Riester oder Altersvorsorgedepot: behalten oder wechseln?

Riester oder Altersvorsorgedepot: behalten oder wechseln?

Ab 2027 stellt sich für Millionen Riester-Sparer zum ersten Mal die Frage, ob ihr Vertrag noch die richtige Lösung ist. Die größte Gefahr ist nicht, dass Sie wechseln – sondern dass Sie zum falschen Zeitpunkt, ins falsche Produkt wechseln. Hier strukturieren wir die Entscheidung: behalten, Fördersystematik ändern oder ins Depot – und vor allem wann.

Für bestehende Riester-Verträge Depot erst ab 2027 – jetzt vorbereiten Ungebunden eingeordnet
Ihren Riester vorab prüfen lassen

Auf einen Blick

  • Kein Pauschalurteil: Ob sich der Wechsel vom Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot lohnt, hängt von drei Dingen ab: Anzahl der Kinder, Höhe des Einkommens und Restlaufzeit bis zur Rente.
  • Drei Wege, nicht zwei: Sie können den Riester unverändert weiterführen, ihn beim selben Anbieter in die neue Fördersystematik überführen (der Vertrag bleibt) oder einen neuen Altersvorsorgedepot-Vertrag abschließen.
  • Die Frage ist oft nicht „ob“, sondern „wann“: Bei Familien lohnt der Wechsel häufig erst, wenn die Kinder aus der Zulagen-Förderung herausfallen – vorher ist Riester rechnerisch stärker.
  • Garantie gegen Renditechance: Riester sichert in der Regel die eingezahlten Beiträge zu. Das Altersvorsorgedepot bietet mehr Renditechance, aber keine volle Beitragsgarantie – entscheidend besonders kurz vor der Rente.
  • Faustregel: Junge Sparer mit hohem Einkommen ohne oder mit wenigen Kindern können vom Depot besonders profitieren – wenn Anlagehorizont, Risikotragfähigkeit und Produktkosten passen. Familien mit mehreren kindergeldberechtigten Kindern und niedrigem Eigenbeitrag sowie rentennahe Sparer stehen mit dem bestehenden Riester oft länger besser.

Die kurze Antwort

Riester behalten oder ins Altersvorsorgedepot wechseln? Es gibt keine pauschale Antwort – dieselbe Reform führt je nach Lebenssituation zu völlig unterschiedlichen Empfehlungen. Entscheidend sind drei Größen: Wie viele Kinder Sie haben (die alte Riester-Kinderzulage ist besonders stark: 300 Euro je ab 2008 geborenem, kindergeldberechtigtem Kind, 185 Euro je früher geborenem), wie hoch Ihr Einkommen und Ihr Steuersatz sind (davon lebt der Steuervorteil des Depots) und wie viele Jahre Sie noch bis zur Rente haben.

Grob gilt: Ein junger Sparer mit hohem Einkommen und wenigen Kindern kann im Altersvorsorgedepot ab 2027 deutlich besser aufgehoben sein – wenn er die Wertschwankungen tragen kann, einen langen Anlagehorizont hat und die konkreten Produktkosten passen. Eine Familie mit mehreren kindergeldberechtigten Kindern und niedrigem Eigenbeitrag fährt mit dem bestehenden Riester häufig noch viele Jahre besser; sobald Kinderzulagen wegfallen oder höhere Eigenbeiträge geplant sind, sollte die neue Förderung neu gerechnet werden. Ein rentennaher Sparer mit langer Vertragslaufzeit und aufgebauten Garantiewerten bleibt meist ganz beim Riester. Die wichtigste Regel: nicht reflexartig wechseln, weil „Depot“ nach mehr Rendite klingt – erst rechnen, dann handeln.

Stand der Seite: Das Reformgesetz wurde am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet (Bundesrat-Zustimmung am 8. Mai 2026); die neue Produktwelt mit dem Altersvorsorgedepot gilt für Verträge ab dem 1. Januar 2027. Einzelne Detailregelungen – vor allem zum staatlich organisierten Standardprodukt – werden 2026 noch im Verordnungsverfahren konkretisiert. Diese Seite ist eine Entscheidungshilfe und ersetzt keine auf Ihre Zahlen bezogene Beratung.
Nicht überstürzen: Verbraucherschützer rechnen zum Jahresende 2026 mit einer Verkaufswelle rund um die Reform und raten von vorschnellen Abschlüssen ab. Es gibt keinen Grund zur Eile: Ihr Riester-Vertrag genießt Bestandsschutz und läuft weiter, egal wie Sie sich entscheiden. Erst prüfen, dann handeln.
Sie suchen etwas anderes? Den kompletten Überblick zur neuen Förderung finden Sie auf Altersvorsorgedepot – der Überblick. Den reinen Produktvergleich gegen eine ungeförderte Police behandelt Altersvorsorgedepot vs. Fondspolice, und wie Riester grundsätzlich funktioniert, erklärt die Riester-Rente. Hier geht es ausschließlich um die Frage, was Sie mit Ihrem bestehenden Riester-Vertrag tun.

Ihre drei Wege – einfach erklärt

Viele glauben, mit dem Start des Altersvorsorgedepots müssten sie ihren Riester „jetzt entscheiden“. Das stimmt so nicht. Sie haben ab 2027 drei Möglichkeiten – und nichts davon erzwingt einen Kündigungs- oder Verlustfall.

Weg 1

Riester unverändert weiterführen

Ihr Vertrag läuft nach bisherigem Riester-Recht weiter: gleiche Zulagen, gleiche Beitragsgarantie, gleiche Regeln zur Auszahlung. Sinnvoll, wenn die alte Förderung für Sie stark ist – vor allem mit mehreren Kindern oder kurz vor der Rente.

Weg 2

In die neue Fördersystematik überführen

Kein Produkttausch, sondern ein Förderwechsel: Der Wechsel in die neue steuerliche Förderung soll durch Erklärung gegenüber dem Anbieter möglich sein – der Vertrag bleibt unter Beibehaltung der sonstigen Konditionen bestehen, Garantiewerte und Vertragsstruktur bleiben erhalten. Wichtig: Die Entscheidung für die neue Förderung ist nicht rückgängig zu machen. Zusätzliche Vertragsänderungen (z. B. bei Garantie oder Auszahlungsform) können dagegen von der Zustimmung des Anbieters abhängen.

Weg 3

Neuen Altersvorsorgedepot-Vertrag abschließen

Sie lassen den Riester ruhen oder beitragsfrei stellen und sparen künftig im Altersvorsorgedepot – mehr Renditechance, dafür keine volle Beitragsgarantie. Der echte „Wechsel“. Lohnt vor allem bei langem Anlagehorizont und hohem Steuersatz. Der Anbieterwechsel soll im neuen System einfacher werden: Nach derzeitigem Stand ist vorgesehen, dass der abgebende Anbieter den Wechsel ab fünf Jahren Laufzeit kostenfrei ermöglicht und der neue nur eine begrenzte Verwaltungspauschale berechnen darf; die Details werden noch im Verordnungsverfahren konkretisiert.

Entscheidungslogik: dieselbe Reform, drei Empfehlungen

Der entscheidende Punkt: Die alte Riester-Förderung orientierte sich stark am Vorjahreseinkommen. Die neue Förderung orientiert sich am tatsächlich geleisteten Eigenbeitrag. Dadurch verschieben sich die Vorteile je nach Situation. Drei typische Fälle machen das greifbar.

Behalten

Familie mit drei Kindern

Mit drei kindergeldberechtigten Kindern zählt die hohe Riester-Kinderzulage stark – bei vergleichsweise geringem Eigenbeitrag. Solange die Kinder in der Förderung sind, ist Riester hier rechnerisch oft überlegen. Tendenz: vorerst behalten, Wechsel erst später prüfen.

Wechseln

30 Jahre, Single, gutes Gehalt

Ohne Kinderzulage lebt die Förderung vom Eigenbeitrag und vom Steuervorteil – genau die Stärke des Depots. Bei langem Anlagehorizont und tragbarem Risiko wirkt zudem die Renditechance ohne teure Garantie. Tendenz: bei passenden Produktkosten spricht viel fürs Altersvorsorgedepot.

Behalten

58 Jahre, kurz vor der Rente

Wenige Jahre Restlaufzeit, ein lange laufender Vertrag und bereits aufgebaute Garantiewerte: Hier zählen Stabilität und Planungssicherheit meist mehr als zusätzliche Renditechance. Tendenz: behalten, höchstens die Fördersystematik prüfen.

Dieselbe Reform – drei unterschiedliche Tendenzen. Diese drei Fälle sind Beispiel-Situationen zur Veranschaulichung der Logik, keine auf Sie bezogene Empfehlung: Das tatsächliche Ergebnis hängt von Ihren konkreten Zahlen ab – Garantiewert, Kosten, Steuersatz, Geburtsjahre der Kinder und Anlagehorizont. Genau deshalb ist ein reiner Produktvergleich („Depot hat mehr Rendite“) der falsche Ausgangspunkt. Die richtige Frage lautet: Was passt zu meiner Situation – und wann?

In welche der drei Situationen fallen Sie?
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Nicht nur ob, sondern wann

Der in der öffentlichen Diskussion meist übersehene Punkt: Häufig geht es nicht um die Frage, ob ein Wechsel sinnvoll ist, sondern wann. Es gibt zahlreiche Konstellationen, in denen weder der dauerhafte Verbleib noch der sofortige Wechsel optimal sind – der wirtschaftlich beste Zeitpunkt entsteht individuell.

Das typische Beispiel ist die Familie: Solange Kinderzulagen fließen, ist Riester stark. Mit zunehmendem Alter der Kinder fällt diese Zulage weg – und ab diesem Moment verschiebt sich die Vorteilhaftigkeit zugunsten des Altersvorsorgedepots. Der beste Schritt ist dann nicht „jetzt sofort“, sondern ein geplanter späterer Wechsel.

Warum der Zeitpunkt wirtschaftlich so schwer wiegt, zeigt ein einfaches Modell: Wer ab dem 30. Lebensjahr jährlich 2.340 Euro (Eigenbeitrag plus Zulagen) mit einer angenommenen Nettorendite von 4,5 Prozent bis 67 anspart, kommt rechnerisch auf rund 213.000 Euro. Startet dieselbe Sparrate erst mit 40, sind es nur rund 119.000 Euro – ein Unterschied von etwa 94.000 Euro allein durch zehn Jahre Aufschub (bei dieser Renditeannahme; andere Annahmen ergeben andere Beträge). Das ist die andere Seite der Medaille: Wer zu lange zögert, verschenkt Zinseszins. Wichtig – das spricht für frühes Sparen, nicht für einen überstürzten Produktwechsel: Es geht darum, „jetzt den richtigen Zeitpunkt festzulegen“, nicht reflexartig zu handeln. (Vereinfachtes Modell, keine Steuerberatung.)

Aus der Beratungssicht entsteht damit eine neue Aufgabe: Es wird nicht einfach ein Produkt empfohlen, sondern eine Wechselstrategie mit Zeitpunkt entwickelt. Genau das lässt sich heute schon vorbereiten, obwohl das Depot erst 2027 abschließbar ist.

Behalten, ändern oder wechseln im Vergleich

Die Tabelle stellt die drei Wege an den Punkten gegenüber, an denen sich die Entscheidung wirklich entscheidet. Förder- und Steuerregeln entsprechen dem derzeitigen Reformstand (Inkrafttreten voraussichtlich 2027).

KriteriumRiester behaltenFördersystematik ändernIns Depot wechseln
Vertrag bleibt unverändert bleibt beim Anbieter neuer Vertrag, alter ruht
Förderung orientiert an Vorjahreseinkommen (4 %-Regel) geleistetem Eigenbeitrag geleistetem Eigenbeitrag
Kinderzulage stark – 300 Euro/Kind (ab 2008 geboren), 185 Euro (vorher) bis 300 Euro/Kind, beitragsproportional bis 300 Euro/Kind, beitragsproportional
Beitragsgarantie Ja – Beitragserhalt je nach Produkt Nein – mehr Chance, mehr Schwankung
Renditechance durch Garantie begrenzt je nach Produkt höher – breit am Kapitalmarkt
Passt besonders zu Familien mit Kindern, rentennahe Sparer wer beim Anbieter bleiben, aber neu fördern will jungen Sparern mit hohem Einkommen, langem Anlagehorizont
Aufwand keiner gering (Anbieter-Antrag) höher (Neuauswahl, Anbieterprüfung)

Hinweis: Der Wechsel des Altvertrags in die neue steuerliche Förderung soll durch Erklärung gegenüber dem Anbieter möglich sein; zusätzliche Vertragsänderungen können die Zustimmung des Anbieters voraussetzen. Ein Rückwechsel in die alte Förderung ist nicht möglich. Die Angaben sind keine Steuerberatung.

Rechenbeispiele: warum der Zeitpunkt zählt

Drei Beispiele zeigen, wie stark die gleiche Reform auseinanderläuft. Es geht um die Logik, nicht um centgenaue Prognosen.

Offengelegte Annahmen: Beiträge jeweils zum Jahresende; keine Inflation; Besteuerung der Auszahlung nicht modelliert; Steuererstattung wird nicht wieder eingezahlt; angenommene Nettorendite Alt-Riester 2,0 Prozent, Altersvorsorgedepot 4,5 Prozent. Die Ergebnisse ändern sich deutlich, sobald Kosten, tatsächliches Vertragsguthaben, Garantiewerte, Steuersatz, Wiederanlage von Steuererstattungen oder die konkreten Kinderzulagen abweichen – die hohen Renditeannahmen treiben besonders Beispiel 2. Bewusst transparent gemacht – genau das fehlt vielen Werbe-Rechnungen. Modellrechnung, keine Steuerberatung.

Beispiel 1: Familie, drei Kinder – warum vorerst behalten

Annahme: alle drei Kinder ab 2008 geboren und kindergeldberechtigt (Riester-Kinderzulage je 300 Euro; für vor 2008 geborene Kinder wären es 185 Euro).

Riester heute: 3 Kinderzulagen je 300 Euro900 €/Jahr
Grundzulage (Riester)175 €/Jahr
Zulagen-Zufluss, solange alle Kinder gefördert sind1.075 €/Jahr

Bei einem niedrigen Eigenbeitrag von 125 Euro/Jahr (Beispielannahme: rund 30.000 Euro rentenversicherungspflichtiges Vorjahreseinkommen, drei ab 2008 geborene kindergeldberechtigte Kinder) stehen den 1.075 Euro festen Riester-Zulagen in der neuen, am Eigenbeitrag orientierten Förderung rund 438 Euro gegenüber: 62,50 Euro Grundzulage plus 3 × 125 Euro Kinderzulage (je 1 Euro pro Eigenbeitrags-Euro, bis 300 Euro je Kind). In dieser Familienphase ist der Altvertrag damit weiterhin klar vorn. Strategie: behalten, Wechsel für den Zeitpunkt vormerken, an dem die Kinderzulagen enden.

Wann es kippt: Schon bei rund 350 bis 360 Euro Eigenbeitrag erreicht die neue Förderung ungefähr das alte Zulagenniveau von 1.075 Euro (180 Euro Grundzulage plus 3 × 300 Euro Kinderzulage = 1.080 Euro). Bei 900 Euro Eigenbeitrag läge die neue Zulage sogar bei rund 1.215 Euro. Genau hier liegt die Timing-Frage. Modellrechnung, keine Steuerberatung.

Beispiel 2: 30 Jahre, Single, 55.000 Euro Brutto – warum wechseln

Kinderzulagen0 €
Förderhebel kommt aus Eigenbeitrag bis 1.800 Euro + Steuervorteilhoch
Anlagehorizont bis Renteca. 37 Jahre
Wirkung ohne teure BeitragsgarantieRenditechance zählt

Ohne Kinder bringt die alte Riester-Logik nur die Grundzulage von 175 Euro – bei 1.800 Euro Eigenbeitrag also rund 1.975 Euro Jahresbeitrag, modellierter Endwert über 37 Jahre bei 2,0 Prozent rund 107.000 Euro. Mit der vollen neuen Grundzulage von 540 Euro (2.340 Euro Jahresbeitrag) und 4,5 Prozent Nettorendite sind es rund 213.000 Euro. Der große Abstand kommt zu einem erheblichen Teil aus der höheren Renditeannahme – nicht allein aus der Förderung; mit vorsichtigeren Annahmen schrumpft er deutlich. Tendenz in dieser Beispiel-Situation: das Altersvorsorgedepot. Modellrechnung, keine Steuerberatung.

Beispiel 3: 58 Jahre, 9 Jahre bis zur Rente – warum es auf die Bandbreite ankommt

Altvertrag behalten (sicherer Wert, Modell)ca. 62.000 €
Wechsel ins Depot – schwacher Pfad (−2 %)ca. 46.000 €
Wechsel ins Depot – verhaltener Pfad (+1 %)ca. 58.000 €
Wechsel ins Depot – mittlerer Pfad (+3 %)ca. 67.000 €
Wechsel ins Depot – starker Pfad (+6 %)ca. 85.000 €

Bei nur 9 Jahren Restlaufzeit entscheidet nicht der Durchschnitt, sondern die Bandbreite zum falschen Zeitpunkt: In den schwachen bis verhaltenen Pfaden (−2 % und +1 %) bleibt der Wechsel unter dem sicheren Wert von rund 62.000 Euro – erst ab guten Kapitalmarktjahren liegt er darüber. Wer kurz vor der Rente steht, gibt mit dem Wechsel einen sicheren Wert gegen ein Schwankungsrisiko auf, das sich auf wenige Jahre kaum mehr ausgleicht (Sequenzrisiko). Tendenz: meist behalten. Modellrechnung, keine Steuerberatung.

Die Schwelle, ab der sich der Wechsel für Sie dreht, hängt an Ihren echten Zahlen: Steuersatz, Kinder, Restlaufzeit und der bereits aufgebauten Garantie im Altvertrag. Genau diese vier Größen rechnen wir in der Vorab-Analyse durch.

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Recht & Struktur dahinter

Damit die Einordnung belastbar ist, hier die Grundlagen – bewusst knapp:

  • Reform & Stichtag: Das Altersvorsorgedepot ist Teil der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge mit Start zum 1. Januar 2027. Die bisherige Riester-Welt wird für Neuabschlüsse durch die neue Produktwelt abgelöst; bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und können weitergeführt oder in die neue Fördersystematik überführt werden.
  • Neue Förderung am Eigenbeitrag: Grundzulage und Kinderzulage orientieren sich künftig am geleisteten Eigenbeitrag; gefördert wird ein Eigenbeitrag bis 1.800 Euro im Jahr, Kinderzulage bis 300 Euro je Kind. Der steuerliche Abzug läuft über den Sonderausgabenabzug nach § 10a EStG mit Günstigerprüfung.
  • Alte Riester-Förderung: Die bisherige Förderung setzt einen Mindesteigenbeitrag von 4 Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens voraus; Grundzulage 175 Euro, Kinderzulage 300 Euro je ab 2008 geborenem Kind (185 Euro für früher geborene). Diese Werte gelten für weitergeführte Altverträge fort.
  • Besteuerung: Die spätere geförderte Rente wird nachgelagert als sonstige Einkünfte nach § 22 EStG versteuert – das gilt für Riester wie für das Altersvorsorgedepot gleichermaßen.
  • Garantie-Stufen: Riester sichert zu Beginn der Auszahlung 100 Prozent der eingezahlten Beiträge und Zulagen. Die neue Produktwelt lässt die Wahl zwischen 100-Prozent-, 80-Prozent-Garantie und dem Altersvorsorgedepot ganz ohne Garantie – mehr Renditechance gegen mehr Schwankung.
  • Auszahlungsphase: Riester zielt auf eine lebenslange Rente (bis zu 30 Prozent Einmalauszahlung zu Beginn möglich). Im neuen System wählen Sie zwischen lebenslanger Leibrente und einem Auszahlplan mindestens bis zum 85. Lebensjahr; nicht ausgezahltes Vermögen im Auszahlplan ist vererbbar. Ein Auszahlplan ist aber keine lebenslange Versorgung – das Langlebigkeitsrisiko bleibt bei Ihnen.
  • Erweiterter Zugang: Die Reform öffnet den Zugang zum geförderten Produkt auch für Selbständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke (Ärzte, Apotheker, Anwälte u. a.); in welchem Umfang Zulagen fließen, hängt vor allem vom Eigenbeitrag und von den persönlichen Fördervoraussetzungen ab. Gerade bei Ärzten kann sich die Förderberechtigung im Lebenslauf ändern – angestellt in der Klinik, später ggf. Niederlassung und Versorgungswerk; die Entscheidung sollte daher nicht nur am heutigen Einkommen hängen, sondern auch an der geplanten Berufsbiografie. Mehr dazu auf Altersvorsorgedepot & Versorgungswerk.
  • Förderschädliche Verwendung: Eine vorzeitige Komplettentnahme oder Kündigung mit Auszahlung löst in der Regel die Rückzahlung der gesamten staatlichen Förderung aus – bei Riester wie im neuen System. Die Deutsche Rentenversicherung bietet vor einer Kündigung eine Auskunft über erhaltene Zulagen und Steuerermäßigungen an. Ein Anbieterwechsel ist der förderunschädliche Weg.

Quellen:

Typische Fehler in der Praxis

  • Reflexartig wechseln, weil „Depot“ nach Rendite klingt. Wer die Zulagen- und Garantievorteile des Altvertrags nicht mitrechnet, wechselt oft gegen das eigene Geld.
  • Den Riester überstürzt kündigen. Eine Kündigung kann geförderte Vorteile rückabwickeln. Meist gibt es bessere Wege: ruhen stellen, beitragsfrei stellen oder überführen.
  • Den Zeitpunkt ignorieren. Bei Familien ist nicht „ob“, sondern „wann“ die richtige Frage – ein zu früher Wechsel verschenkt Kinderzulagen.
  • Garantie kurz vor der Rente aufgeben. Wenige Jahre vor Rentenbeginn ist Schwankung gefährlich. Aufgebaute Garantiewerte sind dann oft mehr wert als Renditechance.
  • Auszahlplan mit lebenslanger Rente verwechseln. Ein Auszahlplan sichert keine lebenslange Versorgung. Wer das Langlebigkeitsrisiko absichern will, braucht eine lebenslange Verrentung – das gehört in die Entscheidung.
  • Verrentungsangebote ungeprüft unterschreiben. Beim Übergang in die Auszahlphase tauchen vereinzelt erneute Abschlusskosten auf. Verbraucherschützer kritisieren das, und Gerichte haben einzelne solcher Klauseln für unwirksam gehalten. Kurz vor Rentenbeginn jedes Angebot auf solche Kosten prüfen.

Meine Einschätzung

Jan Pohl, Versicherungsmakler aus Aachen, zur Entscheidung Riester behalten oder ins Altersvorsorgedepot wechseln

Ich erwarte ab 2027 eine Welle von Kunden, die ihren Riester „wegen dem neuen Depot“ loswerden wollen – angetrieben von Werbebotschaften über höhere Renditechancen. In vielen Fällen ist das genau der falsche Reflex. Ein Riester mit drei Kinderzulagen oder kurz vor der Rente ist oft besser als alles, was die neue Welt in dieser Situation bietet. Die größte Gefahr ist nicht das Depot – es ist der unbedachte Wechsel. Bezeichnend: Schon im Alt-System holt nach der amtlichen Zulagenstatistik nur rund die Hälfte der Riester-Sparer die volle Zulage ab. Wer die Förderung heute nicht ausschöpft, liest auch eine Reformoption leicht falsch.

Mein Rat aus über 25 Jahren Praxis: Bevor irgendetwas gekündigt wird, schauen wir uns vier Zahlen an – Kinder, Steuersatz, Restlaufzeit und die bereits aufgebaute Garantie. Daraus ergibt sich nicht nur, ob ein Wechsel sinnvoll ist, sondern auch wann. Bei manchen ist die Antwort „sofort“, bei vielen „in einigen Jahren“ und bei einigen „gar nicht“. Diese Klarheit ist mehr wert als jedes Produktversprechen.

Jan Pohl

Versicherungsmakler aus Aachen · ungebunden · seit 1999

Nächste Schritte

Das Altersvorsorgedepot ist erst ab 2027 abschließbar – die Entscheidung über Ihren Riester können Sie aber jetzt vorbereiten. So gehen Sie vor:

  • Schritt 1: Auskunft über bisherige Zulagen und Steuerermäßigungen einholen (über die Deutsche Rentenversicherung) – und vom Anbieter eine aktuelle Vertragsübersicht mit Guthaben, Garantiewert und Kosten.
  • Schritt 2: Ihre Situation einordnen: junger Sparer mit hohem Einkommen, Familie mit Kindern oder rentennah – das entscheidet die Richtung.
  • Schritt 3: Beim Anbieter klären, wie der Wechsel in die neue steuerliche Förderung organisatorisch erklärt wird (Weg 2) – und getrennt davon prüfen, ob zusätzliche Vertragsänderungen gewünscht und möglich sind. Daran denken: der Förderwechsel selbst ist nicht rückholbar.
  • Schritt 4: Den Dreifachvergleich rechnen – Altvertrag alt, Altvertrag neu gefördert, Neuvertrag – mit klarem Ergebnis: behalten, ändern oder wechseln, und zu welchem Zeitpunkt.

Häufige Fragen

Soll ich meinen Riester behalten oder ins Altersvorsorgedepot wechseln?
Das hängt von Ihrer Situation ab. Familien mit mehreren kindergeldberechtigten Kindern und niedrigem Eigenbeitrag sowie rentennahe Sparer stehen mit dem bestehenden Riester oft besser; junge Sparer mit hohem Einkommen ohne oder mit wenigen Kindern können ab 2027 vom Altersvorsorgedepot profitieren, wenn Kosten, Risikotragfähigkeit und Anlagehorizont passen. Entscheidend sind Kinderzahl, Steuersatz und Restlaufzeit – nicht der Produktname.
Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen, um zu wechseln?
Nein. Sie haben drei Wege: den Riester unverändert weiterführen, ihn beim selben Anbieter in die neue Fördersystematik überführen (der Vertrag bleibt) oder einen neuen Altersvorsorgedepot-Vertrag abschließen und den alten ruhen lassen. Eine Kündigung ist meist der schlechteste Weg, weil sie geförderte Vorteile rückabwickeln kann.
Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Wechsel?
Oft nicht sofort. Bei Familien lohnt der Wechsel häufig erst, wenn die Kinder aus der Zulagen-Förderung fallen – bis dahin ist Riester rechnerisch stärker. Bei jungen Sparern mit hohem Einkommen ohne Kinder kann dagegen der Start 2027 der richtige Zeitpunkt sein. Der beste Zeitpunkt ist individuell und sollte durchgerechnet werden.
Verliere ich meine Riester-Zulagen beim Wechsel?
Beim Weiterführen oder Überführen bleiben bereits erhaltene Förderungen erhalten. Bei einer echten Kündigung mit „schädlicher Verwendung“ sind Zulagen und Steuervorteile dagegen in der Regel zurückzuzahlen. Deshalb prüfen wir vor jedem Schritt, welcher Weg Ihre bereits aufgebaute Förderung schützt.
Was ist mit der Beitragsgarantie meines Riester?
Riester sichert in der Regel mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zu. Das Altersvorsorgedepot bietet diese volle Garantie nicht – dafür mehr Renditechance. Bei langem Anlagehorizont kann die fehlende, aber teuer erkaufte Garantie ein Vorteil sein; kurz vor der Rente ist sie meist ein wichtiger Schutz, den man nicht leichtfertig aufgibt.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot auch für Familien mit Kindern?
Später oft ja, sofort meist nein. Solange mehrere Kinderzulagen fließen, ist der bestehende Riester in der Regel stärker. Sinnvoll ist deshalb häufig eine Strategie mit Zeitpunkt: zunächst Riester behalten, später ins Altersvorsorgedepot wechseln, wenn die Kinder aus der Förderung fallen.
Sind jetzt auch Selbständige und Ärzte förderberechtigt?
Die Reform öffnet den Zugang zum geförderten Produkt auch für Selbständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke wie Ärzte, Apotheker und Anwälte; in welchem Umfang Zulagen fließen, hängt vor allem vom Eigenbeitrag und von den persönlichen Fördervoraussetzungen ab. Für diese Gruppe ist das oft der erste direkte Zugang zur staatlichen Förderung – mehr dazu auf Altersvorsorgedepot & Versorgungswerk.
Auszahlplan oder lebenslange Rente – was ist der Unterschied?
Ein Auszahlplan ist keine lebenslange Rente. Im neuen System können Sie zwischen einer lebenslangen Leibrente und einem Auszahlplan mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr wählen; nicht ausgezahltes Vermögen ist beim Auszahlplan vererbbar, nach Ablauf ist es aber verbraucht. Ein Auszahlplan kann höhere Zahlungen ermöglichen, verlagert aber das Risiko eines sehr langen Lebens auf Sie. Wer dieses Langlebigkeitsrisiko absichern will, wählt die lebenslange Verrentung.

Neue geförderte Altersvorsorge

Erst prüfen, dann entscheiden – nicht reflexartig wechseln

Das Altersvorsorgedepot ist ab dem 1. Januar 2027 abschließbar. Bis dahin prüfen wir gemeinsam, ob Ihr bestehender Riester behalten, geändert oder gewechselt werden sollte — und zu welchem Zeitpunkt. Damit Sie zum Start eine fertige Entscheidung haben.

Noch nicht abschließbar — wir bereiten Ihre Entscheidung vor.

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Das Altersvorsorgedepot-Update 2027: Ich melde mich, sobald sich etwas Konkretes ändert — Start, Anbieter, Konditionen. Kein Werbe-Newsletter, nur Relevantes.

Ihren Riester prüfen lassen

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