Beihilfe Nordrhein-Westfalen

Beihilfeprofil NRW · Datenstand 01.08.2026

Beihilfe Nordrhein-Westfalen: Bemessung, Fristen und PKV

Die Beihilfe in Nordrhein-Westfalen richtet sich nach der BVO NRW. Entscheidend sind der persönliche , die , die , und die passende .

50 %Regelsatz für aktive Beamte, Richter und Anwärter im Grundfall.
70 %Bei erfüllter Kinderregel; Zuordnung und Konkurrenzregeln beachten.
70 %Regelsatz für Versorgungsempfänger.
80 %Regelsatz für berücksichtigungsfähige Kinder.

02 · Zuständigkeit

Für wen gilt die Beihilfe NRW?

Aktive Landesbeamte

Im Grundfall beträgt der Bemessungssatz 50 %. Für Anwärter und Richter gelten dieselben Grundprinzipien, soweit keine Sonderregel eingreift.

Versorgungsempfänger

Im Ruhestand beträgt der Regelsatz 70 %. Die PKV-Restkostenquote sollte rechtzeitig angepasst werden.

Berücksichtigungsfähige Angehörige

Ehe- oder Lebenspartner und Kinder haben eigene Voraussetzungen und Bemessungssätze. Die bloße Familienzugehörigkeit reicht nicht aus.

Landesdienst ist nicht der einzige AnwendungsfallAuch kommunale und andere Dienstherren in NRW können eigene Beihilfestellen haben. Maßgeblich ist das konkret anwendbare Beihilferecht und die zuständige Festsetzungsstelle. Für Bundesbedienstete gilt stattdessen die Bundesbeihilfe nach der BBhV.

Regelmäßig zuständige Stelle: Zuständige Beihilfestelle nach § 13 BVO NRW; je nach Dienstherr LBV, Bezirksregierung, Hochschule, Kommune oder andere Stelle

03 · Bemessungssätze

Wie hoch ist der Beihilfesatz in NRW?

Regel-Bemessungssätze nach BVO NRW
Person oder StatusBemessungssatzWichtiger Prüfpunkt
Aktive Beamte, Richter und Anwärter50 %Grundfall ohne erhöhten Satz.
Aktive Person mit erfüllter Kinderregel70 %Zwei oder mehr berücksichtigungsfähige Kinder; Zuordnung bei mehreren Berechtigten prüfen.
Versorgungsempfänger70 %Restkostenquote der PKV beim Übergang in den Ruhestand kontrollieren.
Berücksichtigungsfähige Ehe- oder Lebenspartner70 %Einkommensgrenze und weitere Voraussetzungen beachten.
Berücksichtigungsfähige Kinder80 %Eigener Anspruch und eigener PKV-Restkostentarif.
Bemessungssatz ist nicht gleich RechnungsquoteDie Beihilfe wendet den Bemessungssatz auf den anerkannten beihilfefähigen Betrag an. Nicht beihilfefähige Aufwendungen, Höchstgrenzen und Eigenanteile können daneben verbleiben.

04 · Familie

Welche Regeln gelten für Ehepartner und Kinder?

Bei Ehe- und Lebenspartnern ist die Einkommensgrenze zentral. Für NRW sind Aufwendungsjahr und Einkommensbezugsjahr voneinander zu unterscheiden.

Freigegebene NRW-Einkommensgrenzen2026: 23.861 EUR (Einkünfte 2025); 2027: 24.873 EUR (Einkünfte 2026)
  • Aufwendungsjahr und dazugehöriges Einkommensbezugsjahr korrekt zuordnen.
  • Steuerliche Einkünfte und gesetzlich hinzuzurechnende Beträge vollständig erfassen.
  • Bei Kindern die Berücksichtigungsfähigkeit und Zuordnung zum Berechtigten klären.
  • Bei mehreren Beihilfeberechtigten den erhöhten Kinder-Bemessungssatz nicht doppelt ansetzen.
Familienänderungen wirken auf die PKVGeburt, Wegfall der Berücksichtigungsfähigkeit, Scheidung oder Ruhestand können den Bemessungssatz und damit die benötigte Restkostenquote verändern.

05 · Antrag und Ausschlussfrist

Wie lange können Rechnungen in NRW eingereicht werden?

Allgemeine Frist

24 Monate nach Entstehen der Aufwendungen; spätestens 24 Monate nach erster Rechnungsausstellung

Die Frist ist eine Ausschlussfrist. Nach ihrem Ablauf kann der Anspruch grundsätzlich nicht mehr durchgesetzt werden.

Fristanker

Die Frist knüpft an das Entstehen der Aufwendungen an. Zusätzlich besteht eine späteste Grenze ab der ersten Rechnungsausstellung.

Einreichungsweg

Je nach zuständiger Beihilfestelle können App, Onlineverfahren oder Papierform genutzt werden. Die Vorgaben der eigenen Stelle sind maßgeblich.

Erstantrag

Beim ersten Antrag sind regelmäßig zusätzliche Nachweise zu Status, Versicherung und Angehörigen erforderlich.

Rechnungen nicht bis zum Fristende sammelnBei Rückfragen, fehlenden Nachweisen oder Zuständigkeitswechseln kann wertvolle Zeit verloren gehen. Eine laufende Einreichungsroutine reduziert dieses Risiko.

06 · Krankenhaus und Eigenanteile

Welche stationären Wahlleistungen sind in NRW beihilfefähig?

Die BVO NRW erkennt bestimmte gesondert berechnete ärztliche und zahnärztliche Leistungen sowie die Unterkunft im niedrigsten Zweibettzimmersatz grundsätzlich an. Dabei gelten tägliche Abzüge und jährliche Höchsttage.

Stationäre Wahlleistungen in NRW
LeistungBeihilferechtliche EinordnungPraktische Folge
Wahlärztliche und wahlzahnärztliche Leistungen10 Euro je Aufenthaltstag, höchstens 20 Tage im KalenderjahrAuch bei versicherter Wahlarztleistung kann ein Eigenanteil verbleiben.
Unterkunft im Zweibettzimmer15 Euro je Aufenthaltstag, höchstens 20 Tage im KalenderjahrMaßgeblich ist der niedrigste Zweibettzimmersatz ohne Komfortzuschläge.
VSM-ZusammenfassungWahlärztliche und wahlzahnärztliche Krankenhausleistungen abzüglich 10 EUR je Aufenthaltstag sowie Unterkunft im niedrigsten Zweibettzimmersatz abzüglich 15 EUR je Aufenthaltstag; beide Abzüge jeweils höchstens für 20 Tage im Kalenderjahr.
KostendämpfungspauschaleSeit dem Kalenderjahr 2022 wird keine Kostendämpfungspauschale erhoben; gesonderte Eigenanteile, insbesondere bei stationären Wahlleistungen, bleiben davon unberührt.

07 · Restkostenabsicherung

Wie muss die PKV zur Beihilfe NRW passen?

Der PKV-Tarif ergänzt den persönlichen Beihilfesatz. Er muss sowohl die richtige Restkostenquote als auch ein passendes Leistungsniveau abbilden. Eine rein rechnerische Quote reicht nicht aus.

Zusammenspiel von Beihilfe NRW und privater KrankenversicherungEine Rechnung wird nach der BVO NRW auf Beihilfefähigkeit geprüft. Die Beihilfe übernimmt den persönlichen Bemessungssatz, die private Krankenversicherung den tariflich versicherten Rest. Eigenanteile können verbleiben.ArztrechnungPrüfung nachBVO NRWBeihilfe NRWpersönlicher BemessungssatzPKV-Restkostentariftariflich versicherter RestMöglicheEigenanteileAbzüge, Höchstgrenzenund Tariflücken

Beihilfe und PKV wenden unterschiedliche Regelwerke an. Die Summe beider Zahlungen muss deshalb nicht automatisch der vollständigen Rechnung entsprechen.

Restquote kontrollieren

Bei Wechsel auf 70 Prozent Beihilfe sinkt die rechnerische Restquote regelmäßig auf 30 Prozent. Änderungen dürfen aber erst nach bestätigtem Status erfolgen.

Tarifleistungen kontrollieren

Besonders relevant sind Gebührenhöchstsätze, Hilfsmittel, Psychotherapie, Zahnersatz, Krankenhausleistungen und Auslandsbehandlung.

Vertiefung: Beihilfe und PKV als Restkostensystem

08 · Sonderfälle

Pauschale Beihilfe, Heilfürsorge und Dienstherrnwechsel

Pauschale Beihilfe

Die BVO NRW regelt individuelle Beihilfe und keine allgemeine beitragsbezogene pauschale Beihilfe nach Hamburger Modell.

Pauschale und individuelle Beihilfe unterscheiden.

Freie Heilfürsorge

Vorrangige Heilfürsorge für landesrechtlich bestimmte Vollzugsgruppen

Heilfürsorge, Anwartschaft und Übergang zur Beihilfe.

Dienstherrnwechsel

Keine automatische Portabilität; ab dem maßgeblichen Zeitpunkt gilt das Recht des neuen Dienstherrn. Aufwendungen nach Entstehungszeitpunkt und Zuständigkeit zuordnen.

Offene Rechnungen und die PKV-Restquote müssen zeitlich sauber abgegrenzt werden. Wie sich Zuständigkeit und Stichtag beim Dienstherrnwechsel bestimmen, ist gesondert dargestellt.

09 · Praxischeck

Diese Angaben sollten vor einer PKV-Entscheidung feststehen

  • Welcher Dienstherr und welche Beihilfestelle sind zuständig?
  • Welcher Bemessungssatz gilt aktuell und ab welchem Datum?
  • Welche Kinder sind wem zugeordnet und berücksichtigungsfähig?
  • Liegt das Einkommen des Ehe- oder Lebenspartners unter der maßgeblichen Grenze?
  • Welche PKV-Restkostenquote wird für jedes Familienmitglied benötigt?
  • Welche Tarifleistungen ergänzen die BVO NRW sinnvoll?
  • Besteht Zugang über die PKV-Öffnungsaktion?
  • Welche Einreichungs- und Voranerkennungsfristen laufen?

PKV-Öffnungsaktion für Beamte: Frist und Antrag

Jan Pohl, Versicherungsmakler und Fachwirt für Versicherungen und Finanzen

Beihilfe NRW in die persönliche PKV-Strategie übersetzen

Jan Pohl verbindet die BVO NRW mit dem konkreten Beamtenstatus, der Familienkonstellation und dem PKV-Tarif. Im Mittelpunkt stehen die richtige Restkostenquote, belastbare Leistungsbedingungen und rechtzeitig erkannte Statusänderungen.

Beratung ungebunden und strukturiert: Beihilfestatus klären, Tarifbedingungen prüfen, Alternativen vergleichen und Entscheidung dokumentieren.

11 · Häufige Fragen

FAQ zur Beihilfe Nordrhein-Westfalen

Wie hoch ist der Beihilfesatz für aktive Beamte in NRW?

Im Grundfall beträgt der Bemessungssatz 50 %. Bei zwei oder mehr berücksichtigungsfähigen Kindern kann er unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf 70 % steigen.

Wie hoch ist die Einkommensgrenze für Ehepartner?

2026: 23.861 EUR (Einkünfte 2025); 2027: 24.873 EUR (Einkünfte 2026). Aufwendungsjahr und Einkommensbezugsjahr müssen korrekt zugeordnet werden.

Wie lange können Rechnungen eingereicht werden?

24 Monate nach Entstehen der Aufwendungen; spätestens 24 Monate nach erster Rechnungsausstellung. Die Ausschlussfrist sollte nicht ausgereizt werden.

Gibt es in NRW eine Kostendämpfungspauschale?

Seit dem Kalenderjahr 2022 wird keine Kostendämpfungspauschale erhoben; gesonderte Eigenanteile, insbesondere bei stationären Wahlleistungen, bleiben davon unberührt.

Gibt es in NRW eine allgemeine pauschale Beihilfe?

Die BVO NRW regelt individuelle Beihilfe und keine allgemeine beitragsbezogene pauschale Beihilfe nach Hamburger Modell.

Wie wird die PKV-Restquote bestimmt?

Ausgangspunkt ist 100 Prozent minus persönlicher Bemessungssatz. Zusätzlich müssen Tarifleistungen, Beihilfegrenzen und mögliche Eigenanteile geprüft werden.

12 · Amtliche Grundlagen

Rechtsgrundlage und offizielle Informationsstellen

Vollzitat im VSM: Beihilfenverordnung NRW vom 5. November 2009 in der Fassung gültig ab 1. Januar 2026

Rechts- und Datenstand der dynamischen Werte: 01.08.2026. Maßgeblich bleiben die aktuelle amtliche Fassung und die Entscheidung der zuständigen Beihilfestelle im Einzelfall.

Beihilfe NRW und PKV gemeinsam prüfen

Bemessungssatz, Familienstatus, Fristen, Wahlleistungen und PKV-Tarif müssen zusammenpassen. Änderungen sollten erst nach einer dokumentierten Status- und Tarifprüfung umgesetzt werden.

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