19. Juni 2026

Kosten von Fondspolicen: Effektivkosten und Kundennutzen richtig prüfen

Kosten von Fondspolicen lassen sich nicht an einer einzigen Zahl ablesen. Effektivkosten, Abschlusskosten, laufende Vertragskosten, Fondskosten und eine mögliche separate Vergütung beantworten unterschiedliche Fragen. Für einen Neuabschluss zählt die Gesamtkostenbelastung über die geplante Laufzeit. Bei einem bestehenden Vertrag müssen dagegen Rückkaufswert, noch künftige Kosten, Steuerstatus, Garantien und Rentenfaktor mitgeprüft werden.

Das Wichtigste: Eine Fondspolice ist nicht automatisch teuer – und eine niedrige Effektivkostenquote macht noch keinen guten Vertrag. Die BaFin-Auswertung zum Neugeschäft 2021 zeigte bei vergleichbaren Modellfällen erhebliche Unterschiede. Für 37-Jährige mit 30 Jahren Laufzeit und 100 Euro Monatsbeitrag lagen die Effektivkosten der meistverkauften fondsgebundenen Produkte im gewichteten Mittel bei 1,90 Prozentpunkten; das 25-, 50- und 75-Prozent-Quantil lag bei 1,30, 1,64 und 2,35 Prozentpunkten. Einzelne meistverkaufte Produkte lagen oberhalb von vier Prozentpunkten.
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Woran erkennen Sie hohe Kosten bei einer Fondspolice? Prüfen Sie zuerst die Effektivkosten im Produktinformationsblatt. Danach zerlegen Sie den Wert in Abschluss- und Vertriebskosten, laufende Vertragskosten, Fondskosten und Kosten von Garantien oder Zusatzbausteinen. Vergleichen Sie nur Angebote mit identischem Beitrag, gleicher Laufzeit, gleicher Anlage und gleichem Garantieniveau. Bei einem Altvertrag darf die Entscheidung nicht allein auf den ursprünglichen Gesamtkosten beruhen: Bereits belastete Abschlusskosten sind wirtschaftlich versunken; relevant sind vor allem die Kosten und Leistungen ab heute.

Was Effektivkosten tatsächlich aussagen

Effektivkosten geben an, um wie viele Prozentpunkte die modellierte jährliche Wertentwicklung durch die im Vertrag berücksichtigten Kosten gemindert wird. Bei einer angenommenen Bruttowertentwicklung von sechs Prozent und Effektivkosten von zwei Prozent verbleibt in der Modellrechnung ungefähr eine Wertentwicklung von vier Prozent vor persönlichen Steuern. Die Kennzahl ist deshalb für den Vergleich nützlich – aber nur bei gleichen Annahmen.

Sie zeigen

Die standardisierte Renditeminderung durch die im Modell einbezogenen Kosten über eine festgelegte Laufzeit.

Sie zeigen nicht

Ob die Fonds gut gewählt sind, Garantien sinnvoll sind, der Rentenfaktor stark ist oder der Vertrag zu Ihrer Lebensplanung passt.

Sie sind laufzeitabhängig

Dieselben Abschlusskosten wiegen bei kurzer Laufzeit deutlich schwerer als bei einer langen Vertragsdauer.

Kein universeller Grenzwert: Aus den BaFin-Quantilen lässt sich kein allgemeines Siegel „gut unter X Prozent“ ableiten. Die Werte stammen aus bestimmten Modellfällen und dem Neugeschäft 2021. Ein Vertrag mit Garantie, Zusatzschutz oder besonderem Rentenfaktor darf nicht ungeprüft mit einer reinen ETF-Police verglichen werden.

Die fünf Kostenebenen einer Fondspolice

KostenebeneWas dahinterstecktWo Sie nachsehen
Abschluss und VertriebEinmalige oder über mehrere Jahre verteilte Vergütung für Abschluss und Vertrieb.Produktinformationsblatt, Angebot, Kostenübersicht
Laufende VertragskostenVerwaltungskosten auf Beitrag, Vertragsguthaben oder als feste Stückkosten.Produktinformationsblatt und Versicherungsbedingungen
FondskostenLaufende Kosten der ETFs oder Fonds, gegebenenfalls Transaktionskosten und erfolgsabhängige Vergütungen.Basisinformationsblatt des Fonds und Fondsliste
Garantie- und SicherungskostenKosten oder Renditeverzicht durch Sicherungsvermögen, Wertsicherungsfonds oder Umschichtungsmechanismen.Tarifbeschreibung, Garantiequote und Anlagekonzept
Separate VergütungBei Nettopolicen kann Beratung oder Vermittlung außerhalb des Versicherungsvertrags vergütet werden.Vergütungsvereinbarung; wirtschaftlich einschließlich entgangener Anlagerendite betrachten

Die BaFin weist zusätzlich auf Rückvergütungen von Fondsgesellschaften hin. In ihrer Abfrage 2021 gab es bei einem Teil des Neugeschäfts Zahlungen der Kapitalverwaltungsgesellschaften an Versicherer oder Vermittler. Solche Zahlungen können die Fondskosten erhöhen und Interessenkonflikte erzeugen. Deshalb reicht es nicht, nur die offen ausgewiesene Abschlussprovision zu betrachten.

Was die BaFin-Auswertung belegt – und was nicht

Die BaFin untersuchte für fondsgebundene Lebensversicherungen gegen laufenden Beitrag unter anderem die jeweils drei verkaufsstärksten Produkte der Versicherer im ersten Halbjahr 2021. Diese betrachteten Produkte deckten nach Beitragssumme etwa 51 Prozent des entsprechenden Neugeschäfts ab. Für den Modellfall Eintrittsalter 37 Jahre, 30 Jahre Laufzeit und 100 Euro Monatsbeitrag ergaben sich die genannten Quantile von 1,30, 1,64 und 2,35 Prozentpunkten sowie ein gewichtetes Mittel von 1,90 Prozentpunkten.

Die Aussage ist deutlich: Der Markt war kostenmäßig sehr heterogen, und hohe Kosten können den Kundennutzen gefährden. Die Aussage ist aber nicht, dass jede Fondspolice mit 1,90 Prozent Effektivkosten angemessen oder jede Police oberhalb dieses Werts ungeeignet wäre. Die BaFin führt keine allgemeine Preisfreigabe für einzelne Tarife durch. Sie prüft, ob Versicherer Zielmarkt, Kosten, Renditechance, Vertriebsanreize und Stornoverhalten im Produktfreigabeverfahren plausibel berücksichtigen.

Modellrechnung: Ein Prozentpunkt wirkt über Jahrzehnte

Das folgende Beispiel ist keine Tarifprognose. Es zeigt ausschließlich den Zinseszinseffekt: 300 Euro Monatsbeitrag, 30 Jahre Laufzeit, sechs Prozent angenommene Bruttowertentwicklung, Einzahlung jeweils zum Monatsende, ohne Steuern, Garantien oder Zusatzschutz.

Effektivkosten im ModellVerbleibende ModellrenditeKapital nach 30 Jahren
1 Prozentpunkt5 % p. a.rund 249.700 Euro
2 Prozentpunkte4 % p. a.rund 208.200 Euro
3 Prozentpunkte3 % p. a.rund 174.800 Euro

Zwischen einem und drei Prozentpunkten Kostenbelastung liegen in diesem vereinfachten Modell rund 74.900 Euro. Genau deshalb müssen Beitrag, Laufzeit, Fondsanlage und Garantie in einem Vergleich identisch sein. Sonst wird ein Kostenvergleich mit unterschiedlichen Renditeannahmen verwechselt.

Neuabschluss und bestehender Vertrag sind zwei verschiedene Prüfungen

Bei einem Neuabschluss

  • Angebote mit identischen Annahmen vergleichen
  • Effektivkosten und separate Vergütung zusammenrechnen
  • Fondskosten, Fondswechsel und verfügbare ETFs prüfen
  • garantierten und aktuellen Rentenfaktor unterscheiden
  • Beitragsfreistellung, Zuzahlung, Entnahme und Ablaufoptionen bewerten

Bei einem bestehenden Vertrag

  • Rückkaufswert und beitragsfreie Leistung anfordern
  • nur noch zukünftige Kosten und Leistungen ab heute vergleichen
  • Steuerregime des Altvertrags sichern
  • Garantien und garantierten Rentenfaktor nicht verschenken
  • Kündigung, Beitragsfreistellung, Fondswechsel und Fortführung getrennt rechnen

Ein häufiger Fehler ist, einen bestehenden Vertrag wegen hoher historischer Gesamtkosten zu kündigen und anschließend erneut Abschluss- oder Beratungskosten auszulösen. Die sinnvollere Frage lautet: Welche Alternative bietet ab heute nach allen Wechselkosten den höheren erwartbaren Kundennutzen? Dazu gehört auch die Seite Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen.

Welche Unterlagen Sie für einen belastbaren Vergleich brauchen

  • aktuelles Produktinformationsblatt oder Angebot mit Effektivkosten
  • vollständige Kostenübersicht und gegebenenfalls Vergütungsvereinbarung
  • Fondsliste einschließlich laufender Fondskosten
  • Versicherungsbedingungen zu Garantien, Fondswechseln und Vertragsoptionen
  • garantierter Rentenfaktor und Bedingungen für seine Änderung
  • bei Bestandsverträgen: Standmitteilung, Rückkaufswert und beitragsfreie Leistung

Die Standmitteilung richtig zu lesen ist bei einem Bestandsvertrag der erste Schritt. Für die Grundsatzfrage Versicherungsmantel oder Depot nutzen Sie den Vergleich ETF-Police oder ETF-Depot. Eine separate Vergütung und deren wirtschaftliche Wirkung wird auf der Seite Nettopolice vertieft.

Typische Fehlentscheidungen

Nur auf den niedrigsten Wert schauen

Niedrige Kosten kompensieren keinen schwachen Rentenfaktor, ungeeignete Garantien oder eine schlechte Fondsauswahl.

Unterschiedliche Modelle vergleichen

Eine ETF-Police ohne Garantie darf nicht mit einer Hybridpolice mit hoher Garantie anhand der Ablaufleistung allein verglichen werden.

Altvertrag wie Neuvertrag bewerten

Versunkene Abschlusskosten kommen durch eine Kündigung nicht zurück. Entscheidend ist die Rechnung ab heute.

Nettopolice ohne Vergütung rechnen

Produktkosten können niedriger sein, während eine separate Vergütung außerhalb des Vertrags anfällt.

Effektivkosten mit Fondskosten verwechseln

Die Fondskosten sind nur eine Kostenebene. Verwaltung, Abschluss, Garantie und Zusatzbausteine kommen hinzu.

Steuervorteil pauschal gegen Kosten stellen

Steuern hängen von Laufzeit, Auszahlungsform und persönlicher Situation ab. Ein Steuervorteil rechtfertigt nicht automatisch einen teuren Tarif.

Meine Einschätzung

Jan Pohl, ungebundener Versicherungsmakler in Aachen, prüft Kosten von Fondspolicen

„Bei einem Neuabschluss lasse ich Kosten, Fondsanlage, Garantie und Rentenfaktor mit identischen Annahmen nebeneinanderlegen. Bei einem bestehenden Vertrag ist die Prüfung komplizierter: Ein hoher ursprünglicher Kostenausweis ist noch kein Kündigungsgrund. Ich rechne den Vertrag ab heute gegen Fortführung, Beitragsfreistellung und eine echte Alternative. Erst dann lässt sich erkennen, ob ein Wechsel wirtschaftlich trägt.“

Jan Pohl, ungebundener Versicherungsmakler in Aachen

Häufige Fragen

Was sind gute Effektivkosten bei einer Fondspolice?

Es gibt keinen universellen Grenzwert. Die BaFin-Auswertung 2021 zeigt Vergleichswerte für konkrete Modellfälle, aber kein Qualitätssiegel. Entscheidend sind Laufzeit, Garantie, Fondsanlage, Rentenfaktor und Vertragsoptionen. Angebote sollten nur bei identischen Annahmen verglichen werden.

Sind Effektivkosten und Fondskosten dasselbe?

Nein. Fondskosten betreffen die gewählten ETFs oder Fonds. Effektivkosten sollen die Renditeminderung durch die im Modell berücksichtigten Gesamtkosten des Versicherungsvertrags darstellen. Je nach Unterlagen müssen Sie prüfen, welche Kosten bereits enthalten sind und welche separate Vergütung zusätzlich anfällt.

Soll ich eine bestehende Fondspolice mit hohen Kosten kündigen?

Nicht allein wegen des ursprünglichen Kostenausweises. Vergleichen Sie Rückkaufswert, künftige Kosten, Steuerstatus, Garantien, Rentenfaktor und Wechselkosten. Häufig sind Fondswechsel, Beitragsänderung oder Beitragsfreistellung Alternativen zur Kündigung.

Ist eine Nettopolice automatisch günstiger?

Nein. Die internen Produktkosten können niedriger sein, dafür kann eine separate Vergütung anfallen. Verglichen werden müssen Produktkosten, separate Vergütung und deren entgangene Anlagerendite sowie die Vertragsqualität.

Warum sind kurze Laufzeiten bei Fondspolicen problematisch?

Abschlusskosten und feste Vertragskosten verteilen sich auf weniger Jahre. Gleichzeitig bleibt weniger Zeit, Marktschwankungen auszugleichen. Eine Fondspolice setzt deshalb eine realistische lange Haltedauer voraus.

Fondspolice mit identischen Annahmen prüfen

Bringen Sie Produktinformationsblatt, Standmitteilung, Kostenübersicht und Versicherungsbedingungen mit. Wir vergleichen Fortführung, Anpassung und Alternativen – nicht nur eine einzelne Kostenquote.

Beratungstermin vereinbaren

Quellen und Einordnung:

BaFin, „Wenn Lebensversicherungen zu viel kosten“, 18.03.2022: Auswertung der Effektivkosten und Rückvergütungen.
BaFin, Konsultation zum Merkblatt über wohlverhaltensaufsichtliche Aspekte kapitalbildender Lebensversicherungen, 31.10.2022: Kundennutzen, Zielmarkt und risikobasierte Aufsicht.
BaFin, „Kundennutzen im Fokus“, 27.08.2024: Wohlverhaltensaufsicht bei Lebensversicherungen.
§ 2 VVG-InfoV: Informationspflichten einschließlich Kostenangaben.

Die Modellrechnung unterstellt regelmäßige Monatsbeiträge und konstante Renditen. Sie ist keine Prognose und ersetzt weder eine individuelle Versicherungs- noch Steuerberatung.

Nächste Entscheidung: Sind die Kosten geklärt, folgt die Systemfrage. Vergleichen Sie ETF-Police und ETF-Depot oder prüfen Sie bei separater Vergütung die Vertiefung Nettopolice.

In diesem Artikel:
Die BaFin sieht Fortschritte bei den Kosten von Fondspolicen – doch ein Teil des Marktes bleibt zu teuer. Woran Sie eine gute Police erkennen und wann sich ein Wechsel lohnt.
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