Die Finanzaufsicht BaFin sieht bei den Kosten von Fondspolicen Fortschritte – und zugleich einen Teil des Marktes, der weiter zu teuer ist. Im teuersten Viertel summieren sich die Kosten bei einem vorzeitigen Ausstieg auf rund 3,2 Prozent pro Jahr. Wer eine fondsgebundene Police zur Altersvorsorge nutzt oder abschließen will, sollte deshalb genau wissen, woran eine gute von einer teuren Police zu unterscheiden ist.
Worum es geht
Kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen sind ein zentraler Baustein der privaten Altersvorsorge – allein 2024 gab es laut BaFin rund 59 Millionen solcher Verträge. Entscheidend für die spätere Rendite ist nicht nur, wie gut das Geld angelegt wird, sondern wie viel die Police vorher an Kosten abzieht. Genau hier hat die BaFin seit Jahren erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern festgestellt. Die zentrale Frage für Sie lautet deshalb nicht „Fondspolice ja oder nein“, sondern: Ist diese Police preiswert genug, um ihr Renditeziel realistisch zu erreichen?
Kurz gesagt: Die BaFin verbietet teure Fondspolicen nicht. Sie verlangt aber, dass jede Police einen angemessenen Kundennutzen bietet. Es gibt gute, kostengünstige Verträge – man muss sie nur gezielt heraussuchen. Genau das ist die Aufgabe einer ordentlichen Beratung.
Was die BaFin gemessen hat
Die BaFin misst die Kostenbelastung an den sogenannten EffektivkosteniKennzahl, die angibt, um wie viele Prozentpunkte pro Jahr die Rendite einer Police durch Kosten gemindert wird. Steht im Produktinformationsblatt.. Diese Kennzahl zeigt, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite durch Kosten geschmälert wird. Bereits eine Abfrage zum Neugeschäft 2021 hatte gezeigt: In Einzelfällen lagen die Effektivkosten bei über vier Prozent. Erst oberhalb dieser Schwelle kam die Rendite überhaupt beim Kunden an – ein angemessener Kundennutzen erscheint hier zweifelhaft.
Als Reaktion hat die BaFin ihre WohlverhaltensaufsichtiAufsicht der BaFin darüber, ob Finanzprodukte fair gestaltet sind und ihren Kunden tatsächlich nutzen – nicht nur, ob sie rechtlich zugelassen sind. deutlich ausgebaut. Mit Erfolg: Einzelne Anbieter haben Produkte vom Markt genommen, es gab Kostensenkungen im Bestand, rückwirkende Ausgleichszahlungen – und gegen einzelne Geschäftsleiter sprach die Aufsicht Verwarnungen aus.
Was sich seit 2021 verbessert hat
Die gute Nachricht zuerst: Die Kosten sinken. Bei den im Neugeschäft dominierenden fondsgebundenen Produkten sanken die Effektivkosten seit 2021 deutlich. Gerade bei den verkaufsstarken langen Laufzeiten ging es im teuersten Viertel um mehr als 0,4 Prozentpunkte nach unten. Ein wesentlicher Grund: Versicherer setzen stärker auf kostengünstige ETFs statt auf teure aktiv gemanagte Fonds. Wie sich das auf Ihre Rendite auswirkt, zeigt unser Vergleich von ETF und fondsgebundener Versicherung im Detail.
| Fondspolice, teuerstes Viertel | Effektivkosten pro Jahr |
|---|---|
| Lange Laufzeit (rund 30 Jahre), Vertrag läuft regulär bis zum Ende | rund 1,9 % |
| Vorzeitiger Ausstieg nach 15 Jahren (fondsgebunden und hybrid) | rund 3,2 % |
Der Knackpunkt: der vorzeitige Ausstieg
Die niedrigen 1,9 Prozent gelten nur, wenn der Vertrag bis zum Ende durchgehalten wird. Steigen Sie früher aus, sieht die Rechnung anders aus: Im teuersten Viertel liegen die Effektivkosten nach 15 Jahren bei rund 3,2 Prozent. Der Grund sind die AbschlusskosteniEinmalige Kosten zu Vertragsbeginn (z. B. Vermittlerprovision), die der Versicherer meist aus den Beiträgen der ersten Jahre deckt. Bei frühem Ausstieg wiegen sie besonders schwer., die zu Beginn anfallen und sich bei kurzer Laufzeit nicht mehr „verteilen“ lassen.
Was das praktisch bedeutet, macht eine einfache Rechnung klar: Bei einer Inflation von 2 Prozent müsste eine solche Police gut 5,2 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften – nur damit Ihre eingezahlten Beiträge ihre Kaufkraft behalten. Erst alles darüber hinaus ist echter Gewinn. Auffällig sind dabei Verträge mit hohen StornoquoteniAnteil der Verträge, die vorzeitig gekündigt werden. Hohe Frühstorno-Quoten deuten darauf hin, dass eine Police an Kunden verkauft wurde, zu denen sie nicht passt. in den ersten Jahren: Sie sind für die BaFin ein Hinweis darauf, dass die Police an Kunden verkauft wurde, zu denen sie gar nicht passt.
Hybridpolicen und das Cash-Lock-Risiko
Besonders genau schaut die BaFin auf dynamische HybridprodukteiPolice, die das Guthaben automatisch zwischen einem sicheren klassischen Topf und Fonds umschichtet, um eine Garantie zu halten. Bietet Garantie plus Renditechance – mit Nebenwirkungen. – Verträge, die Garantie und Fonds-Chance kombinieren, indem sie das Guthaben automatisch umschichten. Sie machen nach Vertragszahl über 20 Prozent des Neugeschäfts aus. Das Problem ist das sogenannte Cash-Lock-RisikoiNach einem starken Kurssturz schichtet die Police viel Geld in den sicheren Topf um. Erholen sich die Märkte, bleibt das Guthaben dort „gefangen“ und profitiert kaum von der Erholung.: Nach einem Kurssturz wird viel Geld in den sicheren Teil umgeschichtet. Erholen sich die Märkte anschließend, bleibt das Kapital dort weitgehend gefangen und macht den Aufschwung nur eingeschränkt mit.
Die BaFin hat dazu zehn Lebensversicherer befragt. Ergebnis: Besonders anfällig sind Verträge mit hohen Garantien (etwa 100 Prozent BeitragserhaltungsgarantieiZusage, dass am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Je höher die Garantie, desto weniger Geld kann renditestark in Fonds investiert werden.) und beitragsfreie Verträge. Die Aufsicht verlangt, dass die Umschichtungs-Logik schon bei der ProduktfreigabeiVorgeschriebenes Verfahren, in dem der Versicherer vor dem Verkauf festlegt, für welche Zielgruppe ein Produkt geeignet ist und ob es ihr nutzt. mitgedacht wird – denn sie verändert das Chancen-Risiko-Profil eines Vertrags massiv. Paradox dabei: Gerade eine hohe Garantie kann die Renditechance so stark begrenzen, dass am Ende wenig übrig bleibt.
Woran Sie eine teure Police erkennen
- Effektivkosten im Produktinformationsblatt: Als Faustregel aus der Praxis – Werte unter etwa 1,0 bis 1,5 Prozent sind gut, ab 2 Prozent erklärungsbedürftig, ab 3 Prozent kritisch.
- Was steckt im Fonds? Kostengünstige ETFs sind über Jahrzehnte ein klarer Vorteil gegenüber teuren aktiv gemanagten Fonds.
- Wie hoch ist die Garantie? 100-Prozent-Garantien klingen sicher, kosten aber Rendite und begünstigen das Cash-Lock-Risiko.
- Passt die Laufzeit? Eine Fondspolice rechnet sich vor allem langfristig. Wer absehbar früher aussteigen muss, zahlt drauf.
Wer diese Punkte gegeneinander abwägen will, sollte die Fondspolice nicht isoliert betrachten, sondern im Verhältnis zu den Alternativen. Unser Schichtenvergleich der Altersvorsorge zeigt, wann sich eine Versicherungslösung lohnt und wann ein Altersvorsorgedepot die günstigere Wahl ist. Und dass kostengünstig und nachhaltig kein Widerspruch sein muss, zeigt die nachhaltige Fondspolice.
Meine Einschätzung aus der Praxis

Die BaFin-Zahlen bestätigen, was ich in der Beratung ständig sehe: Zwischen der teuersten und der günstigsten Police liegen bei gleicher Laufzeit oft mehr als zwei volle Prozentpunkte Rendite pro Jahr. Über 30 Jahre macht das am Ende einen fünf- bis sechsstelligen Unterschied. „Fondspolice“ ist deshalb kein Gütesiegel – und auch kein Schimpfwort. Es kommt auf die konkrete Ausgestaltung an.
Meine klare Haltung: Lassen Sie sich nicht von einer hohen Garantie beruhigen, ohne nachzurechnen, was sie an Rendite kostet. Und unterschreiben Sie keine Police, deren Effektivkosten Sie nicht kennen. Wer mir eine bestehende Police vorlegt, bekommt von mir zuerst eine Zahl: die Effektivkosten. Daran entscheidet sich oft schon, ob sich ein Wechsel lohnt oder ob der Vertrag gut ist.
Nächste Schritte
Holen Sie Ihr Produktinformationsblatt heraus und suchen Sie die Effektivkosten. Liegt der Wert über 2 Prozent, lohnt ein zweiter Blick – bei über 3 Prozent sollten Sie genauer hinsehen, bevor Sie etwas ändern. Sie müssen das nicht allein einordnen: In einem Termin prüfen wir gemeinsam, ob Ihre Police zu den guten gehört oder ob eine günstigere Lösung mehr aus Ihren Beiträgen macht.
Häufige Fragen
Was sind Effektivkosten bei einer Fondspolice?
Die Effektivkosten geben an, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite Ihrer Police durch Kosten gemindert wird. Sie stehen im Produktinformationsblatt. Je niedriger der Wert, desto mehr von der Wertentwicklung kommt bei Ihnen an.
Sind Fondspolicen nach der BaFin-Kritik noch sinnvoll?
Ja, sofern die Police kostengünstig ist und zur Laufzeit passt. Die BaFin kritisiert nicht die Produktart, sondern zu hohe Kosten und mangelnden Kundennutzen einzelner Tarife. Es gibt gute Fondspolicen – entscheidend ist die Auswahl.
Warum sind die Kosten bei vorzeitigem Ausstieg so hoch?
Weil die Abschlusskosten am Anfang der Laufzeit anfallen. Bei einem frühen Ausstieg verteilen sie sich auf wenige Jahre und wiegen entsprechend schwer – im teuersten Viertel auf rund 3,2 Prozent pro Jahr nach 15 Jahren.
Quellen
BaFin, Risiken im Fokus 2026: „Kosten von kapitalbildenden Lebensversicherungen“. BaFin-Fachartikel vom 02.07.2025: „Dynamische Hybridprodukte: Dynamik mit Nebenwirkungen“. BaFin-Abfragen zu den Effektivkosten im Neugeschäft (2021 und 2024) – Datenbasis für die genannten 1,9 und 3,2 Prozent. Intern: ETF oder Fondspolice, Schichtenvergleich der Altersvorsorge, Altersvorsorgedepot, nachhaltige Fondspolice.
Lassen Sie die Kosten Ihrer Police prüfen
Sie haben eine Fondspolice oder denken über eine nach? In einem Termin ermitteln wir die Effektivkosten und ordnen ein, ob Ihr Vertrag zu den guten gehört – ungebunden.

Jan Pohl
Versicherungsmakler in Aachen seit 1999 · Schwerpunkt Akademiker, Ärzte, Beamte und Ingenieure
Ungebundener Versicherungsmakler · Pohl Versicherungsmakler e.K. · IHK Aachen · HRA 10268, AG Aachen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Versicherungsberatung. Für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Einschätzung vereinbaren Sie gerne einen Termin.











