Warum die BU-Leistungsprüfung länger dauert
Die Studie von Franke und Bornberg zeigt: Knapp 80 % der entschiedenen Leistungsanträge wurden anerkannt. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Regulierungsdauer für die ausgewerteten Fälle des Jahres 2024 auf 201 Tage.
Kurzantwort
Die BU zahlt häufig – aber die Prüfung bleibt lang und komplex
Knapp vier von fünf entschiedenen Leistungsanträgen wurden anerkannt. Bis zur Entscheidung vergingen im Durchschnitt jedoch 201 Tage. Eine vollständige Dokumentation, eine präzise Tätigkeitsbeschreibung und widerspruchsfreie medizinische Unterlagen können vermeidbare Rückfragen reduzieren. Eine bestimmte Bearbeitungsdauer lässt sich dennoch nicht garantieren.
01 · Einordnung
Was die Studie tatsächlich misst
Franke und Bornberg wertete 36.128 BU-Leistungsfälle von 16 Versicherern aus. Nach Angaben des Herausgebers entspricht das mehr als 60 % der deutschen BU-Leistungsfälle. Die Daten beziehen sich auf Leistungsfälle des Jahres 2024 und wurden 2026 veröffentlicht.
Wichtig: Die Anerkennungsquote bezieht sich auf entschiedene Leistungsanträge. Sie darf nicht mit allen Erstmeldungen, noch offenen Verfahren oder Fällen ohne ausreichende Mitwirkung gleichgesetzt werden.
02 · Regulierungsdauer
Bis zur Entscheidung vergingen durchschnittlich 201 Tage
| Auswertung | Durchschnittliche Dauer | Einordnung |
|---|---|---|
| Gesamtregulierung | 201 Tage | Von der Leistungsprüfung bis zur abschließenden Entscheidung. |
| Anerkennungen | 192 Tage | Auch erfolgreiche Verfahren dauern häufig mehrere Monate. |
| Ablehnungen | 208 Tage | Ablehnungen dauerten im Mittel etwas länger. |
| Psychische Erkrankungen – Anerkennung | 286 Tage | Besonders aufwendige medizinische und berufliche Einordnung. |
| Psychische Erkrankungen – Ablehnung | 278 Tage | Auch abgelehnte Fälle lagen deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. |
Bereits der Start des Verfahrens kostet Zeit
3,6 Tage
Durchschnittlich bis zur ersten Kontaktaufnahme durch den Versicherer.
43,6 Tage
Durchschnittlich bis zur Rückgabe des Kundenfragebogens.
18 Tage
Durchschnittlich für die erste Auswertung nach Rücklauf des Fragebogens.
Danach folgen regelmäßig medizinische Auskünfte, Tätigkeitsanalysen, Rückfragen, Gutachten und gegebenenfalls Abstimmungen mit Behörden oder weiteren Beteiligten.
03 · Anerkennung
Die Anerkennungsquote bleibt auf hohem Niveau
Knapp 80 % der von der Studie erfassten und entschiedenen Leistungsanträge wurden anerkannt. Das spricht gegen die pauschale Behauptung, BU-Versicherer würden grundsätzlich nicht zahlen. Die Quote sagt jedoch nichts darüber aus, wie schnell ein konkreter Fall entschieden wird oder ob jeder Versicherer gleich gut reguliert.
Für die Auswahl bedeutet das: Vertragsbedingungen, Risikoprüfung, Stabilität und nachweisbare Leistungspraxis sollten gemeinsam bewertet werden. Der günstigste Beitrag allein ist kein belastbares Auswahlkriterium.
04 · Ablehnungsgründe
Medizinische Gründe dominieren die Ablehnungen
Der wichtigste Ablehnungsgrund war, dass der nach den Vertragsbedingungen erforderliche Berufsunfähigkeitsgrad medizinisch nicht erreicht oder nicht ausreichend nachgewiesen wurde. Verweisung und Umorganisation spielten dagegen zusammen nur eine geringe Rolle.
Eine Diagnose allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie stark die Erkrankung die zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte konkrete Tätigkeit einschränkt.
05 · Mitwirkung
Unterbrochene Verfahren sind nicht automatisch endgültige Ablehnungen
Eine Sonderauswertung betrachtete 7.780 Versicherte mit mindestens einer Mitwirkungspflichtverletzung. 25,24 % meldeten sich später erneut. Von diesen wieder aufgenommenen Fällen wurden 53 % anerkannt.
Das zeigt: Fehlende Fragebögen, ausstehende Unterlagen oder nicht beantwortete Rückfragen können Verfahren zum Stillstand bringen. Ein solcher Vorgang darf nicht pauschal als endgültige Leistungsablehnung interpretiert werden.
06 · Psychische Erkrankungen
Psychische Erkrankungen führen besonders häufig zu langen Verfahren
Bei psychischen Erkrankungen müssen Diagnose, Verlauf, funktionelle Einschränkungen und berufliche Tätigkeit besonders sorgfältig zusammengeführt werden. Arztberichte beschreiben häufig die Erkrankung, aber nicht automatisch deren konkrete Wirkung auf einzelne berufliche Aufgaben.
Berufsbild
Welche Aufgaben, Zeitanteile, Verantwortung und Belastungen prägten die Tätigkeit?
Funktionelle Einschränkungen
Welche konkreten Tätigkeiten sind nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich?
Konsistenz
Stimmen Fragebogen, Arztunterlagen, Alltag und berufliche Darstellung miteinander überein?
07 · Vorbereitung
So lässt sich ein BU-Leistungsfall strukturiert vorbereiten
- Vertrag und Anspruchsvoraussetzungen prüfen.
Definition der Berufsunfähigkeit, Prognosezeitraum, Nachweise und mögliche Zusatzklauseln klären. - Konkrete Tätigkeit dokumentieren.
Aufgaben, Zeitanteile, Verantwortung, Arbeitsumgebung und körperliche oder geistige Anforderungen darstellen. - Medizinische Unterlagen ordnen.
Diagnosen, Befunde, Therapien, Behandlungsverlauf und funktionelle Einschränkungen zusammenführen. - Widersprüche vor Abgabe erkennen.
Frühere Gesundheitsangaben, Arztberichte und Leistungsfragebogen auf Abweichungen prüfen. - Rückfragen vollständig beantworten.
Fristen, Schweigepflichtentbindungen und Nachforderungen kontrolliert bearbeiten. - Kommunikation dokumentieren.
Unterlagen, Versandnachweise, Telefonate und Zwischennachrichten in einer Schadenakte sammeln.
Eine gute Vorbereitung kann vermeidbare Rückfragen reduzieren. Sie ersetzt jedoch weder die medizinische Prüfung noch garantiert sie eine Anerkennung oder bestimmte Bearbeitungsdauer.
08 · Vorsorge beim Abschluss
Viele spätere Probleme entstehen bereits beim Antrag
Unvollständige oder widersprüchliche Gesundheitsangaben können im Leistungsfall zusätzliche Prüfungen auslösen. Ebenso wichtig ist eine realistische Beschreibung des Berufs. Eine zu grobe Berufsbezeichnung bildet die tatsächlichen Aufgaben häufig nicht ausreichend ab.
Vertiefung: Gesundheitsfragen bei BU und Krankenversicherung richtig beantworten.
09 · Versichererauswahl
Gute Bedingungen allein reichen nicht
Vertragsqualität
Definitionen, Prognosezeitraum, Verweisung, Nachprüfung, AU-Leistung und Nachversicherung.
Unternehmensqualität
Finanzielle Stabilität, Beitragskalkulation, Bestandsführung und langfristige Verlässlichkeit.
Leistungspraxis
Anerkennungen, Bearbeitungsdauer, Prozessqualität und nachvollziehbare Entscheidungen.

Die Studie ergänzt die Bedingungsprüfung – sie ersetzt sie nicht.
Für eine belastbare BU-Auswahl müssen Beitrag, Vertragsbedingungen, Risikoprüfung, Unternehmensstabilität und Leistungspraxis zusammenpassen. Die Studienwerte helfen bei der Markteinordnung. Ob ein konkreter Tarif zur persönlichen Situation passt, bleibt eine individuelle Prüfentscheidung.
10 · Fazit
Die BU leistet häufig – der Leistungsprozess bleibt dennoch anspruchsvoll
Knapp 80 % Anerkennung sind ein starkes Signal für die grundsätzliche Leistungsfähigkeit der untersuchten Versicherer. Durchschnittlich 201 Tage bis zur Entscheidung zeigen zugleich, wie belastend und komplex ein Leistungsfall werden kann.
Der praktische Schluss: Der Vertrag sollte bereits beim Abschluss sauber vorbereitet werden. Im Leistungsfall müssen Tätigkeit, Einschränkungen und medizinische Unterlagen konsistent zusammengeführt werden. Bei der Versichererauswahl zählt neben dem Bedingungswerk auch die tatsächliche Regulierungspraxis.
BU-Antrag oder Leistungsfall strukturiert prüfen
Ich ordne die Ausgangslage, die benötigten Unterlagen und die nächsten sinnvollen Schritte. Eine Leistungszusage oder bestimmte Bearbeitungsdauer kann nicht versprochen werden.
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FAQ
Häufige Fragen zur BU-Leistungspraxisstudie 2026
Wie hoch ist die Anerkennungsquote bei der BU?
Bei den untersuchten, entschiedenen Leistungsanträgen lag sie 2024 bei knapp 80 %. Die Quote darf nicht pauschal auf jede Erstmeldung oder jeden Versicherer übertragen werden.
Wie lange dauert eine BU-Leistungsprüfung?
Die durchschnittliche Gesamtregulierungsdauer lag bei 201 Tagen. Anerkennungen dauerten 192 Tage, Ablehnungen 208 Tage.
Warum dauern psychische Erkrankungen länger?
Diagnose, Verlauf, funktionelle Einschränkungen und konkrete berufliche Tätigkeit müssen besonders sorgfältig zusammengeführt werden.
Was ist der häufigste Ablehnungsgrund?
Fast 60 % der Ablehnungen erfolgten aus medizinischen Gründen, insbesondere weil der erforderliche BU-Grad nicht erreicht wurde.
Kann ich die Prüfung beschleunigen?
Vollständige Unterlagen und eine präzise Tätigkeitsbeschreibung können Rückfragen reduzieren. Eine bestimmte Bearbeitungsdauer lässt sich nicht garantieren.
Reicht eine Diagnose für die Leistung?
Nein. Entscheidend ist die konkrete Auswirkung auf die zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte berufliche Tätigkeit.
Quellen und Stand
Datengrundlage
Alle Zahlen beziehen sich auf Veröffentlichungen von Franke und Bornberg zur BU-Leistungspraxisstudie 2026. Die Leistungsfälle stammen aus dem Geschäftsjahr 2024. Redaktionell geprüft am 30. Juli 2026.
- BU-Leistungspraxisstudie 2026 – Versicherer zahlen, aber es dauert länger
- Regulierungsdauer bei Leistungsentscheidungen
- Mitwirkungspflicht in der BU-Versicherung
- Gründe für Anerkennungen und Ablehnungen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung oder rechtliche Prüfung. Für einen konkreten Anspruch gelten der individuelle Vertrag, die tatsächliche Tätigkeit, der medizinische Sachverhalt und die vollständigen Nachweise.










