Altersvorsorgedepot Kosten & Standarddepot

Altersvorsorgedepot Kosten: Was der Deckel des Standarddepots wirklich bringt

Kosten sind beim geförderten Altersvorsorgedepot die zweite, oft unterschätzte Stellschraube neben der Förderung. Hier sehen Sie, welche Gebühren anfallen, was der gesetzliche Kostendeckel des Standarddepots bedeutet – und wie ein einziger Prozentpunkt über Jahrzehnte einen erheblichen Teil der Rendite kosten kann (vereinfachte Modellrechnung).

Kostendeckel 1,0 % Standarddepot vs. frei gestaltet Mit Rechenbeispiel
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Auf einen Blick

  • Gesetzlicher Deckel: Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt.
  • Drei Kostenarten: Depot-/Verwaltungskosten, Fondskosten (laufende ETF-Gebühr) und mögliche Abschluss-/Vertriebskosten – erst die Summe zählt.
  • Standard vs. frei gestaltet: Nicht jedes Altersvorsorgedepot ist automatisch bei 1,0 Prozent gedeckelt. Erweiterte, frei gestaltete Produkte dürfen mehr Auswahl bieten – und mehr kosten.
  • Hebel Zeit: Über 30 bis 40 Jahre kann 1 Prozentpunkt mehr Kosten einen erheblichen Teil des Endkapitals kosten (Größenordnung rund 15 bis über 20 Prozent).

Die kurze Antwort

Was kostet das Altersvorsorgedepot? Beim gesetzlich regulierten Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt – das ist der günstige Standard. Andere Altersvorsorgeprodukte (frei gestaltete Depots oder Garantieprodukte) können abweichende Kosten haben; entscheidend ist immer die ausgewiesene Effektivkostenquote.

Entscheidend ist nicht eine einzelne Gebühr, sondern die Summe aller Kosten als Renditeminderung pro Jahr. Weil Kosten über Jahrzehnte exponentiell wirken, ist ein niedriges, transparentes Kostenniveau neben der Förderung der zweite große Hebel für das, was am Ende herauskommt.

Stand der Seite: aktueller Gesetzes- und Umsetzungsstand nach Bundestagsbeschluss vom 27.03.2026. Konkrete Anbieterangebote und Produktkosten stehen erst mit dem Marktstart ab 1. Januar 2027 fest. Den Überblick zur Reform finden Sie auf Altersvorsorgedepot – der Überblick.

Welche Kosten beim Altersvorsorgedepot anfallen

Hinter dem Wort „Kosten“ stecken mehrere Bausteine. Erst zusammengerechnet ergeben sie die Effektivkosten – die Zahl, die Ihre Rendite tatsächlich mindert.

1. Depot- und Verwaltungskosten

Gebühren für die Führung des Depots und die Abwicklung der Förderung (Zulagenverfahren). Beim Standarddepot Teil des gedeckelten Gesamtkostenrahmens.

2. Fondskosten (laufend)

Die jährliche Gebühr der eingesetzten Fonds (TER). Breit gestreute ETF sind hier besonders günstig.

3. Abschluss-/Vertriebskosten

Einmalige oder verteilte Kosten für Abschluss und Vertrieb. Beim Standarddepot stark begrenzt; bei erweiterten Produkten genauer prüfen.

Vergleichen Sie deshalb nie einzelne Gebühren, sondern immer die Effektivkosten als eine Prozentzahl pro Jahr. Sie bündelt alle drei Bausteine zur Renditeminderung.

Standarddepot: Was der Kostendeckel bedeutet

Das Standarddepot ist die gesetzlich besonders regulierte, einfache Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Es kann von Anbietern bereitgestellt werden; zusätzlich soll ein öffentlich organisiertes Standarddepot als Alternative eingeführt werden. Es verbindet drei Eigenschaften:

MerkmalStandarddepot
Effektivkostenauf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt
Anlagezwei vorab festgelegte Investmentvermögen (eines vorsichtiger, eines chancenorientierter); je nach Anbieter auch ETF-basiert
Komplexitätbewusst einfach: eine solide Standard-Strategie statt Tarif-Dschungel
Förderungförderfähig im Rahmen der gesetzlichen Voraussetzungen (Förderberechtigung, Beitragsgrenzen)
Wichtig: Der Deckel von 1,0 Prozent gilt für das Standarddepot, nicht automatisch für jedes am Markt angebotene Altersvorsorgedepot. Erweiterte Produkte dürfen darüber liegen – prüfen Sie dann die konkreten Effektivkosten.

Standarddepot, frei gestaltetes Depot oder Garantie – welche Form passt?

Ab 2027 wird es mehrere Ausprägungen geben. Sie unterscheiden sich vor allem in Auswahl, Kosten und Sicherheit. „Frei gestaltetes Depot“ ist dabei meine vereinfachende Bezeichnung – das BMF spricht offiziell vor allem von Altersvorsorgedepots (inklusive Standarddepot) und Garantieprodukten.

VarianteIdeeKostenFür wen
Standarddepotgünstige Basis mit festen Anlagevorgaben, ohne Garantiegedeckelt (1,0 %)kosten- und renditebewusst, langer Horizont
Frei gestaltetes Depotmehr Fonds- und Strategieauswahlhöher möglich – prüfenwer bewusst mehr Auswahl will und die Kosten abwägt
Garantieprodukt80 % oder 100 % Kapitalerhalt zu Auszahlbeginn, dafür weniger Renditechancetendenziell höherwer Schwankungen schwer aushält oder kurzen Horizont hat

Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie (typisch das Standarddepot) setzt auf langfristige Renditechancen – sinnvoll vor allem bei langem Anlagehorizont.

Faustregel: Wenn Sie eine lange Laufzeit haben und keine Garantie benötigen, ist das Standarddepot der erste Prüfpunkt. Wenn Sie besondere Anlagewünsche haben, sollten die Mehrkosten eines frei gestalteten Depots messbar begründet sein.

Für Kammerberufe (Ärzte, Apotheker, Architekten): Auch Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen werden künftig grundsätzlich einbezogen. Ob sich das Depot lohnt, hängt von Einkommen, Steuerstatus und vorhandener Versorgung ab – mehr auf Depot & Versorgungswerk.
Meine Prüfreihenfolge:
  1. Förderberechtigung und maximal sinnvollen Eigenbeitrag klären.
  2. Standarddepot als Kosten-Benchmark nehmen.
  3. Frei gestaltetes Depot nur prüfen, wenn konkrete Mehrwerte die Mehrkosten rechtfertigen.
  4. Garantieprodukt nur wählen, wenn Sicherheitsbedürfnis wichtiger ist als Renditechance.
Gerade für angestellte Ärzte mit Versorgungswerk lautet die Frage nicht „Depot oder Versorgungswerk“, sondern: Welche zusätzliche geförderte Schicht ergänzt die Pflichtversorgung sinnvoll?
Welche Schicht bringt bei gleicher Netto-Belastung am meisten?
Der Schichtenvergleichsrechner stellt Altersvorsorgedepot, Rürup, bAV und freien ETF-Sparplan gegenüber.
Zum Schichtenvergleichsrechner

Wie ein Prozentpunkt über 30 Jahre wirkt

Kosten klingen klein, wirken aber exponentiell. Ein vereinfachtes Beispiel: gleicher Sparbeitrag, gleiche Marktrendite – nur 1 Prozentpunkt Kostenunterschied pro Jahr, über 30 bis 40 Jahre.

Genau deshalb ist der Kostendeckel des Standarddepots so wertvoll: Er nimmt Ihnen die Sorge, dass hohe, intransparente Gebühren die Förderung wieder auffressen. Die genaue Größenordnung hängt von Beitrag, Laufzeit und Marktrendite ab – die Richtung ist aber immer dieselbe.

Recht & Struktur

  • Kostendeckel: Die Begrenzung der Effektivkosten auf 1,0 Prozent betrifft die Standardprodukt-Variante und ist Teil der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Start 1. Januar 2027).
  • Förderrahmen: Gefördert wird ein Eigenbeitrag bis 1.800 Euro im Jahr; die gesamte Einzahlungsobergrenze liegt bei 6.840 Euro. Niedrige Kosten und volle Förderung wirken zusammen.
  • Transparenz: Anbieter müssen die Effektivkosten ausweisen – achten Sie auf diese eine Prozentzahl statt auf einzelne Gebührenposten.

Quellen:

  • Bundesministerium der Finanzen, FAQ „Reform der geförderten privaten Altersvorsorge“: bundesfinanzministerium.de
  • Deutscher Bundestag, Beschluss vom 27.03.2026 (Gesetzentwurf BT-Drs. 21/4088 in der Fassung der Beschlussempfehlung BT-Drs. 21/4996, in Ausschussfassung angenommen): bundestag.de

Typische Fehler bei den Kosten

  • Nur auf die Depotgebühr schauen. Eine niedrige Depotgebühr nützt wenig, wenn teure Fonds oder Vertriebskosten obendrauf kommen. Immer die Effektivkosten vergleichen.
  • Mehr Auswahl mit günstig verwechseln. Mehr Auswahl ist nicht automatisch besser – sie darf mehr kosten und ist nicht an den Deckel gebunden.
  • Kosten gegen Förderung ausspielen. Beides zählt: hohe Förderung plus niedrige Kosten ist das Ziel, nicht das eine statt des anderen.
  • Garantie um jeden Preis. Eine Beitragsgarantie kostet Rendite. Bei langem Horizont ist die ungedeckelte Renditechance oft mehr wert.
  • Den Zeit-Hebel unterschätzen. Was wie 0,5 Prozent wirkt, summiert sich über Jahrzehnte zu fünfstelligen Beträgen.

Meine Einschätzung

Jan Pohl, Versicherungsmakler aus Aachen, zu den Kosten des Altersvorsorgedepots

Bei Riester war das größte Problem selten die Förderung, sondern die Kosten – intransparent, hoch, renditefressend. Genau hier setzt das Standarddepot an: Ein klarer Deckel von 1,0 Prozent soll dem Tarif-Dschungel ein Ende setzen. Für viele Mandanten ist das Standarddepot der erste Vergleichsmaßstab: günstig, gefördert, verständlich.

Ein frei gestaltetes Produkt mit mehr Auswahl lohnt sich nur, wenn der Mehrwert die höheren Kosten wirklich rechtfertigt – das ist seltener der Fall, als der Vertrieb es darstellt. Mein Rat: zunächst prüfen, ob und in welcher Höhe die Förderung sinnvoll ist, dann ein kostengünstiges, zur Laufzeit und Risikotragfähigkeit passendes Produkt wählen und die Effektivkosten als eine Zahl vergleichen.

Jan Pohl

Versicherungsmakler aus Aachen · ungebunden · seit 1999

Nächste Schritte

  • Schritt 1: Klären, ob für Sie das günstige Standarddepot reicht (in vielen Fällen der erste Vergleichsmaßstab) oder ob ein frei gestaltetes Produkt einen echten Mehrwert bringt.
  • Schritt 2: Ab 2027 Angebote anhand einer Zahl vergleichen: der Effektivkosten pro Jahr.
  • Schritt 3: Kosten und Förderung zusammen betrachten – und die Reihenfolge Ihrer Vorsorge-Schichten festlegen.

Häufige Fragen zu den Kosten

Wie hoch sind die Kosten beim Altersvorsorgedepot?
Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt. Erweiterte Produkte können darüber liegen. Konkrete Zahlen stehen mit dem Marktstart 2027 fest; vergleichen Sie dann die ausgewiesenen Effektivkosten.
Gilt der Kostendeckel für jedes Altersvorsorgedepot?
Nein. Der Deckel von 1,0 Prozent betrifft das Standarddepot. Anbieter dürfen daneben erweiterte Produkte mit mehr Auswahl anbieten, die nicht an den Deckel gebunden sind.
Was sind Effektivkosten?
Die Effektivkosten fassen alle jährlichen Kosten (Depot, Fonds, Vertrieb) zu einer Prozentzahl zusammen, um die sie Ihre Rendite mindern. Sie sind die wichtigste Vergleichsgröße – nicht einzelne Gebühren.
Lohnt sich ein teureres, frei gestaltetes Produkt?
Nur, wenn die zusätzliche Auswahl einen echten Mehrwert bringt, der die höheren Kosten rechtfertigt. Für die meisten Sparer mit langem Horizont ist das günstige Standarddepot oft die bessere Wahl.
Wie stark beeinflussen Kosten das Ergebnis?
Erheblich. Über 30 bis 40 Jahre kann 1 Prozentpunkt mehr Kosten rund 15 bis über 20 Prozent des Endkapitals kosten – abhängig von Beitrag, Laufzeit und Marktrendite. Kosten sind nach der Förderung der zweitwichtigste Hebel.

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