten erzeugen.

Schadenquote + Kosten + VEQ zusammen lesenErst das Zusammenspiel zeigt, wie sich das Beitragsvolumen zwischen Leistung beziehungsweise Rückstellungsbildung, Kosten und wirtschaftlichem Ergebnis verteilt.

07 · Kapitalanlage

Nettoverzinsung, laufende Durchschnittsverzinsung und Rechnungszins

Private Krankenversicherer verwalten erhebliche Kapitalanlagen. Das gehört zur Systemlogik: In der nach Art der Lebensversicherung betriebenen PKV werden Alterungsrückstellungen aufgebaut. Die Kapitalanlage ist deshalb keine Nebenaktivität.

Nettoverzinsung

Die Nettoverzinsung beschreibt das Kapitalanlageergebnis im Verhältnis zum Kapitalanlagebestand und berücksichtigt mehr Komponenten als nur laufende Zinserträge. Eine nachhaltig solide Kapitalanlage ist grundsätzlich positiv.

Ein einzelnes Jahr kann jedoch durch realisierte Gewinne, Abschreibungen oder Marktbewegungen beeinflusst sein. Deshalb ist eine mehrjährige Betrachtung sinnvoller.

ASCORE berichtete für das Geschäftsjahr 2024 marktweit eine Nettoverzinsung von 2,71 Prozent und eine laufende Durchschnittsverzinsung von 2,79 Prozent. Solche Marktwerte zeigen, warum starre Grenzwerte über Jahrzehnte wenig sinnvoll wären.

Laufende Durchschnittsverzinsung

Sie konzentriert sich stärker auf laufende Kapitalanlageerträge und -aufwendungen. Zusammen mit Nettoverzinsung, Bewertungsreserven, stillen Lasten und dem durchschnittlichen Rechnungszins entsteht ein deutlich besseres Bild als aus einer Einzelzahl.

Modifizierte Nettoverzinsung

Wie bei der modifizierten VEQ kann eine Analyse Zahlungsströme berücksichtigen, die sich aus Gesellschaftsform und Konzernstruktur ergeben. Das ist für einen tiefen Unternehmensvergleich nützlich; für eine einfache Kundenentscheidung sollte es nicht isoliert an die Spitze gestellt werden.

04

Bestand und Beitragsstabilität

Warum Wachstum, Schadenquote und frühere Beitragsanpassungen nützlich sind – aber keine Zukunftsgarantie liefern.

08 · Bestandsentwicklung

Beitragswachstum ist nicht dasselbe wie Kundenwachstum

Beitragswachstum

Steigende Beitragseinnahmen wirken zunächst positiv. Die entscheidende Frage lautet aber: Woher kommt das Wachstum?

  • aus neu gewonnenen Vollversicherten?
  • aus dem Zusatzversicherungsgeschäft?
  • aus Beitragsanpassungen im vorhandenen Bestand?
  • aus einer Kombination dieser Faktoren?

Beitragswachstum allein beantwortet diese Fragen nicht.

Personenwachstum und Vollversichertenwachstum

Die Gesamtzahl versicherter Personen kann stark wachsen, obwohl die Krankenvollversicherung stagniert. Zusatzversicherungen besitzen eine andere Marktdynamik und dürfen deshalb nicht mit dem Vollbestand vermischt werden.

Für die Auswahl einer Krankenvollversicherung ist die Entwicklung der Vollversicherten meist interessanter. Ein nachhaltig wachsender Vollbestand kann auf aktives und im Markt angenommenes Neugeschäft hinweisen. Die Alters- oder Risikostruktur der neu gewonnenen Versicherten lässt sich aus dieser Kennzahl allein aber nicht ablesen. Ein langfristiger Rückgang ist kein automatisches Ausschlusskriterium, sondern zunächst eine Prüffrage.

Schadenquote

Bei kaum einer Kennzahl ist die Fehlinterpretation so naheliegend: niedrige Schadenquote gleich guter Versicherer, hohe Schadenquote gleich schlechter Versicherer. Für die PKV funktioniert diese Lesart nicht.

Der branchenspezifische Kennzahlenkatalog erfasst in der Schadenquote nicht nur laufende Erstattungsleistungen, sondern auch die Zuführung zu Alterungsrückstellungen. Deshalb ist die Schadenquote weder ein Maß für „Großzügigkeit“ noch für „Leistungsverweigerung“.

Sie gehört mit Verwaltungskosten, Abschlusskosten und VEQ in einen gemeinsamen Ergebnisblock.

Übertragungswerte

Übertragungswerte können Hinweise auf Wanderungsbewegungen zwischen privaten Krankenversicherern geben. Ein positiver Saldo kann zeigen, dass mehr Übertragungswerte durch Zugänge hereinkommen als durch Abgänge herausgehen. Für die individuelle Auswahl ist das eher eine Ergänzungskennzahl; für die Bestandsanalyse kann sie interessant sein.

10 · Methodik

Zeitreihe und Benchmark sind wichtiger als die isolierte Zahl

Eine Nettoverzinsung von 3 Prozent klingt zunächst positiv. Ob sie tatsächlich überdurchschnittlich ist, hängt aber vom Marktumfeld und von der Entwicklung des Unternehmens ab. Dasselbe gilt für RfB, Kosten, VEQ und Bestandsentwicklung.

Deshalb sollte jede wichtige Kennzahl mindestens vier Fragen beantworten:

Heute

Wie hoch ist der aktuelle Wert?

Zeitreihe

Wie hat er sich über mehrere Jahre entwickelt?

Markt

Wo liegt der Branchenvergleich oder Benchmark?

Ursache

Welche andere Kennzahl erklärt die Veränderung?

Der PKV-Verband bietet mit seinem Zahlenportal Zeitreihen zu Versicherten, Erträgen, Aufwendungen und weiteren Kennzahlen der Mitgliedsunternehmen. Nach Angaben des Verbands stammen die Daten überwiegend aus Geschäftsberichten, Sondererhebungen und Jahresnachweisungen an die BaFin.

Quelle: PKV-Zahlenportal des PKV-Verbands.

11 · Vergleichslogik

Welche Kennzahlen sollte man gemeinsam lesen?

Fünf Kennzahlenbündel statt 25 isolierter Einzelwerte
BeitragsentlastungRfB · RfB-Zuführung · VEQ · Überschussverwendung
KapitalanlageNettoverzinsung · laufende Verzinsung · Reserven · stille Lasten
VersicherungsgeschäftSchadenquote · Verwaltung · Abschluss · VEQ
BestandBeiträge · Personen · Vollversicherte · Übertragungswerte
SicherheitEigenkapital · Sicherheitsmittel · SCR · freie Überschüsse

Beispiel 1: hohe RfB, schwache Zuführung

Ein Versicherer kann aus früheren Jahren einen hohen RfB-Bestand besitzen, während die laufende Zuführung bereits schwächer wird. Wer nur die RfB-Quote betrachtet, sieht diesen Unterschied nicht.

Beispiel 2: hohe Abschlusskosten bei starkem Neugeschäft

Eine hohe Abschlusskostenquote kann negativ sein. Sie kann aber auch in einer Wachstumsphase auftreten. Deshalb gehört das Neugeschäft beziehungsweise die Entwicklung der Vollversichertenzahl daneben.

Beispiel 3: günstige Beitragsvergangenheit, schwächeres laufendes Ergebnis

Historisch geringe Anpassungen sind attraktiv. Wenn gleichzeitig VEQ und RfB-Zuführung über mehrere Jahre sinken, entsteht eine neue Prüffrage. Die Vergangenheit bleibt richtig – nur die Zukunft darf daraus nicht einfach fortgeschrieben werden.

12 · Begriffe sauber trennen

Alterungsrückstellung, RfB und Übertragungswert: drei Größen, die nicht dasselbe bedeuten

In Gesprächen über die wirtschaftliche Qualität einer privaten Krankenversicherung werden drei Begriffe häufig vermischt: Alterungsrückstellung, Rückstellung für Beitragsrückerstattung und Übertragungswert. Für die Kennzahlenanalyse ist diese Trennung wichtig, weil die drei Größen unterschiedliche Aufgaben haben.

Alterungsrückstellung: Teil der langfristigen Tarifkalkulation

Die Alterungsrückstellung gehört zur Kalkulation der nach Art der Lebensversicherung betriebenen privaten Krankenversicherung. Vereinfacht soll ein Teil der in jüngeren Jahren kalkulierten Beiträge dazu beitragen, die im höheren Alter erwartbar steigenden Krankheitskosten innerhalb des Versicherungssystems vorzufinanzieren. Sie ist daher kein frei verfügbares Sparkonto des einzelnen Versicherten.

Wenn ein Unternehmen eine hohe Alterungsrückstellung ausweist, muss außerdem seine Bestandsgröße berücksichtigt werden. Ein großer Vollversicherer verwaltet absolut zwangsläufig andere Beträge als ein kleiner Anbieter. Für Vergleiche sind deshalb relative Kennzahlen und die Struktur des Bestandes aussagekräftiger als reine Milliardenbeträge.

RfB: Überschussmittel mit anderer Funktion

Die Rückstellung für Beitragsrückerstattung – RfB – ist davon zu unterscheiden. Sie enthält Mittel, die unter den gesetzlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen zugunsten der Versicherten verwendet werden können. Dazu gehören je nach Ausgestaltung beispielsweise Barausschüttungen bei Leistungsfreiheit oder Mittel zur Begrenzung beziehungsweise Abmilderung von Beitragsanpassungen.

Genau deshalb ist die RfB-Quote nicht mit der Alterungsrückstellung gleichzusetzen. Die Alterungsrückstellung gehört zur tariflichen Langfristkalkulation. Die RfB bildet Überschussmittel ab, deren Bestand und Verwendung deutlich stärker schwanken können.

Übertragungswert: relevant beim Wechsel des Unternehmens

Der Übertragungswert betrifft eine andere Situation: den Wechsel von einem privaten Krankenversicherer zu einem anderen. Bei der substitutiven Krankenversicherung ist für die gesetzlich erfassten Verträge die Mitgabe eines Übertragungswerts vorgesehen; seine Berechnung richtet sich insbesondere nach § 14 KVAV. Der übertragbare Wert entspricht nicht automatisch der gesamten beim bisherigen Versicherer kalkulierten Alterungsrückstellung und ist kein frei verfügbares persönliches Depot. Der interne Tarifwechsel beim selben Versicherer folgt wiederum § 204 VVG und der Anrechnungssystematik für erworbene Rechte und Alterungsrückstellungen.

Rechtsgrundlagen: § 204 VVG sowie § 14 KVAV.

Für die KennzahlenanalyseRfB, Alterungsrückstellung und Übertragungswert beantworten drei verschiedene Fragen. Wer sie in einer einzigen „Reserve“-Zahl zusammenfasst, verliert genau die Information, die für eine langfristige PKV-Entscheidung wichtig ist.

13 · Kontext

Aktiengesellschaft oder Versicherungsverein: Warum die Gesellschaftsform Kennzahlen beeinflussen kann

Private Krankenversicherer sind nicht alle gleich organisiert. Im Markt finden sich Aktiengesellschaften und Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Für den Kunden ist keine der beiden Rechtsformen automatisch besser. Bei einzelnen Unternehmenskennzahlen kann die Struktur jedoch erklären, warum Werte unterschiedlich ausfallen.

Eine Aktiengesellschaft kann in einen Konzern eingebunden sein. Gewinnabführungs- oder Beherrschungsverträge, Kapitalzuführungen durch eine Muttergesellschaft und Dividendenzahlungen können die Interpretation bestimmter Ergebnis- oder Eigenkapitalgrößen beeinflussen. Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit besitzt eine andere Eigentümerstruktur und bildet Eigenkapital typischerweise aus dem eigenen Geschäft heraus.

Genau aus diesem Grund betrachtet ASCORE neben klassischen Quoten auch modifizierte Ergebnis- und Verzinsungsgrößen, bei denen bestimmte Zahlungsströme berücksichtigt werden. Das ist keine Wertung gegen eine Rechtsform. Es ist der Versuch, wirtschaftliche Ergebnisse besser vergleichbar zu machen.

Für einen Kunden bedeutet das: Eine Eigenkapitalquote von 15 Prozent bei Gesellschaft A und 20 Prozent bei Gesellschaft B ist noch keine vollständige Aussage. Es muss geprüft werden, welche Struktur hinter den Zahlen steht und welche anderen Sicherheitsmittel vorhanden sind.

Interessant bei einer AG

  • Konzernstruktur und mögliche Unternehmensverträge
  • Gewinnabführung beziehungsweise Dividenden
  • Kapitalunterstützung durch Muttergesellschaften
  • modifizierte Ergebniskennzahlen

Interessant bei einem VVaG

  • Entwicklung des selbst erwirtschafteten Eigenkapitals
  • Überschussverwendung
  • RfB und laufende Zuführung
  • langfristige Ergebnisentwicklung

15 · Vergleichsmethode

Zwei private Krankenversicherer seriös vergleichen: meine Reihenfolge

Wer zwei Versicherer vergleichen möchte, sollte nicht 30 Kennzahlen nebeneinanderlegen und anschließend die grünen Felder zählen. Das erzeugt viel Datenmenge, aber nicht automatisch eine bessere Entscheidung. Sinnvoller ist ein mehrstufiger Vergleich.

Vergleichszeitraum vereinheitlichenNur Werte vergleichen, die auf demselben Geschäftsjahr beziehungsweise derselben rollierenden Zeitreihe beruhen.
Größe und Geschäftsstruktur einordnenVoll- und Zusatzversicherung trennen und prüfen, ob die Unternehmen überhaupt ähnlich strukturiert sind.
Sicherheitsblock prüfenEigenkapital, Sicherheitsmittel, RfB, Reservefaktor und Solvenz gemeinsam betrachten.
Ergebnisblock prüfenVEQ, Überschussverwendung, Kosten und Kapitalanlage nicht in getrennten Silos lesen.
Bestandsentwicklung prüfenBeitragswachstum, Personenwachstum und insbesondere Vollversichertenentwicklung auseinanderhalten.
Ausreißer erklärenEin ungewöhnlicher Wert ist zunächst eine Frage. Erst die Ursache entscheidet, ob daraus ein Problem wird.
Tarifebene separat prüfenUnternehmensqualität darf keine fehlende Leistung im Versicherungsvertrag überdecken.
Individuelle Eignung zuletzt zusammenführenGesundheit, Beitrag, Familie, Beruf und Karriereweg entscheiden, welche der verbleibenden Lösungen tatsächlich passt.
Grafik: PKV-Kennzahlen in fünf Schritten prüfenPrüflogik
1Zeitraum vereinheitlichen

Gleiches Geschäftsjahr oder dieselbe rollierende Zeitreihe vergleichen.

2Geschäftsstruktur einordnen

Voll- und Zusatzversicherung trennen und Größenunterschiede berücksichtigen.

3Sicherheitsblock prüfen

Eigenkapital, RfB, Sicherheitsmittel und Solvenz gemeinsam lesen.

4Ergebnisblock prüfen

VEQ, Überschussverwendung, Kosten und Kapitalanlage zusammenführen.

5Bestandsentwicklung prüfen

Personen-, Beitrags- und besonders Vollversichertenentwicklung getrennt bewerten.

Eine einzelne Kennzahl entscheidet nicht. Entscheidend ist, ob die Werte zeitlich, strukturell und fachlich vergleichbar sind.

Was ich bewusst nicht mache

Ich bilde aus allen Kennzahlen keinen eigenen scheinpräzisen Gesamtscore mit zwei Nachkommastellen. Dafür müsste zuerst normativ entschieden werden, ob beispielsweise eine höhere RfB-Zuführung doppelt so wichtig ist wie das Wachstum der Vollversicherten oder ob 100 Basispunkte Unterschied bei der Verwaltungskostenquote mehr wiegen als ein anderes Kapitalanlageergebnis.

Solche Gewichtungen können sinnvoll sein, wenn sie für einen klar definierten Zweck begründet werden. Ohne diese Begründung erzeugen sie nur mathematische Präzision ohne fachliche Präzision.

05

Grenzen und Datenqualität

Welche Aspekte eine Bilanzkennzahl nicht misst und warum Datenstand, Tarifkollektiv und aktuelle Preisposition getrennt bleiben müssen.

17 · Datenqualität

Warum der Datenstand bei PKV-Kennzahlen immer mit auf den Tisch gehört

Unternehmenskennzahlen entstehen nicht in Echtzeit. Grundlage sind vor allem Jahresabschlüsse, aufsichtsrechtliche Meldungen und weitere Unternehmensdaten. Zwischen dem wirtschaftlichen Geschehen, dem Bilanzstichtag, der Veröffentlichung und der anschließenden Aufbereitung durch Analysehäuser liegt deshalb zwangsläufig Zeit.

Das ist bei einer Bilanzanalyse normal. Problematisch wird es erst, wenn ein Rating mit dem Eindruck beworben wird, alle enthaltenen Zahlen würden die Situation des heutigen Tages beschreiben.

Tarifdaten und Unternehmensdaten können unterschiedliche Stände haben

Ein Tarif kann im Jahr 2026 neu eingeführt oder grundlegend überarbeitet worden sein. Die dazugehörige Unternehmensanalyse kann dennoch überwiegend auf Geschäftszahlen bis 2024 oder 2025 beruhen. Tarif und Unternehmen werden dann mit unterschiedlichen zeitlichen Perspektiven analysiert.

Deshalb gehört bei einer belastbaren Prüfung zu jeder Zahl mindestens der Datenstand. Bei Zeitreihen sollte zusätzlich erkennbar sein, ob es sich um einen Einzelwert, Drei-Jahres-Durchschnitt oder eine andere Glättung handelt.

Fehlende Werte sind ebenfalls Information

Wenn eine Kennzahl nicht verfügbar ist, sollte sie nicht stillschweigend mit null oder einem Durchschnittswert ersetzt werden. „Nicht vorhanden“, „nicht veröffentlicht“ und „0“ sind drei unterschiedliche Aussagen. Besonders bei automatisierten Rankings kann diese Unterscheidung das Gesamtergebnis beeinflussen.

Benchmarks verändern sich

Eine feste Zielgröße, die in einer Niedrigzinsphase sinnvoll war, kann in einem anderen Kapitalmarktumfeld ihre Aussage verändern. Deshalb ist ein aktueller Marktvergleich häufig hilfreicher als eine Grenzzahl, die seit Jahren unverändert übernommen wird.

Minimaler DatenstempelGeschäftsjahr, Veröffentlichungsstand, Betrachtungszeitraum und Vergleichsmaßstab sollten bei jeder Kennzahl nachvollziehbar sein.

18 · Beitrag

Beitragsstabilität, heutiger Beitrag und Beitragsniveau sind drei verschiedene Fragen

Bei einem PKV-Vergleich werden „günstig“, „beitragsstabil“ und „langfristig bezahlbar“ häufig als Synonyme verwendet. Das sind sie nicht.

Heutiger Beitrag

Der aktuelle Monatsbeitrag ist eine konkrete Zahl für eine konkrete Person, einen konkreten Tarif und einen konkreten Zeitpunkt. Er hängt unter anderem von Eintrittsalter, Tarif, Selbstbehalt, Leistungsniveau und Risikoprüfung ab.

Historische Beitragsstabilität

Sie beschreibt, wie sich Beiträge in der Vergangenheit verändert haben. Je nach Datenbasis kann das ein einzelner Tarif, eine Tarifgruppe oder der Vollversicherungsbestand des Unternehmens sein. Diese Ebenen dürfen nicht vermischt werden.

Langfristige Bezahlbarkeit

Sie hängt nicht nur von der Entwicklung des Versicherers ab. Ebenso wichtig sind das zukünftige Einkommen, Ruhestandseinkünfte, Beihilfe- oder Arbeitgeberzuschüsse, Familienkonstellation, Tarifwechselmöglichkeiten und die individuelle Finanzplanung.

Ein Tarif kann heute 80 Euro günstiger sein und trotzdem die schlechtere Wahl darstellen. Ebenso kann ein heute teurer Tarif nicht allein wegen seines höheren Einstiegspreises als „stabiler kalkuliert“ gelten. Für beide Aussagen fehlen ohne weitere Daten die Grundlagen.

Heute

Preis

Was kostet der konkrete Schutz jetzt?

Historie

Anpassungen

Wie haben sich Beiträge im betrachteten Zeitraum entwickelt?

Langfristig

Tragfähigkeit

Passt der Vertrag zur finanziellen Lebensplanung und bleiben Anpassungsoptionen?

19 · Beihilfe

Gelten Unternehmenskennzahlen bei Beihilfetarifen anders?

Die Unternehmenskennzahlen des Krankenversicherers ändern sich nicht dadurch, dass ein Kunde Beamter ist. Eigenkapital, Solvenz, RfB oder Nettoverzinsung beziehen sich auf das Unternehmen beziehungsweise definierte Unternehmensbereiche. Bei der Tarifauswahl für Beamte verschiebt sich aber die tarifliche Ausgangslage.

Beihilfeberechtigte versichern regelmäßig nur den Teil der Krankheitskosten privat, den die Beihilfe nicht übernimmt. Dadurch bestehen eigene Beihilfetarife und Tarifbausteine. Für die Entscheidung muss daher zusätzlich geprüft werden, ob die Tarifstruktur zum Beihilferecht des jeweiligen Dienstherrn und zur persönlichen Situation passt.

Ein Unternehmensrating kann diese Prüfung nicht ersetzen. Ein Versicherer kann sechs Kompasse erreichen und trotzdem für eine konkrete Beihilfekonstellation einen weniger passenden Tarif anbieten als ein anderes ebenfalls solides Unternehmen.

Bei Beamten kommen deshalb zwei Systeme zusammen

Auf der einen Seite steht das Beihilferecht mit Bemessungssatz und Leistungsregeln. Auf der anderen Seite steht der private Restkostentarif. Unternehmenskennzahlen sind eine dritte, ergänzende Analyseebene. Wer alle drei Ebenen sauber trennt, vermeidet die falsche Schlussfolgerung, ein starkes Unternehmensrating könne eine unpassende Beihilfelösung kompensieren.

Vertiefung: Beihilfe nach Bund und Ländern und PKV für Beamte in NRW.

20 · Daten statt Label

Wie ich ASCORE-Daten für eine PKV-Prüfung nutzen würde

Der interessanteste Teil der ASCORE-Daten ist für mich nicht die Zahl der Kompasse. Wertvoll ist die Möglichkeit, vom Gesamtergebnis in die Einzelkriterien zu gehen.

Auf Tarifebene lassen sich konkrete Leistungsmerkmale vergleichen – beispielsweise Gesundheitsfragen, GOÄ, Hilfsmittel, Psychotherapie, Privatkliniken, Rehabilitation, Zahn oder Ausland. Auf Unternehmensebene stehen die wirtschaftlichen Kennzahlen mit Benchmarks und Erfüllungsstatus daneben.

Damit lässt sich eine Entscheidung in zwei Richtungen prüfen:

01

Vom Tarif zum Unternehmen

Welche fachlich passenden Tarife bleiben nach der Leistungsprüfung übrig und wie stehen die jeweiligen Gesellschaften wirtschaftlich da?

02

Vom Rating zum Einzelwert

Welche Kennzahlen tragen zur Bewertung bei und wo liegen konkrete Stärken, Schwächen oder fehlende Daten?

03

Vom Wert zur Prüffrage

Ist eine Abweichung strukturell, nur temporär oder durch eine andere Kennzahl erklärbar?

Das ist für mich belastbarer als ein Ranking, das ausschließlich von Platz 1 bis Platz 10 sortiert. Der Rang kann ein Einstieg sein. Die eigentliche Analyse beginnt darunter.

06

Zielgruppen und Auswahl

Wie dieselben Unternehmenskennzahlen bei unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Ausgangslagen einzuordnen sind.

22 · Prüflogik

In welcher Reihenfolge sollte eine private Krankenversicherung geprüft werden?

Versicherungsstatus klären.
Ist die PKV überhaupt verfügbar und im konkreten Lebenslauf sinnvoll?
Persönliche Situation erfassen.
Beruf, Einkommen, Beamtenstatus, Beihilfe, Familie, Ausland und Karriereplanung.
Gesundheitsprüfung vorziehen.
Bei Vorerkrankungen gegebenenfalls zunächst Risikovoranfrage statt vorschneller Antragstellung.
Leistungsanforderungen definieren.
Welche medizinischen und vertraglichen Leistungen sind tatsächlich erforderlich?
Tarife vergleichen.
Nicht nach Beitrag vorsortieren, sondern nach Bedingungsqualität und passender Tariflogik.
Unternehmen prüfen.
RfB, VEQ, Solvenz, Kosten, Kapitalanlage und Bestandsentwicklung ergänzen die Tarifprüfung.
Beitrag und Nettobelastung einordnen.
Selbstbehalt, Arbeitgeberzuschuss, Beihilfe, Beitragsrückerstattung und Familie berücksichtigen.
Gesamtentscheidung dokumentieren.
Warum passt genau diese Kombination aus Tarif, Unternehmen und persönlicher Situation?

Für die praktische Vorbereitung steht zusätzlich der PKV-Check zur Verfügung. Wer bereits konkrete Vergleichsangebote vorliegen hat, findet unter PKV-Angebote richtig verstehen die nächste Prüfebene.

23 · Ratinggrenzen

Kann man mit Kennzahlen den „besten PKV-Versicherer“ bestimmen?

Man kann feststellen, welches Unternehmen innerhalb einer bestimmten Methodik besonders gut abschneidet. Man kann auffällige Kennzahlen finden und mehrere Gesellschaften miteinander vergleichen.

Der „beste Versicherer“ für eine Person lässt sich daraus nicht ableiten. Dafür fehlen mindestens der konkrete Tarif, die Gesundheitsprüfung, der Status, die Familie und persönliche Leistungsprioritäten.

Dasselbe gilt für die Frage nach sechs ASCORE-Kompassen: Eine Höchstbewertung ist ein positives Unternehmenssignal. Sie ist kein Kaufargument ohne Tarifprüfung.

Priorität bei der AuswahlWenn ich zwischen Tarifrating und Unternehmensrating priorisieren muss, kommt zuerst der Vertrag. Eine nicht versicherte Leistung wird nicht dadurch erstattet, dass das Unternehmen hervorragende Bilanzkennzahlen besitzt.
07

Matrix, Check und Quellen

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick und die konkrete Abnahme vor einer PKV-Entscheidung.

25 · Abnahmecheck

15 Fragen, bevor Unternehmenskennzahlen in eine PKV-Empfehlung einfließen

Betrachte ich gerade den Versicherer oder einen konkreten Tarif?
Stammt die Kennzahl aus einem Jahr oder aus einer Zeitreihe?
Gibt es einen Marktbenchmark oder eine Vergleichsgruppe?
Welche zweite Kennzahl erklärt den Wert möglicherweise?
Ist ein hoher Wert bei dieser Kennzahl tatsächlich positiv?
Könnte eine Veränderung aus einer bewussten Mittelverwendung stammen?
Trenne ich Voll- und Zusatzversicherung im Bestand?
Verwechsle ich Beitragswachstum mit Personenwachstum?
Lese ich RfB-Bestand und RfB-Zuführung gemeinsam?
Lese ich Schadenquote, Kosten und VEQ gemeinsam?
Betrachte ich Kapitalanlagewerte über mehrere Jahre?
Nutze ich historische Beitragsanpassungen nur als Rückblick?
Übertrage ich Unternehmensdurchschnitte nicht auf einen Einzeltarif?
Ist das Versicherungsbedingungswerk separat geprüft?
Passt der Tarif zur persönlichen Situation und Gesundheitsprüfung?
Jan Pohl Versicherungsmakler Aachen

Einschätzung von Jan Pohl

Unternehmenskennzahlen gehören in die Analyse – aber nicht an den Anfang

Bei einer privaten Krankenversicherung möchte ich wissen, wie das Unternehmen wirtschaftlich aufgestellt ist. Ein Vertrag kann vierzig oder fünfzig Jahre laufen. RfB, Ergebnis, Kapitalanlage, Kosten und Bestandsentwicklung einfach zu ignorieren, wäre deshalb zu wenig.

Ich würde trotzdem keinen Tarif wegen einer einzelnen Bilanzkennzahl auswählen. Zuerst muss der Versicherungsvertrag zur Person passen. Danach prüfe ich, bei welchem Unternehmen dieser Vertrag liegt. Erst zusammen mit Gesundheitsprüfung, persönlicher Lebensplanung und Beitrag entsteht eine belastbare Entscheidung.

PKV-Tarif und Versicherer gemeinsam prüfen

Wenn Sie bereits Angebote haben, kann die Prüfung auf drei Ebenen erfolgen: Leistungsbedingungen, Unternehmenskennzahlen und persönliche Eignung. Bei Vorerkrankungen sollte vor einem formellen Antrag zusätzlich die Risikoprüfung geklärt werden.

27 · FAQ

Häufige Fragen zu PKV-Kennzahlen

Welche PKV-Kennzahl ist die wichtigste?

Eine einzelne wichtigste Kennzahl gibt es nicht. RfB, VEQ, Eigenkapital, Solvenz, Kapitalanlage, Kosten und Bestandsentwicklung beantworten unterschiedliche Fragen. Aussagekräftiger sind Kennzahlenblöcke, Zeitreihen und ein Vergleich mit dem Markt.

Was sagt die RfB-Quote in der privaten Krankenversicherung aus?

Die genaue Definition hängt vom verwendeten Kennzahlenkatalog ab. ASCORE bezieht seine RfB-Quote auf die Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung im relevanten, nach Art der Lebensversicherung kalkulierten Geschäft. Für die Einordnung sollten zusätzlich Zuführung, Entnahmen und Verwendungszweck betrachtet werden.

Ist eine hohe RfB-Quote immer gut?

Vorhandene RfB-Mittel sind grundsätzlich positiv. Eine niedrigere Quote kann aber auch dadurch entstehen, dass ein Versicherer Mittel zugunsten der Versicherten eingesetzt hat. Deshalb sind Bestand, Zuführung, Entnahmen und der wirtschaftliche Gesamtkontext gemeinsam zu betrachten.

Was ist die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote, kurz VEQ?

Die VEQ zeigt vereinfacht, welcher Teil der Beitragseinnahmen nach den relevanten Schaden- und Kostenaufwendungen im Versicherungsgeschäft verbleibt. Sie ist eine Unternehmenskennzahl und keine Prognose für die nächste Beitragsanpassung eines einzelnen Tarifs.

Was sagt die Schadenquote eines privaten Krankenversicherers?

Die PKV-Schadenquote ist keine bloße Quote bezahlter Arztrechnungen. In der branchenspezifischen Kennzahl werden auch Zuführungen zu Alterungsrückstellungen berücksichtigt. Sie sollte deshalb zusammen mit Kostenquoten und der versicherungsgeschäftlichen Ergebnisquote gelesen werden.

Ist eine niedrige Verwaltungskostenquote automatisch besser?

Niedrigere Verwaltungskosten sind wirtschaftlich grundsätzlich günstig. Aus der Quote allein lässt sich aber keine Servicequalität ableiten. Investitionen in IT, Leistungsbearbeitung oder Kundenservice können die Kosten ebenfalls beeinflussen.

Wie wichtig ist die Nettoverzinsung für die PKV?

Die Nettoverzinsung zeigt das Ergebnis der Kapitalanlage in Relation zum Kapitalanlagebestand. Wegen der langfristigen Kapitalanlage der PKV ist sie relevant. Einzelne Geschäftsjahre sind jedoch deutlich weniger aussagekräftig als Zeitreihen und der Vergleich mit dem Markt.

Was bedeutet eine SCR-Quote von mehr als 100 Prozent?

Vereinfacht zeigt eine SCR-Quote oberhalb von 100 Prozent, dass die anrechenbaren Eigenmittel die regulatorische Solvenzkapitalanforderung bedecken. Ein höherer Wert ist aber keine lineare Qualitätsnote für einen Tarif und keine Garantie für besonders stabile Beiträge.

Kann man mit früheren Beitragsanpassungen den günstigsten PKV-Tarif im Alter bestimmen?

Nein. Historische Beitragsanpassungen sind wichtige Rückblickdaten, aber keine belastbare Prognose für die zukünftigen Beiträge eines einzelnen Tarifs. Tarifkalkulation, Leistungsausgaben, Rechnungsgrundlagen und gesetzliche Anpassungsmechanismen verändern sich.

Warum können PKV-Beiträge nach mehreren ruhigeren Jahren stärker angepasst werden?

Für nach Art der Lebensversicherung kalkulierte Tarife schreibt § 155 VAG regelmäßige Vergleiche zwischen erforderlichen und kalkulierten Versicherungsleistungen vor. Werden die maßgeblichen Auslöser erreicht und ist die Abweichung nicht nur vorübergehend, folgt eine vollständige Überprüfung der Rechnungsgrundlagen. Der genaue neue Beitrag ergibt sich aus dieser Neukalkulation und nicht einfach aus der Höhe der Schwellenüberschreitung.

Sind PKV-Unternehmenskennzahlen für Beamte, Ärzte und Professoren dieselben?

Die Unternehmenskennzahlen sind grundsätzlich dieselben. Die Tarifauswahl unterscheidet sich aber erheblich: Beamte und verbeamtete Professoren müssen Beihilfe und Restkostenschutz berücksichtigen; bei Ärzten können unter anderem Gebührenordnung, stationäre Leistungen, Krankentagegeld und Auslandsphasen besonders relevant sein.

Sind sechs ASCORE-Kompasse ein ausreichendes Kaufargument?

Nein. Eine hohe ASCORE-Unternehmensbewertung ist ein positives Analyseergebnis innerhalb der verwendeten Methodik. Sie ersetzt weder die Prüfung der konkreten Versicherungsbedingungen noch Gesundheitsprüfung, Beitrag, Beihilfe, Familienplanung und persönliche Leistungsprioritäten.

28 · Quellen

Quellen, Datenbasis und Grenzen der Aussage

Die Definition und Einordnung der Kennzahlen stützt sich auf öffentlich zugängliche Primär- und Branchenquellen sowie auf die im ASCORE Navigator strukturiert verfügbaren Tarif- und Unternehmensdaten. Unternehmenskennzahlen beschreiben historische beziehungsweise aktuelle Unternehmensdaten. Sie sind keine Garantie für die zukünftige Beitrags-, Ertrags- oder Bestandsentwicklung eines Krankenversicherers.

  1. ASCORE Analyse: PKV-Unternehmensscoring, Veröffentlichung vom 24.09.2025 – Methodik, vier Bewertungsbereiche, 17 direkt bewertete Kennzahlen, Drei-Jahres-Durchschnitt und Marktwerte des Geschäftsjahres 2024.
  2. ASCORE Analyse: PKV-Produktscoring 2026, 14.04.2026 – Tarifkriterien, Bewertungslogik und Abgrenzung der Tarif- von der Unternehmensanalyse.
  3. MORGEN & MORGEN: M&M Marktblick PKV-Beitragsstabilität 2026, 07.07.2026 – Methodik des Beitragsstabilitätsratings, Fünfjahresbetrachtung, 1.130 Tarifkombinationen, Eintrittsalter 21–50 sowie Mittelwert und Standardabweichung der relativen Beitragssteigerungen.
  4. Eigene explorative Gegenprobe, Stand 22.08.2026 – Abgleich von ASCORE-Unternehmenskennzahlen, unternehmensweiter Beitragsanpassungsquote, tarifbezogenen Stabilitätsdaten und aktuellen Softfair-Neugeschäftsbeiträgen. Die 13-Anbieter-Auswertung dient ausschließlich der methodischen Gegenprobe; kleine Anbieterzahl, unterschiedliche Tarifmischung und unterschiedliche Datenstände erlauben kein Prognosemodell.
  5. PKV-Verband: PKV-Zahlenportal – Unternehmens- und Branchenzeitreihen sowie Herkunft der Daten.
  6. PKV-Verband: Kennzahlenkatalog der Privaten Krankenversicherung – Definitionen und Interpretationshinweise zu den betriebswirtschaftlichen PKV-Kennzahlen.
  7. § 150 VAG – Gutschrift und Verwendung bestimmter Zinserträge zur Prämienentlastung in der nach Art der Lebensversicherung betriebenen Krankenversicherung.
  8. § 151 VAG – Überschussbeteiligung in der Krankenversicherung und Bezug zur Zuführung in die erfolgsabhängige RfB.
  9. § 22 KVAV – Mindestzuführung zur Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung.
  10. § 155 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) – Treuhänderzustimmung, Prämienüberprüfung und auslösende Faktoren.
  11. § 15 Krankenversicherungsaufsichtsverordnung (KVAV) – Verfahren zur Gegenüberstellung erforderlicher und kalkulierter Versicherungsleistungen.
  12. § 10 KVAV – getrennte Prämienkalkulation jeder Beobachtungseinheit eines Tarifs und Finanzierung des Übertragungswerts.
  13. § 14 KVAV – Berechnung des Übertragungswerts.
  14. § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) – Tarifwechselrechte in der Krankenversicherung und Anrechnung erworbener Rechte beziehungsweise Alterungsrückstellungen.
Stand der Quellenprüfung22. August 2026. Bei späterer Aktualisierung dieses Dossiers sollten insbesondere ASCORE-Unternehmensscoring, M&M-Beitragsstabilitätsmethodik, Branchenzeitreihen, gesetzliche Grundlagen und die Datenstände der eigenen empirischen Gegenprobe erneut geprüft werden.